ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2009Lyme-Borreliose – aktueller Kenntnisstand: Verschiedene Symptome
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LNSLNS In Europa gibt es vier verschiedene humanpathogene Borrelienspezies (in Mitteleuropa vor allem Borrelia afzelii und Borrelia garinii), in den USA ausschließlich eine (nämlich Borrelia burgdorferi). Auch die Vektoren (Zecken) unterscheiden sich in Europa und in den USA. Dies führt zu teilweise signifikant verschiedenen Krankheitsmanifestationen beziehungsweise Symptomkonstellationen der Borreliose in Deutschland/Europa versus USA (1). Die bei uns relativ häufige Acrodermatitis chronica atrophicans ist beispielsweise in den USA nahezu unbekannt, ebenso das Borrelien-Lymphozytom. Erythema migrans, Arthritiden, Neuroborreliosen sowie weitere Manifestationen haben in den USA öfter einen anderen klinischen Verlauf als in Europa. Aufgrund dieser teils sehr deutlichen Unterschiede ergaben sich bisher verschiedene Präventionsansätze (2): in den USA wurde eine eigentlich erfolgreiche und nur gegen B. burgdorferi wirksame Impfung bereits 2001 wegen Nebenwirkungen und vor allem fehlender Wirtschaftlichkeit wieder vom Markt genommen. Eine innerhalb von 72 Stunden nach Zeckenstich oral applizierte „single-dose“-Antibiose (200 mg Doxycyclin) erscheint dort aktuell – anders als in Deutschland – Erfolg versprechend. Differenzialdiagnostisch und therapiestrategisch eher verwirrend ist daher die undifferenzierte Bezeichnung aller zeckeninduzierter Borreliosen weltweit als „Lyme-Borreliose“, die vielleicht zu unkritisch aus dem angloamerikanischen Schrifttum übernommen wurde. Deshalb habe ich 2003 eine Differenzierung der bisher international (noch) vereinheitlichten Terminologie in die Varianten „Lyme-“ (für USA) und „European borreliosis“ (für Europa/Asien) vorgeschlagen (3), wie dies beispielsweise für die verschiedenen Hepatitiden längst selbstverständlich ist. Mehr noch: Ein interdisziplinärer Konsens (Leitlinie) zur Borreliose ist erforderlich, um die hier auftretenden klinischen Entitäten der häufig kontrovers oder als Ausschlussdiagnose diskutierten facettenreichen Infektionskrankheit herauszuarbeiten und auf differenziertere Füße zu stellen.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0524a

Dr. med. Dr. rer. nat. Michael G. Haufs
Gluckweg 31, 48147 Münster
E-Mail: michaelhaufs@gmx.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Hengge U, Tannapfel A, Tyring SK, Erbel R, Arendt G, Ruzicka T: Lyme borreliosis. Lancet Infect Dis 2003; 3: 489–500.
2.
Hayes EB, Piesman J: How we can prevent Lyme disease? N Engl J Med 2003; 348: 2424–30.
3.
Haufs MG: Preventing Lyme disease. N Engl J Med 2003; 349: 1192.
4.
Nau R, Christen H, Eiffert H: Lyme disease—current state of knowledge [Lyme-Borreliose – aktueller Kenntnisstand]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 72–81.
1. Hengge U, Tannapfel A, Tyring SK, Erbel R, Arendt G, Ruzicka T: Lyme borreliosis. Lancet Infect Dis 2003; 3: 489–500.
2. Hayes EB, Piesman J: How we can prevent Lyme disease? N Engl J Med 2003; 348: 2424–30.
3. Haufs MG: Preventing Lyme disease. N Engl J Med 2003; 349: 1192.
4. Nau R, Christen H, Eiffert H: Lyme disease—current state of knowledge [Lyme-Borreliose – aktueller Kenntnisstand]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 72–81.

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