ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2009Deutsche Einheit: Der politische Wille fehlte
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. . . Im Frühjahr 1990 sprachen sich – wie in Ihrem Artikel beschrieben – nur knapp zehn Prozent der ambulant tätigen Ärzte für eine Niederlassung aus. Kurze Zeit später arbeitete nur noch eine geringe Zahl der ambulant tätigen Ärzte in Polikliniken und Ambulatorien. Der Hauptgrund für diesen Sinneswandel war, dass diese Einrichtungen laut Einigungsvertrag nur bis zum 31. Dezember1995 zugelassen waren. Als diese Begrenzung durch das Gesundheitsstrukturgesetz 1993 aufgehoben wurde, waren die Ärzte aus Angst vor ihrer nicht gesicherten Zukunft schon längst aus den Polikliniken geflohen. Unterstützt wurden diese Ängste in Berlin durch die massive Polemik ärztlicher Verbände und das Verhalten der Gesundheitspolitiker des damals regierenden Berliner Senates. Den politischen Willen, Polikliniken zu erhalten, gab es nur in Brandenburg, wo Frau Ministerin Regine Hildebrandt und ihr Staatssekretär Detlef Affeld den Bestand der Polikliniken möglich machten. Hier gibt es auch heute noch das Nebeneinander von Gesundheitszentren, die ähnlich den Polikliniken der DDR mit angestellten Medizinern arbeiten, und niedergelassenen Ärzten. Im Ostteil Berlins konnte nach langen Kämpfen ein kleiner Teil der Einrichtungen erhalten bleiben, in denen zurzeit ca. 120 angestellte Ärzte, vorwiegend Frauen, arbeiten. Der Grund hierfür liegt im engagierten Durchhalten einiger Polikliniken und der Unterstützung durch die Ärztekammer Berlin und den 1990 gegründeten „Verband der Polikliniken und Ambulatorien“. Außerdem haben einige Fraktionen im Abgeordnetenhaus sowie Vereinigungen der Freien Wohlfahrtspflege hierbei geholfen. Durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz 2004 sind nun die „totgesagten“ Polikliniken in Form der MVZ wiederbelebt worden. Ein pluralistisches ambulantes Versorgungssystem im vereinigten Deutschland wäre bei politischem Wollen von Anfang an also möglich gewesen.
Dr. Thea Jordan, Schneewittchenstraße 3, 12555 Berlin
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