ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2009Bildtexte/Textbilder: Fritz Schwegler – Fragliche Gebrauchsanweisung

KUNST + PSYCHE

Bildtexte/Textbilder: Fritz Schwegler – Fragliche Gebrauchsanweisung

Kraft, Hartmut

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LNSLNS Es ist nicht gerade häufig, dass zu einem Kunstwerk eine Gebrauchsanweisung gleich mitgeliefert wird – diese sogar einen Teil des Kunstwerks darstellt. Bei dem Doppelpfeil „Die Richtung stimmt“/„The direction is right“ von Fritz Schwegler ist dies der Fall. Auf der dem Objekt beiliegenden, handkolorierten Fotokopie erläutert der Künstler die Herstellungsweise und Maße des Objekts sowie die Art seiner Verwendung: „Stimmen tut’s nur, wenn es vor einem auf dem Fußboden oder der Erde liegt (...) Also wichtig ist, dass man die Pfeile immer so vor sich hat, dass der eine nach links, der andere nach oben oder vorn zeigt, aber ganz genau. Denn nur auf diese Weise stimmt die Richtung immer, was wir ja wollen.“

Fritz Schwegler: Die Richtung stimmt. Beidseitig beschriftetes Holzobjekt (16 × 16 × 1 cm) und handbemalte Fotokopie, diese rückseitig nummeriert 18/40 und gestempelt „EFFESCH PARTITUR COPIE“ und „ARTÜBUNG ZUR EFFESCHIADE“. Aus: F. Sch.: 4 Effeschiadenstücke zum Glücke. 19. Karton der Edition Hundertmark, Berlin 1972.Foto: Eberhard Hahne
Fritz Schwegler: Die Richtung stimmt. Beidseitig beschriftetes Holzobjekt (16 × 16 × 1 cm) und handbemalte Fotokopie, diese rückseitig nummeriert 18/40 und gestempelt „EFFESCH PARTITUR COPIE“ und „ARTÜBUNG ZUR EFFESCHIADE“. Aus: F. Sch.: 4 Effeschiadenstücke zum Glücke. 19. Karton der Edition Hundertmark, Berlin 1972.
Foto: Eberhard Hahne
Ein politisch motiviertes Objekt? Das erscheint bei den als „Effeschiaden“ bezeichneten Bildern, Texten, Objekten und Performances von Fritz Schwegler als hoffnungslos zu kurz gegriffen. Wenn wir uns auf seine Objekte und Anweisungen einlassen, tauchen wir in seine heiter-skurrile Welt des sanften Lächelns ein. „Effesch“ verdankt sich dabei übrigens der lautmalerischen Niederschrift der Anfangsbuchstaben des Künstlernamens Fritz Schwegler. Seine Kunstwerke atmen etwas vom Geist des Koan, wie wir ihn aus dem Zen-Buddhismus kennen, mit dem sich der Künstler auf seinen vielen Reisen durch die Welt intensiv beschäftigt hat. Beim Koan handelt es sich um kurze Anekdoten oder Sentenzen eines Meisters, welche für Laien zumeist vollkommen paradox klingen. Den Suchenden aber kann ein derartiges Koan zur Meditation dienen und zur Erleuchtung führen. Dieser Ansatz führt zum „schwäbischen Zen-Meister“, wie Fritz Schwegler einmal genannt wurde. Wir sind es gewohnt, Richtungspfeilen zu folgen – aber zweien gleichzeitig? Und was soll das für eine Ausrichtung nach links sein, die – zumindest in der englischen Version – doppeldeutig als „right“ bezeichnet wird? Und verführt dieses kleine Objekt nicht dazu, es allen Anweisungen zum Trotz ganz anders hinzulegen, es auf den Kopf zu stellen oder an die Wand zu hängen? Es würde zu einem Koan passen, wenn es uns nicht gelänge, eine eindeutige Verwendung und Interpretation zu liefern. So sei es. Hartmut Kraft

Biografie Fritz Schwegler
Geboren 1935 in Breech bei Göppingen. Schreinerlehre und Meisterprüfung. Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Stuttgart, in London, Paris, Rom, Kairo, New York und Tokio. 1975–2000 Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf. 1999 Hans-Thoma-Preis. Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen. Lebt in Breech und Düsseldorf.

Literatur:
Krüger M: Ein schwäbischer Zen-Meister. DIE ZEIT, Nr. 19/1979 vom 04.05.1979.
F. Sch.: Abulvenz Aushang. Staatliche Kunsthalle, Baden-Baden 1999.
Seidl A: Das Weisheitbuch des Zen. Hanser, München 1988.
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