ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2009Börsebius: Soll und Haben, breiter Graben

GELDANLAGE

Börsebius: Soll und Haben, breiter Graben

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LNSLNS Es ist zwar schon eine gute Weile her, dass ich mich in Hörsälen rumgetrieben habe, und manchmal habe ich auch nicht immer richtig aufgepasst, die sorglose Jugend halt. Aber ich erinnere mich noch lebhaft an mein Bankenseminar, als der gute Professor die überaus wichtige volkswirtschaftliche Bedeutung der Banken für unser prosperierendes Land erläuterte, und dass ohne funktionierende Geldversorgung gar nichts läuft. Wer einen Kredit braucht, soll ihn bekommen, wer was anzulegen hat, soll vernünftige Alternativen offeriert bekommen.

Dafür, dass die Institute einen solch wichtigen Beitrag leisten, könnten sie dann auch einen angemessenen Obolus fordern, und der schlage sich eben in der sogenannten „Zinsspanne“ nieder, und wenn diese Marge etwa bei zwei (!) Prozent läge, dann hätten alle Marktteilnehmer ihr Auskommen.

Wie grausam grau kann doch alle Theorie sein oder geworden sein. Wer sich heute einen Ratenkredit gönnt oder Dispozinsen berappen muss, staunt über die vergleichsweise hohen Zinsen, die er dafür hinzublättern hat. Als günstig gelten bei den Dispositionszinsen etwa Sätze zwischen sieben und acht Prozent (DAB Bank, SKG Bank), während die Hypo-Vereinsbank schon die Marke von zehn Prozent locker knackt. Und wehe, wer seinen Kontokorrent über den vertraglich vereinbarten Rahmen hinaus ausschöpft, der darf sich anschließend nicht über eine Belastung unweit der Zwanzigprozentmarke wundern.

Auf der anderen Seite knausern die Institute auf der Einlagenseite mächtig. Für Tagesgeld zahlen die Banken in der Regel unter einem Prozent, nur vereinzelt sind attraktivere Angebote zu finden, wie etwa bei CortalConsors, die drei Prozent zahlen, bedauerlicherweise aber nur für Neukunden.

Zwischen Soll und Haben klafft also ein breiter Graben. Die Absicht der Institute ist klar: Sie wollen die Verluste der Vergangenheit möglichst schnell revidieren. Dass sie sich dabei volkswirtschaftlich (Kreditklemme) absurd verhalten, ist die andere Seite der Medaille.

Es ist schon eine Form der Wegelagerei, die die Banken mit diesen extrem breiten Zinsspannen betreiben. Dass dies alles mit Schlips und weißem Kragen geschieht, macht die Sache zwar moderner, aber im Ergebnis läuft es auf das Gleiche hinaus. Die Waffe des kleinen Mannes kann also nur lauten: geschickt verhandeln, notfalls gezielt Institute nur für Kredite und andere für die Geldanlage akribisch suchen. Nur so geht’s.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 1. August 2009 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (02 21/98 54 80-17). Die kostenlose Telefonberatung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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