ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2009Bleiintoxikationen durch gestrecktes Marihuana in Leipzig: Indikation für Chelattherapie kritisch stellen
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LNSLNS Bleivergiftungen sind entgegen der Annahme der Autoren leider nicht selten geworden. Nach Auskunft der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung wurden in zehn Jahren über 100 Bleiintoxikationen als Berufskrankheit anerkannt. Die tatsächliche Zahl dürfte erheblich höher sein. Der Hinweis, eine Bleiintoxikation könne durch einen Bleisaum diagnostiziert werden, ist in dieser Form irreführend. Tatsächlich fehlt er häufig und ist somit kein zuverlässiges Symptom. Darüber hinaus ist die Differenzialdiagnose zu Zahnsteinablagerungen manchmal schwierig. Diagnostisch wegweisend ist meistens eine gute arbeits- und umweltmedizinische Anamnese, an die sich die Bestimmung des Blutbleispiegels anschließt.

Bei den gastrointestinalen Symptomen einer Bleiintoxikation sind Übelkeit und Erbrechen zu ergänzen. Eine symptomatische Therapie abdomineller Krämpfe kann in der lokalen Applikation von Wärme bestehen.

Im Kapitel „Diagnose“ wird angegeben, dass mit der Vollblutkonzentration von Blei nur die akute Exposition der letzten 35 Tage gemessen werden könne. Hier liegt offensichtlich eine Verwechslung mit der ersten (schnellen) biologischen Halbwertszeit vor. Tatsächlich kann der Blutbleispiegel wesentlich länger als 35 Tage erhöht sein (1).

Nicht nachvollziehbar ist die vorgeschlagene Chelattherapie bei Männern mit einem Blutbleispiegel > 250 µg/L und bei Frauen sogar bei > 150 µg/L. Bei Erwachsenen kommen behandlungsbedürftige Intoxikationen nicht bei Blutbleispiegeln in dieser Höhe vor. Bei der Indikationsstellung muss die klinische Symptomatik berücksichtigt werden. Nebenwirkungen einer nicht indizierten Chelattherapie können ein Verfahren wegen Körperverletzung nach sich ziehen. DOI: 10.3238/arztebl.2009.479a


Prof. Dr. med. Axel Muttray
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Obere Zahlbacherstraße 67, 55131 Mainz
E-Mail: amuttray@uni-mainz.de
1.
Skervfing S, Bergdahl IA. Lead: In: Nordberg GF, Fowler BA, Nordberg M, Friberg LT (Hrsg.): Handbook on the toxicology of metals. Amsterdam: Elsevier 2007; 599–643. MEDLINE
2.
Busse FP, Fiedler GM, Leichtle A, Hentschel H, Stumvoll M: Lead poisoning due to adulterated Marijuana in Leipzig [Bleiintoxikationen durch gestrecktes Marihuana in Leipzig]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105: 757–62.
1. Skervfing S, Bergdahl IA. Lead: In: Nordberg GF, Fowler BA, Nordberg M, Friberg LT (Hrsg.): Handbook on the toxicology of metals. Amsterdam: Elsevier 2007; 599–643. MEDLINE
2. Busse FP, Fiedler GM, Leichtle A, Hentschel H, Stumvoll M: Lead poisoning due to adulterated Marijuana in Leipzig [Bleiintoxikationen durch gestrecktes Marihuana in Leipzig]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105: 757–62.

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