ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2009Börsebius: Die Ölpreismacher

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Börsebius: Die Ölpreismacher

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LNSLNSLNSLNS Es ist jetzt gerade mal ein Jahr her, und die Aufregung war riesengroß, als der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent auf 145 Dollar stieg. Für 159 Liter eine solche unglaubliche Summe für das Rohöl zahlen zu müssen, hatte kaum jemand erwartet. Natürlich, als es so weit war, überschlugen sich etliche Experten wiederum mit ihren Faseleien, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Zweihundertermarke fiele, der Boom in China und Indien würde dies einfach abfordern.

Pustekuchen, es kam, wie so oft, anders. Der Barrelpreis, der anscheinend das Zeug hat, auch ernsthafte Experten zur Verzweiflung zu treiben, fiel in nur sechs Monaten von höchsten Höhen auf tiefste Tiefen und drehte erst bei 34 Dollar wieder bei.

Eine zufriedenstellende Erklärung, was genau den Ölpreis bewegt, scheinen die Analysten also bislang nicht liefern zu können. Das ist einigermaßen erstaunlich, ist doch der Rohölpreis der mit Abstand wichtigste Einzelpreis der Welt. Um diesen Rohstoff wurden schon erbitterte Kriege geführt, er hat einigen Ländern (Kuwait) zu unermesslichen Reichtümern verholfen und andere dafür, weil rohstoffarm, in bittere Armut gestürzt. Ohne Öl kein Plastik, keine Medikamente, kein Flugzeug in der Luft, kein Auto auf der Straße und kein Schiff auf den Weltmeeren.

Also, mit den gängigen statistischen Verfahren lässt sich der Ölpreis einfach nicht prognostizieren, bestenfalls sehr langfristige Trends sind für die letzten 150 Jahre festzustellen. Dort gilt: Je stärker die industrielle Blüte, desto höher der Ölpreis. Aber es gab auch in diesen Phasen unerklärliche Abbrüche.

Im kurz- und mittelfristigen Prognosezeitraum gelten diese Einflussgrößen aber keineswegs. Das jedenfalls zeigte jüngst der Ökonomieprofessor James Hamilton von der University of California. Der Forscher nahm für seine aufsehenerregende Studie alle Daten von 1970 bis 2008 unter die Lupe. Zur selben Zeit überschwemmten die Analysehäuser und Banken dieser Welt ihre Kundschaft mit pseudowissenschaftlichen Studien zum Ölpreis, mit buntesten Bildchen und tollen Grafiken, versteht sich, nur um gute Geschäfte zu machen, letztlich auf Kosten der Kunden.

Was lehrt uns das alles? Wenn Ihnen der Anlagerberater Ihrer Bank mal wieder einen Ölpreisbasket oder ein dolles Zertifikat auf Basis „Brent Oil irgendwas“ andrehen will, weil der wieder genau weiß, dass der Ölpreis nur noch eine Richtung haben wird: Vergessen Sie es einfach ganz schnell.
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