ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2009Psychotherapie bei körperlichen Erkrankungen: Eine effektive Ergänzung

EDITORIAL

Psychotherapie bei körperlichen Erkrankungen: Eine effektive Ergänzung

Gieseke, Sunna

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LNSLNS F ür diesen Rücken sind Sie 20 Jahre zu jung“, sagte ein Orthopäde zu seinem an Rückenschmerzen leidenden Patienten. „Wir könnten Sie operieren, ansonsten kann ich nichts mehr für Sie tun.“ So oder ähnlich könnte das Gespräch weitergehen. Für den Patienten ist das eine recht unbefriedigende Situation. Es gibt nur eine vage Diagnose – und keine wirkliche Heilung. Dabei sollten bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Behandlung psychische Faktoren in Betracht gezogen werden. Hierfür wäre eine enge Zusammenarbeit von Ärzten und Psychologischen Psychotherapeuten (PP) wünschenswert.

Dass körperliche Erkrankungen von psychischen Störungen begleitet werden können, ist bekannt. Dass allerdings eine psychotherapeutische Intervention zu einer gelungenen Krankheitsbewältigung beitragen kann, ist wohl immer noch nicht bei allen angekommen. Nicht ohne Grund werden Schmerzpatienten häufig erst als letzte Möglichkeit an Schmerzzentren wie das an der Uniklinik in Mainz verwiesen. „Ich kann nichts finden, dies ist ein Fall für Sie“, sei ein typischer Auftrag von Ärzten an das Schmerzzentrum, sagt Dr. Paul Nigles, PP und leitender Psychologe des Zentrums. „Erst bei medizinisch nicht oder nicht vollständig erklärbaren Symptomen werden psychische Faktoren in Betracht gezogen.“

Eine Psychotherapie begleitend zur somatischen Behandlung verbessert die Prognose – nicht nur bei Rückenbeschwerden, sondern auch bei Diabetes mellitus und koronaren Herzkrankheiten. Das ist das Fazit eines Symposiums der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) Mitte Juni in Berlin.

Viele Patienten reagieren allerdings verstört, wenn sie die Möglichkeit unterbreitet bekommen, eine Psychotherapie zu machen. „Ich habe es doch im Rücken und nicht im Kopf“, kann dann eine der möglichen Reaktionen sein. Hier müssten Ärzte und PP an einem Strang ziehen. Eine gezielte Aufklärung und Information der betroffenen Patienten könnte hilfreich sein. Zudem zeigt sich, dass körperliche Symptome positiv beeinflusst werden können – bis zum Verschwinden der Leiden. Das hob auch Dipl.-Psych. Dieter Best, Vorsitzender der DPtV, hervor: „Die Lebensqualität für die Patienten wird klar verbessert, und nicht zuletzt wird durch verkürzte Krankheitskosten das System entlastet.“

Aber: Eine zusätzliche Behandlung chronisch Kranker ist in einer angemessenen Form derzeit gar nicht möglich. Diese psychologisch-psychotherapeutischen Leistungen müssten dafür in den GKV-Katalog aufgenommen werden. Bis das nicht erfolgt ist, kann die Kompetenz der Psychotherapeuten auch noch nicht im erforderlichen Umfang genutzt werden – vor allem, da sie an die Richtlinien-Psychotherapie gebunden sind.

Ein weiterer Streitpunkt ist immer noch die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss hat nun eine Entscheidung zur Regelung der Mindestquote getroffen – diese stößt nicht gerade auf Zustimmung aller Beteiligten. Mehr dazu auf Seite 295.

Bei aller Fürsorge für die Patienten dürfen aber die PP auch sich selbst nicht vergessen. Es ist für sie besonders wichtig, mit den eigenen Ressourcen vernünftig umzugehen. Mehr zur Selbstfürsorge auf Seite 307.
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