ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2009Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten: G-BA bremst bei der Mindestquote

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Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten: G-BA bremst bei der Mindestquote

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Zum 1. Januar trat das Gesetz zur Mindestquotenregelung in Kraft. Der G-BA hat nun einen Beschluss gefasst, der eine zusätzliche Hürde vorsieht.

Foto: iSTockphoto
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Etwa 700 neue Vertragssitze für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) wurden von der Psychotherapeutenschaft bereits zum April 2009 erwartet. Noch im vergangenen Herbst wurde das Gesetz, das durch das Bundesministerium für Gesundheit auf den Weg gebracht wurde, als voller Erfolg gefeiert. Es trat zum 1. Januar 2009 in Kraft und sollte die Quotenregelung für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sicherstellen. Künftig soll in jedem Planungsbereich ein bestimmter Anteil der Zulassungsmöglichkeiten denjenigen psychotherapeutisch tätigen Ärzten sowie Psychotherapeuten vorbehalten bleiben, die ausschließlich Kinder und Jugendliche betreuen.

Bereits im Frühjahr war die Stimmung in der Psychotherapeutenschaft getrübt: Viel zu lang habe die Entscheidung des Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) auf sich warten lassen, so die vorherrschende Meinung. Auf die näheren Bestimmungen zum Gesetz durch den G-BA mussten die Psychotherapeuten dann noch bis Juni warten. Dieser hat das Gesetz allerdings stark modifiziert umgesetzt, denn der Beschluss sieht zusätzlich eine Zehn-Prozent-Hürde vor. Erst wenn diese überall erfüllt ist, könne auch in anderen Planungsbezirken der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung die Quote auf 20 Prozent erhöht werden. Vor allem soll damit vermieden werden, dass weniger attraktive Gebiete unbesetzt bleiben.

Beschluss wird stark kritisiert
Die Mindestquote für KJP soll in einer zweijährigen Übergangszeit gleichmäßig und flächendeckend angehoben werden. Ein Jahr nach Inkrafttreten der Richtlinienänderung will der G-BA die praktischen Auswirkungen der neuen Regelung überprüfen und lokalen Unterschieden gegebenenfalls entgegenwirken.

Der Beschluss des G-BA sorgte in der Psychotherapeutenschaft für viel Aufsehen. Bereits auf dem 14. Psychotherapeutentag Anfang Mai in Berlin forderten die Delegierten eine Bedarfsplanung, die sich an der gesellschaftlichen Realität orientiere. Noch immer seien die Wartelisten der Psychologischen Psychotherapeuten (PP) und KJP viel zu lang. Nun zeigte sich die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) empört über den G-BA-Beschluss: „Der G-BA verzögert eine bessere Versorgung von Kindern und Jugendlichen.“ Gleichzeitig sprach die BPtK die Forderung aus, den G-BA-Beschluss zu beanstanden, da dieser die gesetzlichen Vorgaben nicht umsetze. „Er blockiert mit seiner Entscheidung die Reform“, sagte Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der BPtK. Die Unterversorgung werde damit für zwei weitere Jahre fortgeschrieben, betonte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), Dipl.-Psych. Gebhard Hentschel. Die DPtV kritisiert darüber hinaus, dass Psychotherapeuten, die sowohl als PP als auch als KJP niedergelassen sind, bei der Ermittlung des Versorgungsgrades jeweils mit einem Faktor von 0,5 berücksichtigt werden sollen. Tatsächlich würden diese PP im Durchschnitt nur wenige Kinder und Jugendliche behandeln, so der DPtV. Dies habe zur Folge, dass der Versorgungsgrad für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen künstlich hochgerechnet werde. Damit gingen zusätzliche Behandlungsplätze für Kinder und Jugendliche verloren.

Die gemeinsame Bedarfsplanung von KJP und Erwachsenentherapeuten wurde bereits in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. Die BPtK und die psychotherapeutischen Berufsverbände forderten im vergangenen Herbst eine Mindestversorgungsquote von 20 Prozent für KJP. Kinder und Jugendliche würden auch rund 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen und durchschnittlich genauso häufig psychisch erkranken wie Erwachsene, lautete die Begründung.
Sunna Gieseke
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