ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2009Allgemeinmedizin: Praktische Hilfen
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Martin Sielk, Birgit Janssen, Heinz-Harald Abholz: Praktische Psychiatrie für den Hausarzt. Hilfen für Diagnostik und Therapie. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2009, 132 Seiten, kartoniert, 29,95 Euro
Martin Sielk, Birgit Janssen, Heinz-Harald Abholz: Praktische Psychiatrie für den Hausarzt. Hilfen für Diagnostik und Therapie. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2009, 132 Seiten, kartoniert, 29,95 Euro
Eine Autorengruppe aus zwei Psychiatern und einem erfahrenen Hausarzt versucht ein ungewöhnliches Projekt: Auf gerade einmal 116 Textseiten soll über symptom-orientierte Diagnostik eine sichere und pragmatische Basisversorgung psychiatrischer Krankheitsbilder in der Hausarztpraxis erläutert werden. Ausdrücklich wird in Untertitel und Einleitung darauf hingewiesen, eben kein Lehrbuch der Psychiatrie, sondern „Hilfen zur Diagnostik und Therapie“ für Hausärzte und Weiterbildungsassistenten der Allgemeinmedizin bieten zu wollen. Hierzu beschränkt sich das Buch – wie von den Autoren hervorgehoben wird – auf die psychiatrische Sichtweise psychischer Problemstellungen; das typisch hausärztliche Vorgehen aufgrund hermeneutischen beziehungsweise psychosomatischen Fallverständnisses wird nur am Rand berührt. Ausgehend vom diagnostischen Denken des Hausarztes führen am Anfang der Hauptkapitel „Symptom-Wegweiser“ anhand von Leitsymptomen zu den entsprechenden möglichen Diagnosen und Differenzialdiagnosen.

Die Umsetzung der Zielvorgabe von „pragmatischen Handlungsempfehlungen und gezielten Hinweisen zur medikamentösen und psychosozialen Therapie“ gelingt nicht in allen Schwerpunkten. So sind die Kapitel zu schizophrenen Psychosen, depressiven Störungen, Angststörungen und alkohol-assoziierten Störungen kompakt und für „Anfänger“ und Erfahrene gleichermaßen instruktiv. Weniger präzise werden dagegen die Demenzen und die psychiatrische Notfallbehandlung dargestellt. Zur Demenzdiagnostik wird beispielsweise zur „Objektivierung klinischer Befunde“ der Mini-Mental-Status-Test (MMST) empfohlen, obwohl dieser ursprünglich als Screeningtest angelegt ist und zur Interpretation des Testergebnisses nur Punkte-Intervalle angeboten werden. Der Abschnitt zur „Notfallbehandlung“ erwähnt nicht den sozialpsychiatrischen Dienst und bietet wenig Hilfestellung für die Akutsituation der Zwangseinweisungsindikation im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst.

Das Layout des Buches ist lesefreundlich, Tabellen und Textkästen dienen der Übersichtlichkeit, das Stichwortverzeichnis ist vollständig. Illustrativ sind die didaktisch gekonnt eingesetzten Fallbeispiele mit weitgehend wörtlichen Zitaten aus Patientenforen. Bedauerlicherweise fehlen jedoch konkrete Literaturhinweise zu den Handlungsempfehlungen, die Literaturliste hat eher den Charakter von Literaturempfehlungen. Die sprachliche Qualität variiert innerhalb der Kapitel deutlich und ist bisweilen etwas sperrig, so zählt beispielsweise der erste Satz der Einleitung bereits 62 Worte. Das „Wirkstoff- und Medikamentenverzeichnis“ bietet zu einzelnen Wirkstoffen nur Typenzuordnungen und dutzendweise Handelsnamen; Dosierungen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und pharmakodynamische Hinweise für einzelne Patientengruppen fehlen hier.

Insgesamt hält das Buch sein Versprechen: Es bietet praktische Hilfen für Diagnostik und Therapie psychiatrischer Erkrankungen in der Hausarztpraxis und kann als Einführung hierzu empfohlen werden. Etwas mehr Ausführlichkeit, sprachliche Schärfe, Literaturhinweise und nutzbare Anhänge bleiben der nächsten Auflage zu wünschen. Andreas Klement
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