ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2009Arzthaftpflichtverfahren nach Frakturbehandlung bei Kindern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
Hintergrund: In den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Lan­des­ärz­te­kam­mern werden Schadensersatzansprüche aufgrund vermuteter ärztlicher Behandlungsfehler geprüft.
Methode: 189 Arzthaftpflichtverfahren von beanstandeter Frakturbehandlung bei Kindern wurden anhand der vorliegenden Gutachten und der Entscheidungen ausgewertet. Die Autoren schlossen beteiligte Fachgebiete und Behandlungseinrichtungen, Frakturlokalisation, definierte Vorwürfe und Behandlungsfehler sowie Behandlungsfehlerfolgen ein. Entsprechend dem Zuständigkeitsbereich der norddeutschen Schlichtungsstelle handelte es sich um Verfahren aus neun Bundesländern.
Ergebnisse: Die Bestätigung einer fehlerhaften Behandlung lag mit 64 % doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Schlichtungsverfahren. Die Fehler betrafen im Wesentlichen ungenaue klinische Befunderhebung, Fehldeutung des Röntgenbefunds, dem Frakturmuster nicht angemessene konservative oder operative Behandlung, unterlassene oder unzureichende Frakturkontrolle. Die Behandlung von Frakturen im Bereich des Ellenbogengelenks wies mit 77 % die höchste Fehlerquote aus. Fehlerbedingte Dauerschäden leichten bis mittleren Grades wurden in 37 Fällen (31 %), schwere Dauerschäden in 16 Fällen (13 %) festgestellt.
Schlussfolgerungen: Die Frakturbehandlung bei Kindern setzt Erfahrung in der klinischen Untersuchung, Kenntnis der Röntgenanatomie sowie der problembehafteten Frakturtypen und -lokalisationen voraus. Die Ergebnisse sind geeignet, die Sensibilität für Fehlermöglichkeiten zu erhöhen und damit Fehler zu vermeiden.
Dtsch Arztebl Int 2009; 106(30): 491–8
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0491
Schlüsselwörter: pädiatrische Erkrankung, Fraktur, Behandlungsfehler, Arzthaftung, Schlichterspruch
LNSLNS Die ärztlichen Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen prüfen Schadensersatzansprüche aufgrund vermuteter ärztlicher Behandlungsfehler außergerichtlich. Die Verfahrensbearbeitung erfolgt entsprechend der deutschen zivilrechtlichen und zivilprozessualen Gesetzgebung und der dazu vorliegenden Rechtsprechung. Im Ergebnis trifft die Schlichtungsstelle über die geltend gemachten Schadensersatzansprüche eine Entscheidung, die für keinen der Verfahrensbeteiligten (Patient, Arzt und dessen Haftpflichtversicherer) verbindlich ist. Das Ziel des Verfahrens, die Vermeidung von Gerichtsprozessen, wird in über 90 % der Fälle erreicht. Seit der Errichtung der norddeutschen Schlichtungsstelle im November 1976 haben sich mehr als 77 000 Patienten dorthin gewandt. Die Arbeitsweise der norddeutschen Schlichtungsstelle wurde wiederholt kommentiert (15).

Grundlage der Behandlungsfehlerbestätigung beziehungsweise -verneinung ist die gutachterliche Beurteilung des Behandlungsvorgangs, die neben der unmittelbar ärztlichen Tätigkeit auch Fragen der Kommunikation und der Dokumentation einschließt. Diese Arbeit befasst sich nicht mit der Beurteilung von Behandlungsmethoden, sondern mit den gutachterlichen Aussagen, die auf der Grundlage des aktuellen Erfahrungsstands der Frakturbehandlung bei Kindern getroffen werden. Es wird auf die bekannten Lehrbücher der Kindertraumatologie verwiesen (69). Ziel dieser Analyse ist, Grundlagen für die Qualitätskontrolle und die Fehlervermeidung zu definieren.

Methode
Die Arbeit beinhaltet die statistische Auswertung von 189 einschlägigen Schlichtungsverfahren des 8-Jahres-Zeitraums von 2000 bis 2007, mithin durchschnittlich etwa 24 Fälle jährlich. Vor 2000 erfolgte noch keine statistische Erfassung mit Speicherung aller Daten, die für eine Auswertung im Sinne dieser Mitteilung erforderlich gewesen wäre. Die Einzelfälle wurden entsprechend dem an der norddeutschen Schlichtungsstelle verwendeten Medical Error Reporting System (MERS) (11, 12) erfasst und einer weiterführenden individuellen Auswertung anhand des Sachverhaltes, der Gutachten und der Entscheidungen der Schlichtungsstelle unterzogen. Den Schlichtungsanträgen liegen individuelle negative Erfahrungen mit der Behandlung von Frakturen bei Kindern aus Sicht des medizinischen Laien zugrunde. Die geprüften Behandlungsfälle sind sehr verschieden hinsichtlich Beschwerdevortrag, Sachverhalt und Prüfungsmodus. Die Inhomogenität der ausgewerteten Kollektive lässt statistische Signifikanzberechnungen (zum Beispiel durch Chi2-Test) nicht sinnvoll erscheinen.

Ergebnisse
Grafik 1 (gif ppt) zeigt die Altersverteilung der betroffenen Kinder entsprechend den biologischen Perioden der Umwelterfahrung des Kindes (10). Die Häufigkeit beanstandeter Frakturbehandlungen entspricht statistisch der Epidemiologie der kindlichen Frakturen (7), das heißt, es gibt keine erkennbar stärker belastete Altersgruppe. Vier Geburtstraumen sind in der Altersgruppe 0 bis 2 Jahre enthalten.

In Tabelle 1 (gif ppt) sind die Anzahl der Schlichtungsverfahren, die Anzahl der in Schlichtungsverfahren in Anspruch genommenen Krankenhäuser und/oder Ärzte, die vorgetragenen Beanstandungen beziehungsweise Vorwürfe sowie die jeweilige Fehlerbelastung zusammengestellt. Diese Zahlen stellen die verschiedenen Bezugsgrößen dar. Im Folgenden sind die Ergebnisse der statistischen Erhebung je nach gewollter Aussage auf die eine oder andere Größe zu beziehen.

In 53 Fällen wurde mehr als ein Fehler in einem Verfahren bestätigt. Die Prüfung im Rahmen des norddeutschen Schlichtungsverfahrens bezieht sich grundsätzlich auf den gesamten Behandlungsvorgang unabhängig vom Vortrag des Antragstellers (Prüfung nach dem Untersuchungsgrundsatz). Dadurch stellte man mehrfach Fehler fest, die in der Antragstellung von der Patientenseite nicht problematisiert wurden.

Die Tabelle 2 (gif ppt) enthält alle von Verfahren betroffenen Fachgebiete und Behandlungseinrichtungen. In 15 Fällen (7 %) waren nicht chirurgische Fachgebiete betroffen. Die Fehlerquote wurde jeweils auf die Anzahl der definierten Patientenvorwürfe (Tabelle 4) bezogen. In den 189 Verfahren mit 213 einbezogenen Kliniken beziehungsweise Ärzten wurden insgesamt 282 definierte Vorwürfe vorgetragen.

Die Unfallchirurgie, einschließlich einiger Fälle von Handchirurgie, stellt mit 124 Verfahrensbeteiligten (58 %) erwartungsgemäß das bei weitem am häufigsten involvierte Fachgebiet dar. Hier ist jedoch zu berücksichtigen, dass für die statistische Erfassung stets die Unfallchirurgie bezeichnet wurde, wenn dieses Fachgebiet am Behandlungsort vertreten war (zum Beispiel ausweislich des Klinikbriefkopfes), auch wenn die Behandlung selbst nicht in diesem Fachgebiet erfolgt war (zum Beispiel Versorgung im Bereitschaftsdienst). Organisatorische Zuständigkeiten innerhalb einer Behandlungseinrichtung waren im Schlichtungsverfahren nicht zu klären.

Der Bezug der Anzahl der Verfahren auf die verschiedenen Frakturlokalisationen zeigt zum Teil deutliche Differenzen zur natürlichen Häufigkeitsverteilung dieser Frakturen (Tabelle 3 gif ppt). Die Beschwerdeführungen lagen zum Beispiel bei den diakondylären Humerusfrakturen um das Dreifache, bei den das Ellenbogengelenk betreffenden Frakturen und Luxationen um das Fünffache und bei den Femurfrakturen um das Sechsfache höher als deren epidemiologische Häufigkeit. Dagegen wurde von den häufig vorkommenden Claviculafrakturen nur ein Fall – unbegründet – beanstandet. Eine plausible Erklärung für die auffällige Mehrbelastung der Mädchen bei den Ellenbogengelenksfrakturen (m : w = 14 : 25) bietet sich aus der klinischen Erfahrung heraus nicht an. Dagegen ergibt sich das häufigere Vorkommen der Unterarmfrakturen bei Jungen (m : w = 27 : 12) aus der risikoreicheren Beschäftigung bei Spiel und Sport (7).

Vier Geburtstraumen sind in Tabelle 3 miterfasst. Sie betreffen im Einzelnen

- eine übersehene Schädelkalottenfraktur nach Zangenentbindung, die erst später durch die „wachsende Fraktur“ diagnostiziert und operativ behandelt wurde. In diesem Falle wurden sowohl die Zangenentbindung sowie die übersehene Fraktur als Fehler beurteilt. Als Fehlerfolge wurden leichte neurologische Einschränkungen bestätigt
- je eine Humerusfraktur und eine Femurschaftfraktur bei Wendungsmanövern; keine Fehler; keine Auswirkungen auf die Extremitätenentwicklung
- eine kombinierte Femur- und Tibiafraktur infolge technisch erschwerter Re-Sectio; kein Fehler; normale Extremitätenentwicklung.

Tabelle 4 (gif ppt) listet die Vorwürfe/Fehler entsprechend der in der norddeutschen Schlichtungsstelle verwendeten Fehlerklassifikation und deren Kodierung nach dem Medical Error Reporting System (MERS) (11, 12). Die vorgetragenen Vorwürfe und bestätigten Fehler ließen sich im Wesentlichen zwanglos in diese Klassifikation einordnen. Nach dieser Klassifikation wurden 93-mal innerhalb der Verfahren zwei definierte Fehlervorwürfe erhoben, von denen sich 53 als Fehler bestätigten.

In der Fehlerhäufigkeit steht die Röntgendiagnostik mit 80 % weit im Vordergrund. Der röntgendiagnostische Fehler wurde dem behandelnden klinischen Bereich zugeordnet. Klinikinterne Absprachen hinsichtlich der Zuständigkeit für die radiologische Frakturdiagnostik waren im Schlichtungsverfahren nicht zu prüfen. In mehreren Fällen wurden Fehldiagnosen des Radiologen vom Kliniker unkritisch übernommen. Inwieweit in die radiologische Diagnostik das Teilgebiet Kinderradiologie einbezogen war, konnte man aus den Behandlungsunterlagen nicht entnehmen.

Die konservative Frakturbehandlung und -kontrolle betrifft vor allem unterlassene und unbefriedigende geschlossene Repositionen mit Ausheilung in unzulässiger Fehlstellung, ungenügende oder unterlassene Röntgenkontrollen der Fraktur mit Übersehen einer korrekturpflichtigen Re-Dislokation. Aber auch Druckschäden durch den Gipsverband vom kleinen Druckulkus bis zur Volkmann´schen Kontraktur (2 Fälle) sowie Hautschäden durch Pflaster oder bei der Entfernung des Gipsverbandes wurden nicht selten beklagt. In der Fehlerkategorie der konservativen Frakturbehandlung besteht die höchste Ablehnungsquote von Ansprüchen (48 %). Dies ist in erster Linie zurückzuführen auf ärztlich unverschuldete Re-Dislokationen, die einen Zweiteingriff zur Folge hatten. Hier schließen die Eltern oft fälschlicherweise auf eine fehlerhafte Primärbehandlung.

Eine behauptete fehlerhafte operative Frakturbehandlung führte in 57 % zur Fehleranerkennung. Hier handelte es sich im Wesentlichen um fehlerhaft ausgeführte Osteosynthesen mit der Notwendigkeit von Korrekturmaßnahmen oder mit der Folge eines unbefriedigenden Ausheilungsergebnisses. Unterlassene Indikationsstellungen zur Operation oder ungeeignete Operationsverfahren wurden mit 10 Fehleranerkennungen in 15 Fällen beanstandet. Unter der Kodierung 550 sind alle Störungen im postoperativen Verlauf zusammengefasst, unter anderem unterlassene oder fehlerhafte Revisionsmaßnahmen. Frakturinfektionen wertete man in keinem Falle als fehlerbedingt.

Von geringer Bedeutung sind die kodierten Fehlerarten 110 (Fachkompetenz) und 210 (Unterlassung gebotener Untersuchungen). Wegen der grundsätzlichen Bedeutung werden sie aber kurz kommentiert:

In drei Fällen war eine übersehene Radiusköpfchenfraktur beziehungsweise eine Radiusköpfchenluxation auf mangelnde Fachkompetenz zurückzuführen. Die Fälle betrafen Klinikambulanzen. Hier erfolgte die klinische Untersuchung durch einen Arzt im Praktikum beziehungsweise durch einen Arzt in Ausbildung eines nichtchirurgischen Fachgebietes ohne Vorstellung beim Facharzt. Die Frakturen beziehungsweise die Luxation wurden übersehen. Hier war auf Übernahmeverschulden, klinikintern möglicherweise auch auf Organisationsverschulden zu erkennen. Weitere vier Fälle betrafen das Übersehen von Frakturen infolge unterlassener oder unzureichender klinischer Untersuchung und demzufolge ohne röntgenologische Abklärung. Die betroffenen Fachgebiete waren hier zweimal die Allgemeine Chirurgie und je einmal die Unfallchirurgie und die Allgemeinmedizin.

In der Tabelle 4 und der Grafik 2 (gif ppt) sind die verschiedenen Fehlerkategorien nach ihrer Häufigkeit und bezogen auf die Behandlungsbereiche wiedergegeben. Die Grafik 2 dient zunächst allein dem statistischen Überblick mit der letztlich trivialen Aussage, dass überall alle möglichen Fehler gemacht werden. Tiefergehende Analysen mit der Auswertung bestimmter Frakturen (Lokalisation, Frakturmuster) sind weiteren Auswertungen mit kasuistischen Darstellungen vorbehalten.

Einen Vergleich der häufig auftretenden Behandlungsfehler für die betroffenen operativen Fachgebiete zeigt Grafik 2. Diese Relationen waren einem statistischen Vergleich zugänglich, signifikante Unterschiede (Chi2-Test) ließen sich zwischen den einzelnen Fachgebieten jedoch nicht feststellen.

Die statistische Bearbeitung der Ergebnisse von Schlichtungsverfahren nach dem MERS sieht in der norddeutschen Schlichtungsstelle unter anderem die Erfassung unterschiedlicher Kausalitätszuordnungen von Gesundheitsschäden vor:

- fehlerbedingte Folgen
- unerwünschte Folgen nach korrekter Behandlung
- zwangsläufige Folgen von Erkrankung/Unfall bei korrekter Behandlung.

Insgesamt sind sieben Schadensklassen definiert. Die Definition der Schadensklassen (SK 0 bis 6) zeigt Tabelle 5 (gif ppt) (SK 6 = tödlicher Ausgang; hier nicht vertreten). In 13 Fällen (11 %) konnte ein nachgewiesener Fehler nicht als kausal für den eingetretenen Schaden gewertet werden. In 43 % sind keine bis unerhebliche (SK 0 bis 2), in 57 % erhebliche Schäden (SK 3 bis 5) aufgetreten. In jedem Fall wurde nur der jeweils höchste Schädigungsgrad fixiert. Es ist also davon auszugehen, dass Dauerschäden (SK 4 und 5) in vielen Fällen mit einem schweren passageren Schaden (SK 2 und 3) verbunden waren, was in Tabelle 5 nicht zum Ausdruck kommt. Leichte bis mittlere Dauerschäden (SK 4) werden von den Kindern fast immer gut kompensiert und führen zu keiner Änderung der Daseinsgestaltung mit der gelegentlichen Ausnahme, dass bestimmte Sportarten nicht mehr wettkampfmäßig betrieben werden können. Dagegen führen die schweren Dauerschäden oft zu einer eingreifenden Störung in der Kindesentwicklung: Funktionsstörung, Entstellung durch die Deformierung der betroffenen Extremität, Begrenzung in Spiel und Sport, Einschränkung der Berufswahlmöglichkeiten, gelegentlich psychische Folgen und Ausgrenzung aus der altersgemäßen Spielgemeinschaft. Gelegentlich wird auch die Aufgabe eines Musikinstrumentenspiels beklagt. Die 16 schweren fehlerbedingten Dauerschäden betrafen allein 13-mal Frakturen im Ellenbogenbereich, zweimal Sprunggelenksfrakturen und eine Talusfraktur.

Diskussion
Für gerichtliche Arzthaftungsprozesse gibt es in Deutschland keine statistischen Auswertungen. Exemplarische Fälle werden als höchstrichterliche Entscheidung (OLG, BGH) veröffentlicht. Auch für außergerichtliche Arzthaftungsverfahren gibt es bisher nur wenige detaillierte Beiträge. Zum Umgang mit ärztlichen Behandlungsfehlern sei exemplarisch auf das Buch von Madea und Dettmeyer verwiesen (13). Die norddeutsche Schlichtungsstelle veröffentlicht monatlich Kasuistiken exemplarischer Fälle, vorwiegend im Niedersächsischen Ärzteblatt und unter www.schlichtungsstelle.de, darunter auch über die Frakturbehandlung bei Kindern (1417).

Im US-amerikanischen Schrifttum gibt es dagegen zahlreiche statistische Auswertungen von gerichtlichen Arzthaftungsverfahren, zum Teil in eigenen Schriftreihen, häufig gemeinsam von Ärzten, Versicherungen und Rechtsinstituten erarbeitet. An dieser Stelle verweisen die Autoren im Hinblick auf das Thema auf die Arbeiten von Gwynne et al. (18), Phillips et al. (19), Selbst et al. (20), Skaggs und Pershad (21), Studdert et al. (22). Vergleichbares Zahlenmaterial zu den Tabellenwerten der Autoren konnte in der Literatur nicht ermittelt werden. Diese Erfahrung mussten sie bereits bei einer analogen Untersuchung zur akuten Appendizitis machen (23).

Im Erfahrungsgut der norddeutschen Schlichtungsstelle mit Behandlungsfehlern bei Kindern liegt die Frakturbehandlung mit jährlich circa 24 Fällen an erster Stelle, gefolgt von der Appendizitis mit jährlich etwa zehn Fällen. Diese Tendenz findet man gleichermaßen in einschlägigen Erhebungen in den USA. Auch dort rangiert bei Kindern die Frakturbehandlung an erster Stelle vor der Appendizitis (19).

In der Häufigkeit der Fehlerbestätigung ist die Frakturbehandlung bei Kindern mit durchschnittlich 62 % (Tabelle 4) vor allen anderen Behandlungsbereichen am stärksten belastet. Die durchschnittliche Fehleranerkennungsquote aller Schlichtungsverfahren liegt bei etwa 30 %.

Vergleiche mit Ergebnissen klinischer Studien sind im Wesentlichen aus zwei Gründen unzulässig:

- Die Fehlerhäufigkeit bei bestimmten Frakturtypen zeigt eine völlig andere Verteilung als das natürliche Vorkommen dieser Frakturen (Tabelle 3).
- In klinischen Studien wird nicht zwischen verschuldeten und unverschuldeten Komplikationen unterschieden.

Die Systematik der Frakturen im Kindesalter hat eine eindeutige konventionelle Terminologie (siehe Lehrbücher), abgesehen von wissenschaftlichen Frakturklassifikationen, die für Begutachtungsfragen in der Regel keine oder nur eine untergeordnete Bedeutung haben. Oft sind ungenaue Bezeichnungen des Frakturmusters in den Behandlungsunterlagen (gelegentlich sogar in Gutachten) anzutreffen, die insbesondere bei Weiterbehandlung in einer anderen Einrichtung ohne Mitgabe der Röntgenbilder ungünstige Folgen haben. Beispiele hierfür sind:


- distale oder körperferne Humerusfraktur anstatt supra- oder diakondyläre Humerusfraktur
- Ellenbogengelenksfraktur ohne nähere Differenzierung
- proximale Radiusfraktur anstatt Radiusköpfchenfraktur
- distale oder körperferne Radiusfraktur ohne Bezeichnung der Epiphysenbeteiligung
- Sprunggelenksfraktur ohne nähere Differenzierung.

Sofern derartige ungenaue Formulierungen ohne Einsichtnahme der Röntgenaufnahmen unkritisch übernommen werden, ist grundsätzlich von einem Fehler des Nachbehandlers auszugehen.

Die Behandlung von Frakturen bei Kindern ist in den entsprechenden Weiter­bildungs­ordnungen nicht ausdrücklich ausgewiesen. Frakturbehandlung bei Kindern setzt voraus:

- Erfahrung in der klinischen Untersuchung bei Kindern mit Verletzungsfolgen, insbesondere bei Kleinkindern; Schmerzprojektion fernab der Fraktur
- Kenntnis der Röntgenanatomie des kindlichen Skeletts
- Kenntnis der Problemregionen Ellenbogen, Schenkelhals, Sprunggelenk
- Verfügbarkeit eines Lehrbuchs über die Behandlung kindlicher Frakturen zur Diagnose seltener Frakturmuster und deren spezifischer Behandlung
- Kontakt zu einer Referenzklinik für die weitere diagnostische Abklärung und Behandlung seltener beziehungsweise problematischer Frakturmuster.

Unter Vorwegnahme von Ergebnissen weiterer, frakturspezifischer Auswertungen können aus Sicht der norddeutschen Schlichtungsstelle als typische Fehler in der Frakturbehandlung bei Kindern bezeichnet werden:

- ungenaue klinische Untersuchung (Kleinkind), unterlassene Röntgenaufnahmen oder Röntgen der falschen Körperregion
- falsche Deutung des Röntgenbefunds bei übersehener oder falsch interpretierter Fraktur beziehungsweise Luxation
- falsche Einschätzung des Stabilitätsgrads bei konservativer Frakturbehandlung; unbemerkte und unbehandelte Redislokation
- unterlassene Aufklärung der Eltern über mögliche Redislokation bei instabiler Fraktur nach korrekter Erstreposition; führt bei den Eltern zur Vermutung einer falschen Primärbehandlung; Therapieaufklärung
- unterlassene rechtzeitige, gegebenenfalls operative Behandlung einer Redislokation
- unbegründetes Abwarten eines „Wachstumsausgleiches“ bei primär oder sekundär stark dislozierten Schaftfrakturen bei jüngeren und älteren Kindern; siehe Lehrbücher
- falsche Einschätzung von in Fehlstellung verheilten Frakturen; Unterlassung von rechtzeitigen Korrekturmaßnahmen in einem Lebensalter mit noch vorhandener Remodellierungspotenz
- Gelenkmobilisierung in Narkose bei durch Ausheilung in Fehlstellung, also anatomisch bedingter Bewegungseinschränkung
- Verordnung von Krankengymnastik (passive Bewegungsübungen) bei durch Fehlstellung bedingter Bewegungseinschränkung; häufiger Fehler (6).

Der hohen Remodellierungspotenz kindlichen Knochengewebes – mit zunehmendem Kindesalter abnehmend – ist es zu verdanken, dass es im Kindesalter nur sehr wenige Frakturen gibt, die bei korrekter Behandlung nicht folgenlos ausheilen. Die seltenen, durch das Frakturmuster bedingten Fehlheilungen betreffen im Wesentlichen Deformierungen und Funktionsstörungen infolge direkter oder indirekter Mitbeteiligung der Wachstumsfuge, ischämische Knochennekrosen bei Radiusköpfchen-, Schenkelhals- und Talusfrakturen sowie Gelenktrümmerfrakturen. Insgesamt kann bei der großen Mehrzahl kindlicher Frakturen sowohl anatomisch als auch funktionell eine Restitutio ad integrum erwartet werden, insbesondere bei Schaft- und epiphysären Frakturen. Fehlheilungen in Form bleibender Deformierungen und Funktionsstörungen bei Frakturen, die nicht dem Kreis der bezeichneten Problemfrakturen zuzuordnen sind, lassen daher im Allgemeinen eine Fehlbehandlung vermuten. Gleichwohl ist dieser Beweis grundsätzlich von den geschädigten Patienten zu erbringen, wenn nicht Beweiserleichterungen zum Zuge kommen.

„Die Behandlung von Frakturen im Wachstumsalter ist keine Aufgabe, die hochspezialisierten Zentren vorbehalten sein kann, sie muss flächendeckend mit entsprechender Kompetenz erfolgen. Aufgrund lokal unterschiedlicher Strukturen sind mehrere Fachgebiete beteiligt: Allgemein-, Kinder- und Unfallchirurgen, ebenso Orthopäden, Pädiater und Allgemeinmediziner ...“ (24).

Diese Feststellung bestätigt Tabelle 2. Wenn die Behandlung von Verletzungen im Kindesalter einem großen Kreis von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen zuzuordnen ist, so ist hierfür die Voraussetzung, dass dieser Ärztekreis mit der Beurteilung kindlicher Verletzungen vertraut ist. Die Entscheidung, ob die gezielte Diagnostik und Therapie der Verletzungsfolge selbst durchgeführt oder an einen erfahrenen Arzt beziehungsweise eine erfahrene Klinik delegiert werden, muss in jedem Falle das Ergebnis einer selbstkritischen Einschätzung der eigenen Kompetenz sein.

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 29. 4. 2008, revidierte Fassung angenommen: 26. 1. 2009


Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Heinrich Vinz
Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen
der norddeutschen Ärztekammern
Hans-Böckler-Allee 3
30173 Hannover
E-Mail: Behne@schlichtungsstelle.de


Summary
Out of Court Settlement of Malpractice Claims Relating to the Treatment of Fractures in Children: Experience of the Arbitration Board of the North German Medical Associations
Background: The medical peer-review committees and arbitration
boards of the Medical Associations of the individual German federal states assess claims for damages arising from alleged medical malpractice.
Methods: 189 panel proceedings concerning alleged malpractice in the treatment of fractures in children were evaluated on the basis of the available documentation and decisions. The proceedings were evaluated with respect to the involved medical specialties and treatment facilities, the types of fracture and particular allegations in each case, the actual malpractice found to have been committed (if any), and the harm resulting from malpractice. The cases were derived from the nine German states for which the North German arbitration board is responsible.
Results: An actual malpractice was found to have been committed in 64% of cases, or about twice as frequently as the average rate among all cases going before an arbitration board in Germany. Most of the medical errors involved inaccurate diagnostic evaluation, misinterpretation of radiological findings, inappropriate treatment for the particular type of fracture involved (conservative rather than operative, or vice versa), or inadequate follow-up of the fracture (or none at all). The highest rate of a positive finding of malpractice involved fractures in the elbow region (77%). A mild or moderate degree of permanent injury due to malpractice was found in 37 cases (31%) and severe permanent injury in 16 cases (13%).
Conclusions: The appropriate treatment of fractures in children requires experience in clinical examination as well as knowledge of radiological anatomy and of the problematic fracture types and localizations. The results reported here should raise consciousness of the possibilities for medical error and thus help prevent future instances of malpractice. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(30): 491–8
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0491
Key words: pediatric diseases, fracture, malpractice, physician liability, arbitration

The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de
1.
Neu J: Juristischer Leitfaden für ärztliche Gutachter. Arbeitspapier der norddeutschen Schlichtungsstelle 2007.
2.
Neu J, Scheppokat KD, Vinz H: Behandlungsrisiko und iatrogener Schaden. „Unfallberichte“ aus der norddeutschen Schlichtungsstelle. Z Ärztl Fortbild Qual Gesundh Wesen 2004; 98: 567–74. MEDLINE
3.
Scheppokat KD: Lehren aus den Erfahrungen einer Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen. Therap Umschau 2005; 62: 185–90. MEDLINE
4.
Scheppokat KD, Neu J: Zur ärztlichen Begutachtung in Arzthaftpflichtfragen. VersR 2001; 52: 2–7.
5.
Scheppokat KD, Neu J: Medizinische Daten und Qualitätsmanagement. Dtsch Arztebl 2007; 104(46): A 2691–6. VOLLTEXT
6.
v Laer L, Kraus R, Linhart WE: Frakturen und Luxationen im Kindesalter. Stuttgart, New York: Thieme Verlag 2007.
7.
Marzi J (Hrsg.): Kindertraumatologie. Darmstadt: Steinkopf-Verlag 2006.
8.
Rockwood ChA, Wilkins KE, Beaty JH: Fractures in children. Philadelphia, New York: Lippincott-Raven 1996.
9.
Weinberg AM, Tscherne H: Unfallchirurgie im Kindesalter. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag 2006.
10.
Machan FG, Vinz H; Die Oberarmschaftfraktur im Kindesalter. Unfallchirurgie 1993; 19: 166–74.
11.
Neu J: MERS: Fehlerprophylaxe mittels Medical Error Reporting System. www.schlichtungsstelle.de
12.
Schaffartzik W, Neu J: Definition des ärztlichen Behandlungsfehlers. Trauma BerufsKH 2008; 10 (Suppl. 2): 196–9.
13.
Madea B, Dettmeyer R (Hrsg.): Medizinschadensfälle und Patientensicherheit. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 2007.
14.
Vinz H: Nicht erkannte und daher nicht rechtzeitig behandelte isolierte Radiusköpfchenluxation bei einem Kind. Niedersächs Ärztebl 2000; 2: 34–5.
15.
Vinz H: Kompartmentsyndrom mit Ausgang in eine Volkmannsche Kontraktur nach supracondylärer Oberarmfraktur. Niedersächs Ärztebl 2002; 10: 70–1.
16.
Vinz H: Fehlerhafte Osteosynthese und unterlassene Kontrolle einer supracondylären Humerusfraktur. Niedersächs Ärztebl 2003; 6: 25–6.
17.
Vinz H: Fehlerhafte Diagnose und Behandlung einer epiphysären Fraktur im Bereich des oberen Sprunggelenkes bei einem Kind. Niedersächs Ärztebl 2006; 3: 25–6. VOLLTEXT
18.
Gwynne A, Barber P, Tavener F: A review of 105 negligent claims against accident and emergency departments. J Accid Emerg Med 1997; 14: 243–5. MEDLINE
19.
Phillips RL, Bartholomev LA, Dovey SM et al: Learning from malpractice claims about negligent adverse events in primary care in the United States. Qual Saf Health Care 2004; 13: 121–6. MEDLINE
20.
Selbst StM, Friedman MJ, Singh SB: Epidemiology and etiology of malpractice lawsuits involving children in US Emergency Departments and Urgent Care Centers. Pediat Emerg Care 2005; 21: 165–9. MEDLINE
21.
Skaggs D, Pershad J: Pediatr elbow trauma. Pediatr Emerg Care 1997; 13: 425–34. MEDLINE
22.
Studdert DM, Thomas EJ, Burstin HR et al: Negligent care and malpractice claiming behavior in Utah and Colorado. Medical Care 2000; 38: 250–60. MEDLINE
23.
Vinz H, Neu J: Arzthaftpflichtverfahren im Zusammenhang mit der Diagnose und der Therapie der akuten Appendizitis. Z Ärztl Fortbild Qual Gesundh Wesen 2007; 101: 553–63. MEDLINE
24.
Kraus R, Schneidmüller D, Röder C: Häufigkeit von Frakturen der langen Röhrenknochen im Wachstumsalter. Dtsch Arztebl 2005 102(12): A 838–42. VOLLTEXT
Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, Hannover: Prof. Dr. med. Vinz, Neu
1. Neu J: Juristischer Leitfaden für ärztliche Gutachter. Arbeitspapier der norddeutschen Schlichtungsstelle 2007.
2. Neu J, Scheppokat KD, Vinz H: Behandlungsrisiko und iatrogener Schaden. „Unfallberichte“ aus der norddeutschen Schlichtungsstelle. Z Ärztl Fortbild Qual Gesundh Wesen 2004; 98: 567–74. MEDLINE
3. Scheppokat KD: Lehren aus den Erfahrungen einer Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen. Therap Umschau 2005; 62: 185–90. MEDLINE
4. Scheppokat KD, Neu J: Zur ärztlichen Begutachtung in Arzthaftpflichtfragen. VersR 2001; 52: 2–7.
5. Scheppokat KD, Neu J: Medizinische Daten und Qualitätsmanagement. Dtsch Arztebl 2007; 104(46): A 2691–6. VOLLTEXT
6. v Laer L, Kraus R, Linhart WE: Frakturen und Luxationen im Kindesalter. Stuttgart, New York: Thieme Verlag 2007.
7. Marzi J (Hrsg.): Kindertraumatologie. Darmstadt: Steinkopf-Verlag 2006.
8. Rockwood ChA, Wilkins KE, Beaty JH: Fractures in children. Philadelphia, New York: Lippincott-Raven 1996.
9. Weinberg AM, Tscherne H: Unfallchirurgie im Kindesalter. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag 2006.
10. Machan FG, Vinz H; Die Oberarmschaftfraktur im Kindesalter. Unfallchirurgie 1993; 19: 166–74.
11. Neu J: MERS: Fehlerprophylaxe mittels Medical Error Reporting System. www.schlichtungsstelle.de
12. Schaffartzik W, Neu J: Definition des ärztlichen Behandlungsfehlers. Trauma BerufsKH 2008; 10 (Suppl. 2): 196–9.
13. Madea B, Dettmeyer R (Hrsg.): Medizinschadensfälle und Patientensicherheit. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 2007.
14. Vinz H: Nicht erkannte und daher nicht rechtzeitig behandelte isolierte Radiusköpfchenluxation bei einem Kind. Niedersächs Ärztebl 2000; 2: 34–5.
15. Vinz H: Kompartmentsyndrom mit Ausgang in eine Volkmannsche Kontraktur nach supracondylärer Oberarmfraktur. Niedersächs Ärztebl 2002; 10: 70–1.
16. Vinz H: Fehlerhafte Osteosynthese und unterlassene Kontrolle einer supracondylären Humerusfraktur. Niedersächs Ärztebl 2003; 6: 25–6.
17. Vinz H: Fehlerhafte Diagnose und Behandlung einer epiphysären Fraktur im Bereich des oberen Sprunggelenkes bei einem Kind. Niedersächs Ärztebl 2006; 3: 25–6. VOLLTEXT
18. Gwynne A, Barber P, Tavener F: A review of 105 negligent claims against accident and emergency departments. J Accid Emerg Med 1997; 14: 243–5. MEDLINE
19. Phillips RL, Bartholomev LA, Dovey SM et al: Learning from malpractice claims about negligent adverse events in primary care in the United States. Qual Saf Health Care 2004; 13: 121–6. MEDLINE
20. Selbst StM, Friedman MJ, Singh SB: Epidemiology and etiology of malpractice lawsuits involving children in US Emergency Departments and Urgent Care Centers. Pediat Emerg Care 2005; 21: 165–9. MEDLINE
21. Skaggs D, Pershad J: Pediatr elbow trauma. Pediatr Emerg Care 1997; 13: 425–34. MEDLINE
22. Studdert DM, Thomas EJ, Burstin HR et al: Negligent care and malpractice claiming behavior in Utah and Colorado. Medical Care 2000; 38: 250–60. MEDLINE
23. Vinz H, Neu J: Arzthaftpflichtverfahren im Zusammenhang mit der Diagnose und der Therapie der akuten Appendizitis. Z Ärztl Fortbild Qual Gesundh Wesen 2007; 101: 553–63. MEDLINE
24. Kraus R, Schneidmüller D, Röder C: Häufigkeit von Frakturen der langen Röhrenknochen im Wachstumsalter. Dtsch Arztebl 2005 102(12): A 838–42. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema