ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2009Fortbildungsverpflichtung: Die meisten Ärzte haben ihr Zertifikat bereits in der Tasche

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Fortbildungsverpflichtung: Die meisten Ärzte haben ihr Zertifikat bereits in der Tasche

Dtsch Arztebl 2009; 106(28-29): A-1446 / B-1231 / C-1199

Gerst, Thomas

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Papierberge soll es künftig bei der Fortbildungserfassung nicht mehr geben. Die nicht elektronisch übermittelten Fortbildungsnachweise machen den Ärztekammern derzeit viel Arbeit. Foto: Keystone
Papierberge soll es künftig bei der Fortbildungserfassung nicht mehr geben. Die nicht elektronisch übermittelten Fortbildungsnachweise machen den Ärztekammern derzeit viel Arbeit. Foto: Keystone
Am 30. Juni war der Stichtag. Bis dahin mussten Vertragsärzte, die seit Juli 2004 niedergelassen sind, nachweisen, dass sie sich in den vergangenen fünf Jahren ausreichend fortgebildet haben.

Mit dem zusätzlichen Angebot zertifizierter Online-Fortbildung wurde das Deutsche Ärzteblatt offenbar den Bedürfnissen vieler Leser gerecht. Die Fortbildung KOMPAKT in zwei DÄ-Beilagen und den entsprechenden Online-Angeboten im Zeitraum von Ende April bis Mitte Juni wurde intensiv genutzt, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass unter den Nutzern auch Ärztinnen und Ärzte waren, die kurz vor dem Ende der Nachweisfrist noch die letzten fehlenden Punkte auf ihrem Fortbildungskonto verbuchen wollten. Insgesamt – das heißt zusammen mit dem regulären DÄ-Fortbildungsangebot – wurden beim Deutschen Ärzteblatt vom 23. April bis zum 15. Juni 90 453 Teilnahmen registriert.

Auch der Andrang bei der Antragsstellung für ein Fortbildungszertifikat der Ärztekammern, das als Beleg für den Nachweis bei den Kassenärztlichen Vereinigungen dient, war kurz vor Toresschluss groß. Denn das Datum der Antragstellung bei der Ärztekammer ist entscheidend – bis zum 30. Juni mussten diejenigen Ärzte, die bereits seit fünf Jahren niedergelassen sind, den Nachweis erbringen, dass sie 250 Fortbildungspunkte erworben haben. Eine Vielzahl von Ärzten reichte ihre noch nicht elektronisch erfassten Fortbildungsbelege zusammen mit dem Antrag erst kurz vor Fristende ein; die Bearbeitung dieser Unterlagen wird noch mehrere Wochen dauern. Kein Arzt muss sich aber Sorgen um die Anerkennung seiner Fortbildungspunkte durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) machen, sofern er den Antrag bei der Ärztekammer rechtzeitig bis zum 30. Juni gestellt hat.

Es wird noch einige Zeit verstreichen, bis klar ist, wie viele Ärzte im dritten Quartal tatsächlich von der im Sozialgesetzbuch vorgeschriebenen Honorarkürzung in Höhe von zehn Prozent betroffen sein werden. Auch muss noch abschließend bei den KVen über vorliegende Anträge auf Fristverlängerung entschieden werden. Die bisher vorliegenden Zahlen bieten noch Spielraum für Spekulationen, auch wenn klar ist, dass der weitaus größte Teil der Vertragsärzte der Fortbildungsverpflichtung fristgerecht nachgekommen ist. Bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung rechnet man mit rund fünf Prozent säumigen Ärzten.

So lag etwa bei der KV Bayerns zum 30. Juni für rund drei Viertel, nämlich 15 900, der nachweispflichtigen Ärzte und Psychotherapeuten ein Zertifikat über den Erwerb von 250 Fortbildungspunkten vor. Von dem restlichen Viertel werden vermutlich viele ihr Zertifikat rechtzeitig beantragt haben. Detailliertere Angaben sind hier jedoch nicht möglich, da die Ärztekammer nicht weiß, welche Antragsteller zum Stichtag 30. Juni nachweispflichtig gegenüber der KV sind. Für einige Ärzten wird es sicherlich ein böses Erwachen geben, wenn ihr Honorar im dritten Quartal gekürzt wird. Die KVen sehen hier keinen Gestaltungsspielraum, ist die Sanktionierung doch sehr präzise in § 95 d SGB V geregelt.

Auch in Nordrhein wird es noch dauern, bis die endgültigen Zahlen vorliegen. Dort haben bereits 83,4 Prozent – Stand 1. Juli – der rund 12 000 nachweispflichtigen Vertragsärzte ein Fortbildungszertifikat der Ärztekammer. Rund sechs Prozent der Ärzte haben mehr als 250 Punkte auf ihrem elektronischen Fortbildungskonto, ohne bei der Kammer ein Zertifikat beantragt zu haben. Ob ein Ausdruck des Fortbildungskontos für die KV als Nachweis ausreicht, ist zwischen den Körperschaften nicht abgestimmt. 4,5 Prozent der Ärzte in Nordrhein haben weniger als 100 Punkte auf dem Konto. Ob diese Ärzte den erforderlichen Nachweis erbringen können – darüber lässt sich allerdings nur spekulieren. Vor September kann man nichts Genaues sagen – womöglich ist man mit dieser Auskunft der KV Baden-Württemberg derzeit am besten bedient.
Thomas Gerst

Honorarkürzung
§ 95 d SGB V
„. . . Erbringt ein Vertragsarzt den Fortbildungsnachweis nicht oder nicht vollständig, ist die Kassenärztliche Vereinigung verpflichtet, das an ihn zu zahlende Honorar aus der Vergütung vertragsärztlicher Tätigkeit für die ersten 4 Quartale, die auf den Fünfjahreszeitraum folgen, um 10 v. H. zu kürzen, ab dem darauf folgenden Quartal um 25 v. H. . . .“
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