ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2009Arztgeschichte: Eine Vorahnung

SCHLUSSPUNKT

Arztgeschichte: Eine Vorahnung

Dtsch Arztebl 2009; 106(28-29): [108]

Müller, Joachim

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Zeichnung: Elke R. Steiner
Zeichnung: Elke R. Steiner
„Die Patientin sagte eines Sonntagsmorgens zur Hilfsschwester, die im Zimmer gerade Ordnung machte: ,Schwester, ich sterbe heute noch.‘“

Meine internistische Abteilung war im Pavillonsystem in zwei Häusern untergebracht. Im kleineren Nebenhaus wurden Leichtkranke behandelt, zum Beispiel Diabetiker und andere Patienten, die noch umhergehen konnten. So befand sich eines Tages auch eine circa 40-jährige Frau mit einer oberflächlichen Unterschenkelthrombose in diesem, wie wir sagten, „Zuckerhäuschen“ in der Behandlung. Für eine tiefer liegende Thrombose fand sich keinerlei Anhaltspunkt. Diese Patientin sagte eines Sonntagsmorgens zur Hilfsschwester, die im Zimmer gerade Ordnung machte: „Schwester, ich sterbe heute noch.“ Worauf diese Hilfsschwester zwar scherzte, wie sie auf so etwas Schlimmes komme, aber sie gab diese Information doch an den diensthabenden Kollegen weiter. Bei seiner anschließenden eingehenden körperlichen Untersuchung ergaben sich erneut keine neuen Gesichtspunkte, im Gegenteil, die bestehende Unterschenkelthrombose erschien im Laufe der Therapie schon gebessert, und die Patientin ging wieder mit elastischen Verbänden durch das Zimmer.

Und trotzdem – am gleichen Tage, nachmittags, verstarb sie plötzlich, als ihr Ehemann zu Beginn der Besuchszeit an ihr Bett trat. Eine massive Lungenembolie war die Ursache. Woher kam das tiefe Erahnen des nahen Todes, mit dem sie „wartete“, bis ihr geliebter Ehemann das Zimmer betrat?
Joachim Müller
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