ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2009Notdienst: Auch Niedergelassene schützen
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Gibt es Ärzte erster und zweiter Klasse? In den Beschlüssen zum Deutschen Ärztetag lese ich, dass sich das Gremium gegen überlange Arbeitszeiten ausgesprochen hat, da durch diese Ärzte und Patienten gefährdet wären. Im Bericht über die Pflichten im Bereitschaftsdienst für den niedergelassenen Bereich steht dann korrekt, dass die Belastung in diesen Diensten immens sei. Kein Wort aber darüber, dass auch hier Ärzte und Patienten geschützt werden müssten. Ist der niedergelassene im Gegensatz zum angestellten Arzt ein anderer Mensch, vielleicht sogar ein Übermensch, sodass das Arbeitszeitgesetz bei ihm nicht gilt? Zum Vergleich: Wenn ein selbstständiger Fuhrunternehmer seine Lenkzeiten überschreitet, kann er sich bei der Polizei nicht damit herausreden, dass für ihn andere Regeln gelten als für angestellte Fahrer. Im „Baden-Württembergischen Ärzteblatt“ war dieser Tage wieder eine Auflistung von Fehlern zu bewundern, die allesamt im organisierten Notfalldienst geschehen sind. Telefondiagnosen beispielsweise. Wie mühsam und quälend es ist nach einem arbeitsreichen Tag mitten in der Nacht zum Patientenbesuch aufzustehen, kann wohl nur nachvollziehen, wer dies schon einmal exerziert hat. Mit überlangen Diensten werden Fehler nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern regelrecht provoziert. Die Ärzteschaft sollte sich der schizophrenen Situation bewusst werden, wenn sie einerseits besseres Fehlermanagement und keine überlangen Arbeitszeiten anmahnt, andererseits von niedergelassenen Kollegen Dienstzeiten abverlangt, die deutlich über den arbeitsmedizinisch sinnvollen Arbeitszeiten liegen.
Dr. Ulrike Riedinger-Riebl, Neuköllner Weg 5, 78056 Villingen-Schwenningen
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