ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2009Psychotherapie mit Älteren: Auch hier Vorurteile
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Stereotype gegenüber älteren Menschen existieren zweifellos – in der Bevölkerung und bei Psychotherapeutinnen. Könnte es sein, dass auch die Autorin solchen unterliegt – allerdings bezogen auf Freud und die Psychoanalyse? Richtig ist, dass sich Freud (und andere Psychoanalytiker wie zum Beispiel Ferenczi) kritisch zur Behandlung älterer Menschen äußerte: „Auch eine Altersstufe in der Nähe des fünften Dezenniums schafft ungünstige Bedingungen für die Psychoanalyse. Die Masse des psychischen Materials ist dann nicht mehr zu bewältigen, die zur Herstellung erforderliche Zeit wird zu lang, und die Fähigkeit, psychische Vorgänge rückgängig zu machen, beginnt zu erlahmen“ (Freud 1904 a, GW V: 9). Damals war er 48 Jahre alt; im Alter von 62 Jahren schrieb er dann: „Es gibt aber Personen, bei denen diese psychische Plastizität weit über die gewöhnliche Altersgrenze hinaus bestehen bleibt, und andere, bei denen sie frühzeitig verloren geht“ (Freud 1918 b, GW XII: 151). Die Psychoanalyse hat sich nach Freud weiterentwickelt, auch auf dem Gebiet der Behandlung älterer Menschen.

Die Aussage, Ältere und vor allem Hochbetagte seien oft weniger depressiv und niedergeschlagen als jüngere Menschen, stimmt mit den Ergebnissen epidemiologischer Untersuchungen nicht überein. Im Gegenteil ist der Anteil deutlich höher im Vergleich zu anderen Altersgruppen, während der Versorgungsgrad mit Psychotherapie (insbesondere Richtlinien-PT) proportional erschreckend niedrig ist.
Jürgen Thorwart, Psychologischer Psychotherapeut, Johann-Sebastian-Bach-Weg 9,
82223 Eichenau
Anzeige

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote