ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2009Randnotiz: Vorsicht Falle!
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LNSLNS Die Arztpraxis ist ein geschützter Raum, aus dem nichts nach draußen dringt. Nur so kann ein vertrauensvolles Arzt-Patient-Verhältnis entstehen, das es ermöglicht, Erkrankungen zu erkennen und wirksam zu therapieren. Das ist die Theorie.

Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass es Einzelfälle gegeben hat, in denen ein Arzt ein solches Vertrauensverhältnis missbraucht hat oder Patienten einem Scharlatan aufgesessen sind. Doch die journalistische Recherche solcher Fälle sollte zumindest dem Gebot der Fairness genügen und nicht in erster Linie dazu dienen, die eigene Arbeitshypothese zu belegen. Die lautete im vorliegenden Fall offenbar, dass Ärzte viel zu sorglos Psychopharmaka verordnen, sprich dem Medikamentenmissbrauch ihrer Patienten indirekt Vorschub leisten.

Ausgezogen war eine Journalistin des Fernsehsenders RTL, die mit einer fingierten Geschichte einen Düsseldorfer Allgemeinarzt dazu brachte, ihr ein Benzodiazepin zu verordnen. Sie – oder ihr ebenfalls anwesender angeblicher Partner – dokumentierte das Gespräch heimlich in Film und Ton. Das mag in schwerwiegenden ¬Fällen zulässig sein. Dass die Journalistin aber den Arzt weder im Nachhinein über ihre Aufnahmen informierte noch ihm die Möglichkeit einräumte, sich zum Geschehen zu äußern, ist unredlich. Der Arzt erfuhr erst am Tag nach der Ausstrahlung von seiner Fernsehpräsenz. Ein Patient hatte ihn trotz Verfremdung erkannt.

Der Fall beschäftigt jetzt das Landgericht Düsseldorf. Gegen eine einstweilige Verfügung, die RTL untersagt, in der Praxis des Arztes nochmals heimlich zu filmen, hat der Sender Einspruch eingelegt: Das beschneide die Pressefreiheit.
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