ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2009Ärzteschach: Schachliebe – ja oder nein?

SCHLUSSPUNKT

Ärzteschach: Schachliebe – ja oder nein?

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Wir könn(t)en ohne Kontakt nicht überleben; entsprechend leben wir umso besser, je mehr Kontakt wir zu uns selbst und damit im weitesten Sinne zur Welt haben. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, heißt es in der Bibel. Schamanen sprechen mit den Heilkräutern, bevor sie sie zur Heilung von Krankheiten abschneiden, verwelkende Zimmerpflanzen können sich durch menschlichen Kontakt wieder erholen.

Gilt dies – cum grano salis – auch für Schachspieler und ihr Handwerkszeug, die hölzernen, unbelebten Schachfiguren? Hilft ein inniger, vielleicht gar lustvoller Kontakt zu Bauern, Läufern und Springern? Sicher bei der Freude am Schachspiel überhaupt, vielleicht auch etwas bei der Güte des Spiels.

Der surrealistische Künstler Marcel Duchamp ließ lange Zeit die Kunst Kunst sein und widmete sich ausschließlich dem Schachspiel: „Das Milieu bei den Schachspielern ist mir viel sympathischer – nicht alle Künstler sind Schachspieler, aber alle Schachspieler sind Künstler.“ Immerhin brachte es Duchamp auch im Schachspiel zur Meisterschaft und vertrat in den 30er-Jahren Frankreich zweimal bei Schacholympiaden, in einer Mannschaft mit dem damaligen Weltmeister Aljechin. Andererseits kündigte ihm seine frischangetraute Frau noch in den Flitterwochen die Gefolgschaft auf, nachdem er sich nächtens mehr dem Schachspiel als ihr zuwandte. Offenbar ist alles nicht so einfach. Als nach seinem Tod ein Herr Pinoncelli in sein Werk „La Fontaine“ hineinpinkelte und mit einem Hammer traktierte, drehte er sich möglicherweise wutschnaubend im Grab um, obwohl ihm an und für sich ein völlig anarchisches, unkonventionelles Herangehen an die Kunst und Kunstwerke von Herzen willkommen war; da mag Herr Pinoncelli auch behauptet haben, dass er das Kunstwerk so ehren wollte, indem er es auf den Kern seiner Bedeutung zurückführte.

Und als eine Kambodschanerin das Gemälde eines amerikanischen Expressionisten mit geschminkten Lippen küsste und so zerstörte, führte sie vor Gericht an, es sei ein „Liebesakt“ gewesen, während die Anwältin des Malers hervorhob, dass zur Liebe immer zwei gehörten, in diesem Fall ein Partner aber nur „dinglich“ vorhanden gewesen sei. Allerdings war auch der schwarze Schwan Petra in Münster lange Zeit in ein weißes Tretboot verliebt gewesen, wobei niemand die Innigkeit der Beziehung anzweifelte, obwohl auch besagtes Tretboot eindeutig dinglich daherkam.

Bevor ich mich jedoch in Liebe und Konditionierungen verliere, ein Sprung zurück zum letzten Ärzteturnier. Der zweifelhaft Schach liebende Dr. med. Matias Jolo - wicz hatte beim dem eigentlichen Turnier vorausgehenden Blitzturnier (jeder hat nur fünf Minuten Bedenkzeit für die ganze Partie) am Freitagabend diese Stellung gegen den starken Essener Bundesligaspieler Dr. med. Thomas Wessendorf. Wie konnte er als Schwarzer am Zug schnell wertvolles Material gewinnen?

Lösung:
Noch deckt der weiße Läufer das Feld h3, wo der schwarze Springer nur allzu gern zur Springergabel mit fetter Beute aufsetzen würde. Nach 1. . . . Tg3+! und dem erzwungenen 2. Lg2 indes war dieser Verteidigungsläufer gefesselt, sodass die Springergabel 2. . . . Sh3+ nun sehr wohl die weiße Dame eroberte, weshalb Weiß aufgab.
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