ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2009Bankkredite: Überziehungen möglichst vermeiden

WIRTSCHAFT

Bankkredite: Überziehungen möglichst vermeiden

Bandering, Michael

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LNSLNS Ein Bankkredit sollte auf die Bedürfnisse des Arztes zugeschnitten sein.

Benötigt ein Arzt liquide Mittel ohne ausreichendes Kontoguthaben oder in einer Höhe, die einen bereits eingeräumten Bankkreditrahmen überschreitet, bietet sich zunächst ein einfacher Weg an: die Überziehung des Kontos. Damit läuft der Arzt jedoch Gefahr, Ärger mit der Bank zu bekommen, weil diese den nicht abgesprochenen Griff in ihre Geldschatulle nicht schätzt. In der Regel wird das mit einer saftigen Überziehungsprovision (meist mit 4,5 Prozent) zusätzlich zum Normalzins geahndet. Peinlich wird es, wenn die Bank eingereichte Überweisungsaufträge stapelt, bis ein entsprechendes Kontoguthaben angesammelt beziehungsweise die Dispositionen im Rahmen des vorgemerkten Kredits ausgeführt werden können.

Folglich wird der verantwortungsbewusste Arzt bei der Bank einen Kredit in benötigter Höhe beantragen. Ein Kreditgespräch aber setzt die üblichen Unterlagen voraus, die der Bank eine solide Bonitätsprüfung ermöglicht; in erster Linie die drei letzten Jahresabschlüsse sowie geeignete aktuelle Zwischenzahlen. Selbstverständlich interessiert sich die Bank auch für den Anlass des Finanzierungsbedarfs. Der Kreditzweck aber entscheidet letztlich über die Kreditart.

Die Kreditarten
Der Kontokorrentkredit. Aufgabe eines kurzfristigen Kontokorrentkredits ist die Finanzierung des Praxisalltags wie Personal-, Raum- und sonstige Praxisaufwendungen. Die Zinsen für den Kontokorrentkredit errechnen sich aus der tatsächlichen Inanspruchnahme, soweit eine „gespaltene Kondition“ dafür keine Sonderregelung vorsieht (siehe DÄ, Heft 31–32/2008). Berechnungsbasis ist der jeweilige valutarische Kontostand, der oftmals mit dem Buchsaldo nicht übereinstimmt: Schreibt beispielsweise die Bank eine Gutschrift an einem Montag mit Wertstellung (Valuta) Mittwoch gut, so löst eine Lastschriftbuchung am dazwischen liegenden Dienstag einen valutarischen Sollsaldo von einem Tag aus.

Der Eurokredit. Beansprucht der Arzt einen Teil des Kontokorrentmittelkredits zumindest einen Monat lang durchgehend, bietet sich die Möglichkeit einer Verbilligung der Kreditkosten durch Einräumung eines Eurokredits auf ein bis zu zwölf Monate an, der allerdings während seiner Laufzeit stets in voller Höhe in Anspruch zu nehmen ist. Die Mindesthöhe von Eurokrediten liegt – je nach Institut – bei 50 000 bis 100 000 Euro. Die Initiative hierzu liegt beim Arzt selbst, wird doch eine Bank diesen Weg aus Rentabilitätsgründen kaum ohne Kundenanstoß empfehlen.

Der Aval-(Bürgschafts-)Kredit. Diese Kreditart bietet sich insbesondere als preisgünstige Erfüllung einer Mietkaution, zur Abwendung einer Vollstreckung aufgrund eines noch nicht rechtskräftigen Urteils beziehungsweise zur Ermöglichung einer Vollstreckung eines noch nicht rechtskräftigen Urteils oder etwa bei einer Immobilienersteigerung an. Er kostet je nach Bürgschaftshöhe ein bis drei Prozent jährlich.

Langfristige Darlehen. Langlebige Wirtschaftsgüter bedürfen einer langfristigen Finanzierung – primär durch Eigenkapital, aber auch durch mittel- oder langfristige Bankdarlehen (von der häufig angebotenen Händler-/Herstellerfinanzierung sei wegen deren üblicher Kurzfristigkeit abgeraten). Für Darlehen lässt sich – anders als bei Kontokorrentkrediten – regelmäßig eine Zinsfestschreibung aushandeln. Andererseits hat sich der Darlehensnehmer an einen vereinbarten Tilgungsplan zu halten, will er sich nicht der Verpflichtung zur Zahlung einer (meist recht teuren) Vorfälligkeitsentschädigung aussetzen. Glaubt man auf eine gebotene mittel- oder langfristige Finanzierung durch kurzfristige Mittel verzichten zu können, setzt man sich der Gefahr von Liquiditätsengpässen aus, die Banken in solchen Fällen nur noch relativ selten zu überbrücken bereit sind.

Leasing. Der Vollständigkeit halber sei auf Leasing als Alternative aufmerksam gemacht – ein nicht gerade preiswerter Ausweg. Dabei sollte man bedenken, dass als Pro häufig immer noch behauptete „steuerliche Motive“ einem wirtschaftlichen Vergleich nicht standhalten.

Zurückhaltende Banken
Die Diskussionen um die jüngste Gesundheitsreform – die primär ein teures, bürokratisches Monster nach sozialistischer Prägung schafft, aber auch die Einkünfte der frei praktizierenden Ärzte bei gleichzeitig sinkender Patientenversorgung beschneidet, – sorgte bei den Banken für eine wachsende Zurückhaltung bei Ärztekrediten. Dies schmälert den Verhandlungsspielraum des Arztes bei Kredit- oder Konditionsabsprachen. Daher gilt es, der Bank nicht nur zeitnahe Jahresabschlüsse vorzulegen, sondern auch zu kommentierende aktuelle Zahlen. Heute achtet man mehr denn je auf die Ertragskraft einer Praxis sowie auf die Kommunikationsbereitschaft des Arztes, die letztlich über ein Ja oder Nein eines Kredit-/Darlehenswunsches entscheiden.

Ein erfolgreiches Kreditgespräch setzt ein durchdachtes Konzept für das beabsichtigte Vorhaben voraus. Dazu zählt auch, dem Geldgeber eigene Vorstellungen von präferierten Kreditarten vorzulegen. Das sollte einen nicht zu klein bemessenen anzustrebenden Kreditrahmen einschließen, der Kreditüberziehungen – eine denkbar schlechte Visitenkarte für einen Arzt – überflüssig macht.
Michael Bandering
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