ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2009Art Cologne: Eine verhaltene Atmosphäre

KULTUR

Art Cologne: Eine verhaltene Atmosphäre

Jaeschke, Helmut

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Werke des russischen Künstlers Georgy (Gosha) Ostretsov auf der diesjährigen Art Cologne Foto: Koelnmesse
Werke des russischen Künstlers Georgy (Gosha) Ostretsov auf der diesjährigen Art Cologne Foto: Koelnmesse
In Anbetracht der Finanzkrise hatten viele Galerien von vornherein auf Papierarbeiten gesetzt oder kleinere Formate mitgebracht.

Wenn man die euphorischen Kommentare zur diesjährigen Art Cologne las, meinte man, auf der falschen Messe gewesen zu sein. „Das Wunder vom Rhein“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) konnten nur die wenigsten ausmachen, eher herrschte eine verhaltene, wenig lustvolle Atmosphäre, selbst am Eröffnungstag. Das Ambiente war nicht dazu angetan, Aufbruchstimmung zu verbreiten. Vom großzügigen Foyerbereich führten die Rolltreppen hinab ins Erdgeschoss der Halle 11 mit tristem grauem Teppichboden, wo die klassische Moderne auf etwas lieblos zusammengezimmerten Stellwänden untergebracht war. Da wirkte die erste Etage mit Verzicht auf plüschigen Bodenbelag und mit einer offeneren Raumeinteilung frischer. Vielleicht wollte Daniel Hug, der neue Direktor der Art Cologne, bewusst den Fokus auf die hier präsentierte zeitgenössische Kunst verschieben. Interessante, überraschende Malerei, die noch auf der Art Karlsruhe dominiert hatte, war allerdings kaum zu sehen, allenfalls sogenanntes bad painting à la Andre´ Butzer und Jonathan Meese. Verkäufe waren bei den Zeitgenossen eher selten, eine Ausnahme waren die Objekte von Christian Eisenberger bei der Wiener Galerie Konzett, die komplett verkauft wurden, allerdings zu moderaten Preisen um 1 000 Euro.

Qualitativ hochwertige Malerei jüngerer Künstler fand man nicht auf der ersten Etage, sondern eher bei den renommierten Galerien im Erdgeschoss. So bestätigte eine vielfigurige, aktuelle Arbeit von Johannes Hüppi bei der Galerie Löhrl, Mönchengladbach, erneut den Rang dieses Schweizer Künstlers, und es überraschte nicht, dass das Gemälde bereits am Eröffnungsabend verkauft war (32 000 Euro). Die größeren Umsätze wurden dann doch von den bewährten Galerien gemacht, die der Art Cologne treu geblieben sind. Spürbar sei eine Rückbesinnung auf hochwertige Stücke, hieß es im Handel. So meldete die Galerie Thomas, München, Verkäufe im sechsstelligen Bereich für Werke von Sam Francis und Max Ernst. Schlichtenmeier (Grafenau) konnte die „Spirale in Blau“ von E. W. Nay für 335 000 Euro verkaufen, und auch Hubertus Melsheimer, Köln, gab Ölbilder vom selben Künstler ebenfalls für einen sechsstelligen Betrag ab. Nay erlebt zurzeit eine Renaissance.

Die Verkaufszahlen der letztjährigen Messe wurden aber bei Weitem nicht erreicht. In Anbetracht der Finanzkrise hatten viele Galerien von vornherein auf Papierarbeiten gesetzt oder kleinere Formate mitgebracht, was der Attraktivität der Messe nicht förderlich war. Wenn dann aber eine winzige Landschaft von Peter Doig 280 000 Euro kosten sollte (Galerie Werner), so war dieser Preis unangemessen, zumal dieser Maler im Großformat am überzeugendsten ist.

Der Verlauf dieser ersten Art Cologne unter seiner Ägide wird Daniel Hug daran erinnert haben, dass das Rückgrat dieser Messe die Maler der klassischen Moderne und die ebenfalls zu Klassikern avancierten Künstler der letzten Jahrzehnte sind. Einen Wettbewerb mit dem ganz auf zeitgenössische Kunst ausgerichteten Art Forum Berlin hat die Art Cologne wahrlich nicht nötig, zumal jene Messe mit ihrem engen Konzept selbst große Probleme hat.
Dr. med. Helmut Jaeschke
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