ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2009ALL: Erfolgreiche Therapie ohne Schädelbestrahlung

AKTUELL: Akut

ALL: Erfolgreiche Therapie ohne Schädelbestrahlung

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die prophylaktische Schädelbestrahlung, einst ein Meilenstein in der Behandlung von Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL), wird wegen ihrer Spätkomplikationen, wie Sekundärtumoren oder Beeinträchtigungen der Hirnentwicklung heute weitgehend vermieden. Eine jetzt im „New England Journal of Medicine“ (NEJM 2009: 360: 2730–41) publizierte Studie verzichtete erstmals vollständig auf die Bestrahlung – und erzielte hervorragende Therapieergebnisse.

Eine prophylaktische Schädelbestrahlung war früher Standard in der Behandlung der ALL, da viele Zytostatika die Bluthirnschranke nicht passieren und der subklinische Befall des Gehirns häufiger Ausgangspunkt von Rezidiven war. Die Einführung der Schädelbestrahlung verbesserte die Heilungsraten bei der ALL von vier auf 50 Prozent, erinnert Studienleiter Dr. Ching-Hon Pui vom St. Jude Children's Research Hospital in Memphis/Tennessee. Dort wurde die Radiatio des Schädels bei Kindern mit ALL erstmals eingeführt, heute jedoch möglichst durch intrathekale Applikation von Zytostatika ersetzt. Noch immer aber werden circa 20 Prozent der Patienten bestrahlt.

Anpassung der Chemotherapie bei Diagnose von Tumorresten
Die Total-Therapy-XV-Studie ist nach Aussage von Pui die erste, in der bei allen Patienten auf eine Schädelbestrahlung verzichtet wurde. Das Vorgehen: Nach einer Induktionstherapie mit Zytostatika bestimmten die Forscher, ob eine minimale Resterkrankung vorlag, also Krebszellen die erste Chemotherapie überlebt hatten. Wenn Tumorzellen vorhanden waren, wurde die folgende Zytostatikatherapie dem erhöhten Risiko angepasst. Zum Studienende lag die Fünf-Jahresrate eines ereignisfreien Überlebens der 498 Studienteilnehmer bei 85,6 Prozent, die Fünf-Jahresüberlebensrate betrug sogar 93,5 Prozent. Das sind nach Auskunft von Pui die besten, jemals bei der ALL erreichten Ergebnisse – was nicht ausschließt, dass sie nach Anwendung einer Schädelbestrahlung noch besser gewesen wären. 2,7 Prozent der Patienten erlitten ZNS-Rezidive, die allerdings auch mit Schädelbestrahlung nicht hätten vermieden werden können, meint Pui.

Er schließt dies aus der Analyse der Ergebnisse von 71 Patienten, die nach früheren Therapieschemata eine Schädelbestrahlung erhalten hätten. Die Behandlungsergebnisse in der Studie für diese Gruppe seien besser als die einer historischen Kontrolle, in der bestrahlt wurde. Rüdiger Meyer
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