ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2009Elektronische Gesundheitskarte: In der Werkstatt

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Elektronische Gesundheitskarte: In der Werkstatt

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die Testregion Essen-Bochum hat die erste Testphase nur mäßig erfolgreich abgeschlossen. In den folgenden Online-Tests will man vieles besser machen.

Das Einlesen der Versichertenstammdaten funktioniert, die übrigen getesteten Anwendungen – das Erstellen, Signieren und Speichern des elektronischen Rezepts (eRezept) sowie das Anlegen eines elektronischen Not­fall­daten­satzes – sind noch nicht praxistauglich. Auf diesen Nenner lassen sich die Ergebnisse der zweijährigen Tests von Offline-Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in der Region Bochum-Essen bringen. Daran teilgenommen haben 24 Arztpraxen, 15 Apotheken, zwei Krankenhäuser sowie rund 8 600 Versicherte. Schwierig war in der Startphase vor allem die Anpassung der Praxissoftware an die Telematikkomponenten. Das Ausstellen und Signieren von eRezepten dauerte zu lange, die Daten für den Not­fall­daten­satz konnten nicht automatisiert aus der Karteikarte auf der eGK gespeichert werden, und das Handling der PIN-Nummern ist noch nicht ausgereift.

Geplante Verbesserungen
In der nächsten Testrunde soll die Umsetzung der Tests daher optimiert werden: So soll die Trennung von Installations- und Testphase zu reibungsloseren Prozessen führen. Die Stabilität werde man durch den Einschub zweier neuer Teststufen verbessern, erläuterte Cord Bartels, Technischer Geschäftsführer der Gematik. Vor dem Labortest werden künftig Anwendungsprozesse für unterschiedliche Einsatzszenarien spezifiziert (Proof of concept) und auf ihre Anwenderfreundlichkeit geprüft. Die Abnahme erfolgt durch die am Test teilnehmenden Ärzte vor Beginn des Feldtests. Schulung und Support werden ausgebaut. Zudem soll die fehlende Nutzungsfrequenz durch eine automatisierte Erfassung der Testresultate verbessert werden. „Fehler werden repariert und nicht vertuscht“, sagte Bartels. Die Anwendungen eRezept und Not­fall­daten­satz müssten wegen mangelnder Praxistauglichkeit nochmals in die Werkstatt, sie werden erst nach der Überarbeitung erneut in die Tests eingespeist.

Komplette Umsetzung in 2010
Laut Bartels werden die Krankenkassen ab Oktober 2009 in der Region Nordrhein mit der bundesweiten Kartenausgabe beginnen, die technischen Voraussetzungen dafür seien vorhanden. Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, Dr. med. Klaus Enderer, wies darauf hin, dass die Finanzierungsvereinbarung mit den Kassen um drei Monate verlängert worden sei, sodass die Ärzte die Pauschalenanträge für stationäre und mobile Lesegeräte bis Ende Oktober 2009 bei der KV einreichen könnten. Bis zum Juni hatten rund 15 Prozent der nordrheinischen Ärzte Lesegeräte bestellt. Da sich die Zahl der Anträge bislang jeden Monat verdoppelt habe, sei er optimistisch, dass die kritische Größe von 85 bis 90 Prozent für den Start der Kartenausgabe erreicht werde, sagte Enderer.

Der weitere Zeitplan für den Basisrollout: Bis Mitte 2010 sollen bundesweit alle Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken mit Lesegeräten ausgestattet und – zeitlich etwas versetzt – bis Ende 2010 die bundesweite Ausgabe der eGK an die Versicherten abgeschlossen sein.

Parallel dazu wird die Arbeit in den Testregionen kontinuierlich fortgesetzt. So werden ab dem ersten Quartal 2010 die „Testärzte“ und Versicherten in Bochum-Essen zunächst das Online-Auslesen der Versichertenstammdaten erproben.
Heike E. Krüger-Brand
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