ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2009Amedeo Modigliani: Ein Außenseiter der Moderne

KULTUR

Amedeo Modigliani: Ein Außenseiter der Moderne

Krannich, Stephanie

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Foto: pa
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Die Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert zurzeit eine umfangreiche Werkschau des italienischen Zeichners, Malers und Bildhauers.

Das Œuvre des 1884 in Livorno geborenen Künstlers Amedeo Modigliani ist in Anbetracht seines frühen Todes mit 35 Jahren außerordentlich umfangreich: Er schuf mehr als 400 Gemälde, unzählige Zeichnungen und Aquarelle sowie etwa 25 Skulpturen. Seine Werke sind weit verstreut in den großen Museen der Welt, zahlreicher jedoch in kleinen und größeren Privatsammlungen zu finden. Das macht es nicht einfach, eine umfassende Retrospektive zusammenzustellen, da nicht alle Besitzer zu einer Leihgabe bereit sind. 17 Jahre nach der letzten Präsentation in Düsseldorf ist es nun der Bundeskunsthalle gelungen, eine Schau mit 108 Werken zu präsentieren.

Schon früh äußerte Modigliani den Wunsch, Künstler zu werden. Kurze Zeit studierte er an den Kunstakademien in Florenz und Venedig. Dann war Paris, Zentrum der europäischen Avantgarde, sein Ziel. Dort lebte er ab 1906, lernte unter anderem Picasso, Matisse, Braque und Delaunay kennen, deren Werke ihn beeindruckten. Die enge Freundschaft mit dem ebenfalls in Paris lebenden rumänischen Bildhauer Constantin Brancusi führte ihn zur Bildhauerei. Als Jugendlicher an Lungentuberkulose erkrankt, gab er diese wegen der damit verbundenen Staubbelastung 1914 wieder auf. In den folgenden Jahren konzentrierte er sich auf Porträts und weibliche Akte. Modigliani entzog sich den gängigen, stilbildenden Kunstströmungen seiner Zeit. Er entwickelte seinen eigenen, unverwechselbaren Stil, wird deshalb als Außenseiter der Moderne betrachtet. Sein exzessives Leben in Paris war von Krankheit, Alkohol- und Drogenkonsum geprägt. 1920 starb Modigliani an tuberkulöser Meningitis. Einen Tag nach seinem Tod setzte seine hochschwangere Geliebte Jeanne Hébuterne durch einen Sturz aus dem Fenster ihrem Leben ein Ende.

Amedeo Modigliani, Rote Karyatide, 1913, Privatsammlung Rom (links); Junge Frau mit braunem Haar (Elvira), 1918, Courtesy: Die Galerie, Frankfurt am Main
Amedeo Modigliani, Rote Karyatide, 1913, Privatsammlung Rom (links); Junge Frau mit braunem Haar (Elvira), 1918, Courtesy: Die Galerie, Frankfurt am Main
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Die am Lebensweg des Künstlers ausgerichtete Ausstellung beginnt mit frühen Arbeiten. Hieran schließen sich Zeichnungen der „Karyatiden“, weiblichen Stützfiguren der griechischen Antike an. Viel Platz ist neben den damals als skandalös empfundenen Akten seinen psychologisierenden Porträts eingeräumt. Sie gewähren Einblick in das private und künstlerische Umfeld Modiglianis. So begegnet man den spanischen Malern Diego Rivera und Pablo Picasso, Lebensgefährtinnen wie der englischen Dichterin Beatrice Hastings und seiner letzten Geliebten Jeanne Hébuterne. Modiglianis Porträts mit ihren typischen langgestreckten, melancholisch geneigten Köpfen und meist leeren Augen oder seine überlängten, symmetrisch gebauten Kopfskulpturen, deren Physiognomie auf ein Minimum reduziert ist, sind von hohem Wiedererkennungswert. Dazu trugen allerdings auch unzählige Falsifikate bei, die schon zu seinen Lebzeiten auf den Markt kamen. Selbst für Kunstexperten ist es heute nicht einfach, Echtes von Falschem zu unterscheiden. Nur mithilfe von Freunden und Förderern, etwa dem Arzt Paul Alexandre oder dem polnischen Kunsthändler und Dichter Leopold Zborowski konnte er sich über Wasser halten. Zwar erfuhr er selbst keinen Ruhm, doch posthum gilt er als einer der großen Künstler des 20. Jahrhunderts, dessen Werke heute Höchstpreise erzielen.
Dr. med. Stephanie Krannich

Information
Die Ausstellung „Modigliani“ ist bis zum 30. August in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs 10 bis 21 Uhr, donnerstags bis sonntags 10 bis 19 Uhr. Montags geschlossen. Weitere Informationen unter Telefon 02 28/91 71-2 00 oder im Internet unter: www.bundeskunsthalle.de.

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