ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2009Ärztlicher Stellenmarkt: Die Nachfrage nach Ärzten bleibt sehr groß

STATUS

Ärztlicher Stellenmarkt: Die Nachfrage nach Ärzten bleibt sehr groß

Martin, Wolfgang

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Nach wie vor haben die Krankenhäuser große Probleme, die Spezialisten zu finden, die sie für die weitere Profilierung ihres medizinischen Leistungsspektrums benötigen. Insgesamt ist die Zahl der Stellenanzeigen im Deutschen Ärzteblatt leicht rückläufig.

Bereits im vierten Quartal in Folge ist die Zahl der Facharztausschreibungen im Deutschen Ärzteblatt im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Im ersten Halbjahr 2009 wurden insgesamt 3 237 Stellenanzeigen geschaltet. Das sind 3,6 Prozent weniger als 2008. Damit scheint die Nachfrage nach Ärztinnen und Ärzten – auf hohem Niveau – langsam etwas abzuflauen. Allerdings ist die Entwicklung nicht in allen Bereichen einheitlich: Es gibt noch Tätigkeitsfelder und Fachgebiete, die weiterhin steigende Ausschreibungszahlen verbuchen. Für eine Entwarnung auf dem ärztlichen Stellenmarkt ist es noch zu früh.

Foto: mauritius images
Foto: mauritius images
Im Gegensatz zu den insgesamt leicht rückläufigen Ausschreibungszahlen wurden im ersten Halbjahr 2009 deutlich mehr Stellenanzeigen für Fachärzte von Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (plus 60 Prozent) und von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ, plus 37 Prozent) geschaltet. Diese Steigerungsraten haben aber unterschiedliche Ursachen. Während die Zahl (und auch Größe) der MVZ langsam aber stetig steigt und sich damit auch mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Fachärzte eröffnen, ist die steigende Zahl der Stellenausschreibungen aus Gesundheitsämtern oder vergleichbaren Einrichtungen ein Indiz für zunehmende Schwierigkeiten bei deren Personalgewinnung im ärztlichen Bereich.

Die Veränderungen in den Tarifstrukturen stellen für die Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes ein immer größeres Handicap dar. Auf der Basis des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst, TVöD, verdienen die dort tätigen Ärzte inzwischen deutlich weniger als die meisten ihrer Kollegen in den Krankenhäusern. Besonders prekär ist die Lage nach wie vor im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst. Denn Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie werden auch von Akutkrankenhäusern heiß umworben. Aber auch für den Großteil der Rehabilitationskliniken stellen die neuen Tarifstrukturen ein erhebliches Problem dar: Gerade bei der Gewinnung von Spezialisten wie Kardiologen oder Hämatologen/Onkologen können sie kaum mit den Gehaltsangeboten aus dem Akutbereich konkurrieren.

Insgesamt schalteten die Akutkrankenhäuser im ersten Halbjahr des laufenden Jahres 3,6 Prozent weniger Stellenanzeigen für Fachärzte als im Vorjahr. Entgegen dem allgemeinen Trend legte die Zahl an Oberarztausschreibungen aber noch einmal geringfügig zu, was wiederum ein Indiz dafür ist, dass sich die Lage auf dieser Funktionsebene keineswegs entspannt hat. Nach wie vor haben die Krankenhäuser große Probleme, die Spezialisten zu finden, die sie für die weitere Profilierung ihres medizinischen Leistungsspektrums benötigen. Dies gilt schon seit Längerem für viele Schwerpunkte in den beiden großen Fachgebieten Innere Medizin und Chirurgie wie Gefäßchirurgie, Gastroenterologie, Viszeralchirurgie, Pneumologie, Kardiologie, Thoraxchirurgie und Hämatologie/Onkologie. Aber auch in der Kinder- und Jugendmedizin wird es immer schwieriger, Bewerber mit einer Schwerpunktbezeichnung in Kinderhämatologie und -onkologie oder Neuropädiatrie zu finden.

Anzeige
Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der Stellenausschreibungen auf der „einfachen“ Facharztebene; hier hat sich der Nachfrageschub, der mit der Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes einherging, deutlich abgeschwächt. Auf der anderen Seite beginnen immer mehr Krankenhäuser, ihre Personalpolitik im Hinblick auf die „frischgebackenen“ Fachärzte zu verändern: Zum einen versucht man viel stärker als früher, Ärzte nach erfolgreich abgeschlossener Weiterbildung im Hause zu halten, zum anderen werden verstärkt alternative Akquisewege, wie Jobmessen oder Karrieretage, genutzt.

In den einzelnen Fachgebieten war die Nachfrageentwicklung sehr unterschiedlich. Deutliche, zum Teil zweistellige Zuwachsraten verzeichneten die Gebiete Kardiologie (plus 8,5 Prozent), Frauenheilkunde und Geburtshilfe (plus 22 Prozent), Urologie (plus 38 Prozent), Hämatologie/Onkologie (plus 41 Prozent) und Strahlentherapie (plus 60 Prozent). In der Kinderchirurgie und in der Plastischen Chirurgie wurden sogar dreimal so viele Stellenanzeigen geschaltet wie im Vorjahr. Und wenn gerade in kleineren Fachgebieten, in denen traditionell eher überproportional viele Stellen über informelle Kanäle besetzt werden, so viel mehr Stellen ausgeschrieben werden, ist dies ein untrügliches Zeichen für Nachwuchsmangel.

Dass es in der Gynäkologie immer schwieriger wird, Oberarztpositionen zu besetzen, erleben die Kliniken seit Jahren. Auch im ersten Halbjahr 2008 stieg die Zahl der Oberarztausschreibungen nochmals deutlich (plus 20 Prozent). Aber inzwischen häufen sich auch die Probleme, Chefarztpositionen zeitnah zu besetzen; so ist die Zahl der Ausschreibungen auf dieser Ebene mit 33 Prozent überdurchschnittlich gestiegen – was nicht allein damit zu erklären ist, dass ungewöhnlich viele Chefärzte in den Ruhestand gehen.

Trotz der Nachfragesteigerungen gab es in vielen Fachgebieten aber einen deutlichen Rückgang an Stellenausschreibungen: So wurden in der Orthopädie/Unfallchirurgie und in der Pneumologie jeweils 13 Prozent weniger Stellenanzeigen geschaltet, in der Gefäßchirurgie 15 Prozent, in der Neurologie 18 Prozent, in der Radiologie 21 Prozent, in der Anästhesiologie 25 Prozent und in der Psychosomatischen Medizin 40 Prozent. Allerdings sollte man diese Rückgänge nicht überbewerten, da sie von einem sehr hohen Nachfrageniveau ausgehen und sich im Jahresverlauf noch einiges relativieren kann.
Dr. Wolfgang Martin
E-Mail: mainmedico@t-online.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.