ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1997Zum Verhältnis von Psychiatrie und Pädagogik

SPEKTRUM: Bücher

Zum Verhältnis von Psychiatrie und Pädagogik

Engel, Ursula

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LNSLNS Psychiatrie
Anspruchsvoll
Ursula Engel: Zum Verhältnis von Psychiatrie und Pädagogik. Aspekte einer vernunftkritischen Psychiatriegeschichte, Wissenschaft 26, Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main, 1996, 188 Seiten, kartoniert, 38 DM
Die Dissertation aus dem Fach Psychologie befaßt sich mit der Entstehung der Psychiatrie als eigenständige Institution und Wissenschaft im Zeitraum von 1760 bis 1810. Anhand der Werke dreier Vordenker, Michel Foucault, Immanuel Kant und Johann Christian Reil, unternimmt die Autorin den Versuch, die historischen Wurzeln des auch heute noch festzustellenden Mangels der Psychiatrie an kritischer Selbsteinschätzung freizulegen. Dieser Mangel beruht auf fehlender Selbstaufklärung und hat letztlich die Verbrechen der Nazizeit mit ermöglicht: "Was die Atombombe von Hiroshima für die Physik ist, sind die Gaskammern von Hadamar für die Psychiatrie", so Klaus Dörner. Sowohl die Kantsche Vernunftskritik als auch das mit Reil beginnende Umdenken im Umgang mit den "Irren" konnten nichts daran ändern, daß es keine genuine Therapiemethode des Wahnsinns gab und gibt. Daraus resultiert die bis heute andauernde Vernachlässigung der chronisch psychisch Kranken (der "Unheilbaren") und die Entwertung der Arbeit mit ihnen. Diese Fehlentwicklung in ihren geschichtlichen Anfängen aufgezeigt und analysiert zu haben - ihre Korrektur wird schwer genug fallen - ist ein Verdienst dieser anspruchsvollen Arbeit.
Wolfgang Schweizer,
Neuenmarkt
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