ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2009Bleiintoxikationen durch gestrecktes Marihuana in Leipzig: Wegweisend für eine Intoxikation

MEDIZIN: Diskussion

Bleiintoxikationen durch gestrecktes Marihuana in Leipzig: Wegweisend für eine Intoxikation

Lead Poisoning Due to Adulterated Marijuana in Leipzig: Indicative of Intoxication

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(28-29): 479-80; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0479c

Drexler, Hans

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LNSLNS Der Beitrag macht deutlich, dass auch im 21. Jahrhundert noch klassische Bleivergiftungen auftreten können. Leider zeigt der Artikel aber auch die Schwierigkeiten vieler klinisch tätiger Ärzte mit der Interpretation von Biomonitoringbefunden. Wegweisend für die Diagnose einer Intoxikation sind der klinische Befund, die Anamnese und die Laborwerte. Die Überschreitung von Grenzwerten alleine ist noch keine Vergiftung.

Der Biologische Arbeitsstoff-Toleranz (BAT)-Wert für den Blutbleispiegel wurde 1981 mit 700 µg/L Vollblut evaluiert. Wegen Langzeiteffekten wurde der BAT-Wert im Jahr 2000 von der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe auf 400 µg/L Vollblut abgesenkt. Im Jahr 2006 wurde Blei in die Krebskategorie 2 (Tierversuch) eingruppiert. Zur Prävention nicht-kanzerogener Effekte wurde ein Biologischer Leitwert in Höhe des ausgesetzten BAT-Wertes formuliert. Für Frauen im gebährfähigen Alter konnte wegen der fruchtschädigenden Wirkung von Blei kein Grenzwert festgesetzt werden. Die Werte für Frauen orientieren sich daher an der Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung. Der Referenzwert lag 1981 bei 300 µg/L Vollblut. Bei rückläufiger Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung wurde der Wert für Frauen unter 45 Jahren im Jahr 2003 auf 100 µg/L Vollblut angepasst.

Per definitionem von einer Bleivergiftung bei Überschreiten des HBM-II-Wertes von 250 µg/L zu sprechen, kann nicht als adäquate Interpretation eines Messergebnisses bewertet werden. Auch im 21. Jahrhundert werden an deutschen Arbeitsplätzen noch Bleikonzentrationen bis über 700 µg/L Vollblut gemessen, ohne dass die Exponierten Symptome einer klinisch manifesten Vergiftung aufwiesen.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0479c


Prof. Dr. med. Hans Drexler
Schillerstraße 25
91054 Erlangen
1.
Busse FP, Fiedler GM, Leichtle A, Hentschel H, Stumvoll M: Lead poisoning due to adulterated Marijuana in Leipzig [Bleiintoxikationen durch gestrecktes Marihuana in Leipzig]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105: 757–62. VOLLTEXT
1. Busse FP, Fiedler GM, Leichtle A, Hentschel H, Stumvoll M: Lead poisoning due to adulterated Marijuana in Leipzig [Bleiintoxikationen durch gestrecktes Marihuana in Leipzig]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105: 757–62. VOLLTEXT

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