ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2009Arbeitsbelastung: Freiräume für die akademische Karriere schaffen

BERUF

Arbeitsbelastung: Freiräume für die akademische Karriere schaffen

Dtsch Arztebl 2009; 106(31-32): [139]

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Jeder dritte Arzt an der berühmten Mayo-Clinic in den USA erfüllt einer Umfrage zufolge die Maslach-Kriterien eines Burn-out-Syndroms.

Nirgends ist das Burn-out-Syndrom so verbreitet wie in akademischen Kliniken. Viele Mediziner wollen nicht weniger arbeiten, sie benötigen nach einer Studie in den Archives of Internal Medicine (2009; 169: 990–5) jedoch mehr Zeit für ihre akademische Karriere.

Auch an der US-amerikanischen Mayo-Clinic ist das Burn-out-Syndrom bekannt, möglicherweise ist es an der renommierten Klinik sogar noch verbreiteter als anderswo. Denn den dort tätigen Ärztinnen und Ärzten darf sicherlich ein besonderer beruflicher Ehrgeiz unterstellt werden. Hindernisse auf der Karriereleiter führen da schnell zu beruflicher Frustration und zu einem Burn-out.

In einer Umfrage, die der Internist Tait Shanafelt unter 556 Kollegen durchführte (465 oder 84 Prozent schickten den Fragebogen zurück) erfüllte jeder dritte MayoMediziner die Maslach-Kriterien eines Burn-outs: die Trias aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung (Rückzug und Zynismus) und dem Gefühl reduzierter Leistungsfähigkeit.

Dieser Zustand gefährdet nicht nur die Gesundheit der Betroffenen und ihrer Patienten, weil Ärzte im Burn-out nachweislich häufiger Fehler begehen. Auch der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Die gesellschaftlichen Kosten für den Ersatz eines voll ausgebildeten Arztes liegen nach Angabe des Editorialisten Mark Linzer von der Universität von Wisconsin in Madison bei einer Viertelmillion US-Dollar (Archives of Internal Medicine 2009; 169: 927–8).

Die Ursachen für das berufliche Burn-out wurden bisher vor allem in den langen Arbeitszeiten, in der fehlenden Autonomie im Megaklinikbetrieb, in den USA häufigen und nervenaufreibenden Schadensersatzklagen wegen Behandlungsfehlern sowie in der Schwierigkeit gesehen, Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinbaren.

Die Umfrage von Shanafelt deckt noch einen weiteren Aspekt auf, der auch an anderen Unikliniken eine Rolle spielen dürfte: Ärzte, denen es nicht gelingt, sich im Klinikalltag Freiräume für ihre akademische Karriere zu schaffen, leiden besonders häufig unter einem Burn-out. Bei den Ärzten, die mehr als 20 Prozent ihrer Zeit der Tätigkeit widmen, die sie für sich am wichtigsten erachten, litten 30 Prozent unter einem Burn-out-Syndrom. Bei den Ärzten, die weniger Zeit für ihre Karriereinteressen fanden, waren es 54 Prozent. Zu wenig Zeit für die eigene Karriere war der wichtigste Risikofaktor für ein Burn-out (Odd-Ratio: 2,75) und nach dem Alter über 55 Jahren die zweitwichtigste Motivation für eine Kündigungsabsicht (Odd-Ratio: 2,28).

Shanafelt leitet daraus die Forderung ab, dass Ärzte an akademischen Zentren sich wenigstens einen Tag in der Woche mit einem Schwerpunkt ihrer Karriere beschäftigen sollten. Zentren, die dies ihren Ärzten ermöglichten, müssten sich weniger Sorgen um den vorzeitigen Verlust von erfahrenen akademischen Arbeitskräften machen.
Rüdiger Meyer
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