ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2009Intensivmedizin: Abwechslungsreich

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Intensivmedizin: Abwechslungsreich

Dtsch Arztebl 2009; 106(28-29): A-1466 / B-1250 / C-1218

Burgstett, Oliver Andreas

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Wilhelm Haverkamp, Felix Herth, Helmut Messmann (Hrsg.): Internistische Intensivmedizin. Methoden – Diagnostik – Therapie. Thieme, Stuttgart, New York 2009, 924 Seiten, gebunden, 129,95 Euro
Wilhelm Haverkamp, Felix Herth, Helmut Messmann (Hrsg.): Internistische Intensivmedizin. Methoden – Diagnostik – Therapie. Thieme, Stuttgart, New York 2009, 924 Seiten, gebunden, 129,95 Euro
Möchte man schon zu Beginn der Rezension ein Urteil in drei Worten fällen, so könnte man mit „Kitteltaschenbuch für Riesen“ eine Punktlandung schaffen. Die Intensivmedizin ist in Deutschland fest in anästhesiologischer Hand, zumindest was die Lehrbuchautoren betrifft; dem gegenüber stehen zahllose internistische Kliniker mit relativ wenig spezifischer Fachliteratur. Ganz anders die Situation in den USA, wo in mehr als 75 Prozent der Fälle die Intensivstationen pneumologisch geführt werden.

Geistiger Vater des Werkes ist der Gastroenterologe Prof. Helmut Messmann aus Augsburg, der vom Thieme Verlag zu der Herausforderung der „internistischen Intensivmedizin“ inspiriert wurde. Nachdem zwei seiner geplanten Mitherausgeber berufsbedingt abspringen mussten, konnte ab 2005 mit der endgültigen Besetzung die Arbeit angefangen werden. Die Gefahr, dass bei mehr als vier Jahren Schreibzeit ein antiquiertes Werk entsteht, wurde durch eine finale Aktualisierung gebannt. So fließen in dieses Buch auch jüngste Kongresserkenntnisse im Sinne von „Tipps und Tricks der Anderen“ und Empfehlungen wie Leitlinien der Fachgesellschaften ein; aber ein Lehrbuch hinkt natürlich den hochaktuellen Veröffentlichungen der elektronischen Medien im Weltnetz hinterher. Somit kann von vorneherein der Spagat, ein Werk zu schaffen, mit dem dem jungen Kollegen genauso gedient ist wie dem „alten Hasen“ (den die aktuellen Studienergebnisse interessieren), nur unvollständig gelingen. Man bemüht sich äußerst erfolgreich, bestimmte Eingriffe bildlich darzustellen, so zum Beispiel eine Venenpunktion (sowohl peripher als auch zentral) mit mehreren Fotografien samt Handlungsanweisungen oder eine Tracheotomie in neun Zeichnungen; hier befindet man sich auf der Talstation des Lehrbuchwissens, wo man Anfänger abholt, um ihnen im Folgenden eine Alltagssicherheit am Arbeitsplatz zu vermitteln.

Auf 81 Seiten werden „pharmakologische Grundlagen“ geschaffen, wobei zu den einzelnen Wirkstoffen unter anderem mit Präparatnamen, klinischer Anwendung, Wirkmechanismus, Dosierung und Besonderheiten ausführlich Stellung genommen wird. Gerade weil man die internistischen Krankheitsbilder Schritt für Schritt bespricht, können Anästhesisten und Chirurgen hier notwendiges Fachwissen der Inneren Medizin nachschlagen und somit in kürzester Zeit über „Kochrezepte“ zum weiteren Vorgehen verfügen. Wissen wird durch Merksätze, Schemata, Tabellen und Zusammenfassungen repetiert und vergrößert dadurch das transferierte Informationsquantum, die durchgehende Gliederung gibt obendrein Orientierung.

Prof. Wilhelm Haverkamp aus Berlin rundet das Werk aus kardiologischer Sicht ab und zollt der Bedeutung seines Fachgebiets in der Intensivmedizin dahingehend Tribut, dass den Erkrankungen des „Herz-Kreislauf-Systems“ 116 Seiten gewidmet sind. Alle weiteren Themenbereiche wie „Lunge“, „Abdominalorgane“, „Nieren und Harnableitung“ und „Hämatologie und Onkologie“ stehen quantitativ dahinter, aber selbst internistische Exoten wie „neurologische Erkrankungen“ und „Psychiatrie“ bekommen ihre Kapitel.

Das Buch richtet sich an alle auf einer Intensivstation tätigen Ärzte, unabhängig von Fachgebiet und Erfahrung; möchte der eine alles erst einmal lernen, ist das Ziel des anderen das schnelle Nachschlagen und Vertiefen. Alles in allem bunt und abwechslungsreich mit Orientierungshilfen zum raschen Auffinden des Gesuchten, so schließt das Druckprodukt die Literaturlücke im Bereich der Intensivmedizin aus internistischer Sicht.
Oliver Andreas Burgstett
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