ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2009Selbsthilfeliteratur: Seriosität auf dem Prüfstand

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Selbsthilfeliteratur: Seriosität auf dem Prüfstand

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LNSLNS Psychologische Selbsthilfebücher gibt es wie Sand am Meer, und nicht selten entwickeln sie sich sogar zu Bestsellern. Psychologen um Richard Redding von der Villanova University (USA) haben sich jetzt mit der Seriosität populärer Selbsthilfebücher befasst. Sie wählten 50 auflagenstarke Ratgeber zu Ängsten, Depressionen und traumabedingten Störungen („Topseller“) aus und ließen sie von vier klinischen Psychologen hinsichtlich „Praxistauglichkeit“, „wissenschaftlicher Fundierung“, „Anleitungen zur Selbstdiagnose, Anwendung der Techniken und Selbstbeobachtung“ sowie „allgemeiner Nutzen“ bewerten. Es zeigte sich, dass das Qualitätsspektrum sehr groß war. Bücher mit hoher Qualität erfüllten meistens alle Anforderungen, beinhalteten einen kognitiv-behavioralen Ansatz, konzentrierten sich auf eine spezifische Erkrankung und waren von Experten (Psychiatern, Psychotherapeuten, Psychologen, Wissenschaftlern) verfasst. Bei Büchern mit niedriger Qualität fiel auf, dass die Autoren über keine psychologische Ausbildung verfügten und dass gleich mehrere Störungen oberflächlich abhandelt wurden. Außerdem basierten sie weitgehend auf unorthodoxen, empirisch nicht überprüften Methoden und tendierten zu extravaganten Selbstheilungsratschlägen, die wissenschaftlich nicht abgesichert waren. Nur die Hälfte der Ratgeber warnte die Leser vor Fehlern und Rückschlägen. Trotzdem sind die Autoren überzeugt: „Selbsthilferatgeber können bei psychologischen Problemen gute Dienste leisten.“ ms

Redding R, Herbert J, Forman E, Gaudiano B: Popular self-help books for anxiety, depression, and trauma: How scientifically grounded and useful are they? Professional Psychology: Research and Practice 2008; 39(5): 537–45.
Richard E. Redding, Villanova University, School of Law, 299 North Spring Mill Road, Villanova, PA 19085, E-Mail: redding@law.villanova.edu
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