ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2009Ulla Schmidt: Nicht in Ordnung
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Sehr geehrte Frau Schmidt! Ihr Interview habe ich mit Interesse gelesen, bin aber immer wieder erstaunt, wie Sie versuchen, uns Ärzten den „Schwarzen Peter“ zuzuschieben . . . Es ist schlichtweg falsch, dass Sie behaupten, wir würden eine Zweiklassenmedizin vorantreiben. Wir haben in Deutschland ein Zweiklassenversicherungssystem (eigentlich haben wir sogar drei Klassen, wenn man die Versorgung der Asylanten als die schlechteste Variante von allen sieht). Dies ist unumstritten, und dem müssen sich alle beugen . . . Um Ihnen zu erklären, woran es hapert, möchte ich Ihnen eine Metapher bieten: Stellen Sie sich vor, Sie sind beim Autohändler und wollen sich ein Auto kaufen. Der kann Ihnen einen Kleinwagen bieten (GKV) oder einen Porsche (PKV). Einen Porsche kann sich aber bekanntermaßen nicht jeder leisten. Will aber auch nicht jeder, und auch das ist gut so. Wollen Sie nun Porsche fahren, müssen Sie entweder den Preis bezahlen, oder Sie bleiben bei Ihrem Kleinwagen. Natürlich kann man sich hin und wieder auch mal einen Porsche leisten (IGeL). Wichtig dabei bleibt aber die Aussage, dass Sie mit Ihrem Kleinwagen hinfahren können, wohin Sie wollen (die medizinische Versorgung bleibt gewährleistet), und darum geht es ja letztendlich nur.

Was Sie nun tun, und was ich nicht in Ordnung finde, ist, dass Sie, um in dem Bild zu bleiben, Ihren Kleinwagen als Porsche verkaufen und auf alle schimpfen, die das Problem richtigstellen und auf die Versicherungsbedingungen hinweisen.

Auch greifen Sie uns ständig an, dass wir uns ja nicht einbringen. Liebe Frau Schmidt! Das kommt zum Teil daher, dass die allermeisten Ärzte den ganzen Tag mit der Versorgung der Patienten und vor allem mit zum Teil unnützen, aber von den Versicherungen und anderen Institutionen verlangten Dokumentationen beschäftigt sind. Ihnen ist bekannt, dass jeder fünfte Hausarzt vom Burn-out betroffen ist? Und Sie prügeln weiter auf uns ein und sticheln frei nach dem Motto: „Wehrt euch doch! Wenn ihr euch nicht wehrt, kann es ja so schlimm nicht sein.“ Und „Wir müssen eine noch höhere Arbeitsdichte herstellen“. Wie dicht soll sie denn noch werden? Wundern Sie sich, dass als Antwort auf Ihre Gesundheitspolitik 70 Prozent aller Medizinstudenten vorgeben, nach dem Examen ins Ausland abwandern zu wollen? Diese Studenten wandern nicht aus, weil sie Deutschland und ihre Familien verlassen wollen. Sie wandern aus, weil die Arbeitsbedingungen in Deutschland miserabel sind und man zunehmend versucht, uns zu demontieren!

Wenn Ihnen die Gesundheit der Bundesbürger am Herzen liegt, dann fangen Sie endlich an, in diese Richtung zu denken! Für ausgezeichnete Leistung haben wir hoch qualifizierten Ärzte und alle anderen Heilberufe es verdient, zumindest angemessen nach Leistung bezahlt zu werden. Für 39 Euro pro Patient und Quartal bekommen Sie das auf Dauer selbst für die notwendige Versorgung nicht mehr hin! . . .
Patricia Jung, Bismarckallee 11, 23795 Bad Segeberg
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