ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2009Interventionsmethoden: Traditionell und modern

BÜCHER

Interventionsmethoden: Traditionell und modern

Koch, Joachim

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Umfassend, profund und didaktisch sehr gut werden klinisch-psychologische und psychotherapeutische Interventionsmethoden in 15 Kapiteln vorgestellt. 31 Autoren sind an diesem zweiten Band der Enzyklopädie der Psychologie beteiligt.

Schon das erste Kapitel ist für ambulant tätige Psychotherapeuten besonders interessant. Grosse Holtforth, Lutz und Grawe beschäftigen sich mit interventionsbezogener Diagnostik. In einzelnen Unterkapiteln werden verschiedene Formen von Diagnostik vorgestellt: die indikationsorientierte, die therapiebegleitende, die evaluative sowie die Verlaufsdiagnostik.

Zu jedem inhaltlichen Teil gibt es Tabellen, in denen die wichtigsten Testverfahren aufgelistet sind. Zusammen mit weiterführenden Literaturverweisen bekommt die Leserschaft so einen exzellenten Überblick über das Feld.

Im Kapitel über Gesprächsführung, Motivation und Kooperation machen Caspar und Belz mit Grundlagen der Gesprächsführung vertraut. Dies geschieht auf eine praxisorientierte Art und Weise, die auf einer wissenschaftlichen Orientierungsbasis ruht. Spannend sind auch die zusammenfassenden Ausführungen über Therapiemotivation. Die Autoren listen Grundannahmen für die Therapiemotivation auf, indem sie sich auf Kanfer und andere beziehen und verdeutlichen, dass ein negativer Therapieverlauf nicht mehr generell damit erklärt werden kann, dass der Patient nicht motiviert war. Psychotherapeuten beschäftigen sich heute vermehrt und auch erfolgreicher mit Patienten, die früher aus einer motivationalen Sicht als nicht behandelbar galten. Im dritten Teil des Kapitels geben die Autoren zu bedenken, dass das explizite Bestimmen und Aushandeln von Therapiezielen ein wichtiges Merkmal guter Verhaltenstherapien ist. Überraschenderweise sind Therapieziele in konkreten Erstgesprächen sowie in der Literatur aber weniger ein Thema, als es wegen der Transparenzansprüche der Verhaltenstherapie erwartet werden könnte. Die Autoren zeigen standardisierte Verfahren, mit denen die Psychotherapeuten Therapieziele verfassen können, und geben auch einen umfassenden Einblick in Motivierungsstrategien.

Ellgring und Alpers kommen bei ihrer Darstellung der operanten Verfahren in der Psychotherapie zu dem Fazit, dass in der letzten Zeit viele der bekannten und wirksamen operanten Verfahren trotz ihrer erwiesenen Wirksamkeit an Bedeutung verloren haben. Die Therapeuten haben sich den Kognitionen als bedeutender Größe zugewandt. Darüber hinaus könnten kognitive Elemente ein Risiko für den therapeutischen Prozess darstellen, weil eine weniger klare Strukturierung besteht. Bei Patienten mit schweren Depressionen soll am Anfang einer psychotherapeutischen Behandlung der Aufbau positiv erlebter Aktivitäten stehen. Ein kognitiv-therapeutischer Teil folgt dann nach einer Besserung und hat das Ziel, die irrationalen Bewertungen herauszufinden und zu verändern, die depressionserhaltendes Potenzial besitzen, wie Rink, Berger und Ehlert in ihrem Beitrag mit dem Titel „Genusstraining, Aktivitätsaufbau und Körperintervention“ verdeutlichen.

In anderen Kapiteln beschäftigen sich unter anderem Warnke und Beck mit Mediatorentraining und Beeinflussung der Lebenswelt oder Montada mit Konfliktmediation. Neben wichtigen traditionellen Themen der psychotherapeutischen Methoden wird auch der Einsatz moderner Technologien in der Psychotherapie thematisiert. In diesem Kapitel behandeln Mühlberger, Alpers und Pauli die Internettherapie und die Nutzung virtueller Welten für die Psychotherapie besonders ausführlich. Joachim Koch

Martin Hautzinger, Paul Pauli (Hrsg.): Psychotherapeutische Methoden. Enzyklopädie der Psychologie, Band 2. Hogrefe, Göttingen 2009, 917 Seiten, gebunden, 169 Euro
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema