ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2009Behinderte: Vorbild Italien
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Bezug nehmend auf Ihren Beitrag, in dem der gemeinsame Schulbesuch behinderter und nicht behinderter Kinder gefordert wird und die Bundesländer dazu angehalten werden, ein verbindliches Aktionsprogramm für inklusive Bildung vorzulegen, möchte ich mitteilen, dass es derartige Projekte in anderen Staaten der Europäischen Union seit Jahren gibt . . . Das italienische Schulsystem, welches dem angestrebten Konzept der Gesamtschule sehr nahe- kommt, sieht nach der Grundschule für alle Schüler verbindlich die Mittelschule bis zur achten Schulstufe vor, danach optional Oberschule mit Abschluss Abitur. Dieses Schulsystem wird von allen Kindern ohne Ausnahme durchlaufen und impliziert somit die lückenlose Integration von Kindern mit Behinderung jeglicher Art in das Regelschulsystem . . .

Verhaltensauffällige und behinderte Kinder werden von der Schule dem psychologischen Dienst, welcher dem nächstliegenden lokalen Krankenhaus angegliedert ist und ausschließlich ambulant arbeitet, in genau reglementierter Form gemeldet. Dort erfolgt die psychologische Abklärung und gegebenenfalls die Weiterleitung an ärztliche Fachdienste, die Koordinierung ambulanter Therapien wie Ergo-, Logo- und Physiotherapie sowie in Kooperation mit der Schule die Organisation einer spezifischen Betreuung im Schulkontext (Behindertenbetreuer, Integrationslehrer). Die enge Kooperation zwischen den Fachdiensten wird weiterhin so reglementiert, dass mindestens zweimal jährlich Integrationssitzungen mit genau strukturierter Vorbereitung der beteiligten Fachdienste (Therapeuten, Psychologen, Ärzte, Lehrer, Eltern), die von der Schule einberufen und koordiniert werden, stattfinden . . .

Deshalb erscheint es nicht notwendig, völlig neue Konzepte zu entwickeln, sondern es sollte die Zusammenarbeit mit anderen Staaten gesucht werden, wo sich diese Integration vor mehr als 15 Jahren entwickelt hat, und seitdem kontinuierlich optimiert wurde . . .

Dr. Dr. med. Helmut Niederhofer, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie, Bahnhofstraße, 08228 Rodewisch
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