ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2009Deutsche Einheit: Bestandsschutzgarantie
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. . . Der Einigungsvertrag sah für die ambulanten Einrichtungen, in denen zu DDR-Zeiten ausschließlich Ärzte im Angestelltenverhältnis arbeiteten, eine Art Bestandsschutzgarantie für lediglich fünf Jahre vor. Nicht nur die „bedingten“, sondern auch die „entschlossenen“ Polikliniker verloren daraufhin den Mut, in ihrer alten Einrichtung weiter durchzuhalten. Ich arbeitete damals in West-Berlin und konnte aus der Nähe beobachten, wie die KV Berlin und nicht wenige meiner niedergelassenen Kollegen tatkräftig an dieser Entmutigung mitarbeiteten. Der Präsident der Ärztekammer Berlin veranlasste zu dieser Zeit ein Gutachten, das die Frage beantworten sollte, ob die Ambulatorien und Polikliniken im Ostteil der Stadt denn fähig wären, sich wirtschaftlich zu tragen – mit unserem Abrechnungssystem, aber unter den gleichen Strukturen und der gleichen personellen Ausstattung. Das Ergebnis lautete, von wenigen Ausnahmen abgesehen: Ja, sie können es, vorausgesetzt, sie halten ihren Patientenstamm. Um den mussten die Kollegen zu jener Zeit aber nicht bangen. Und der gefürchtete Wasserkopf an Bürokratie wirkte sich danach nicht umsatzgefährdend aus. Es hätte ein konstruktives Nebeneinander geben können von angestellten und in eigener Praxis selbstständig tätigen Kollegen, wenn man beiden die gleichen Chancen gegeben hätte. Hat man aber nicht. Als später die Fünf-Jahresbegrenzung aufgehoben wurde, war es zu spät. Es sind zu jener Zeit nicht wenige problematische Entscheidungen getroffen worden, nur selten geleitet von Fairness gegenüber den „Brüdern und Schwestern“, die plötzlich dazugehörten. Wir Ärzte jedenfalls haben es daran auch fehlen lassen.
Dr. Gertrud Gumlich, Tribergerstraße 3, 14197 Berlin
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