ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2009Intimchirurgie: Aus Erfahrung
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Kaum erscheint ein neuer Trend in der Schönheitschirurgie, schon erscheinen düstere Artikel in den Medien, wie auch hier im DÄ. Da wird allgemein vor gefährlichen Nebenwirkungen gewarnt, ohne dass klare Zahlen oder aussagekräftige wissenschaftliche Untersuchungen vorlägen . . . Tatsächlich steigt die Zahl dieser Eingriffe stark an. Als Fachärztin für Chirurgie und plastische Chirurgie führe ich einige dieser Eingriffe regelmäßig durch. Die Zahl der behandelten Patientinnen stieg in meiner Praxis von ca. 30 im Jahre 2005 auf über 70 im Jahre 2008. Die häufigste Komplikation war die Nachblutung in den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff. Diese Nachblutungen können recht bedrohlich sein und veranlassten uns, die Patientinnen grundsätzlich eine Nacht zur Überwachung in der Praxisklinik zu behalten. Infektionen waren hingegen selten. Eine ernsthafte Wundinfektion wurde nicht beobachtet. In einigen wenigen Fällen kam es jedoch in der ersten Woche zu einer Blaseninfektion, die durch Gabe von Amoxicillin oder ein Cephalosporin innerhalb weniger Tage zum Abklingen gebracht wurde. Länger währende Gefühlsstörungen, Dyspareu-nien oder Narbenprobleme haben wir bislang nicht beobachtet. Die Zahl der psychisch gestörten Patientinnen, die diese Eingriffe nachfragen, würde ich eher als unterdurchschnittlich einstufen. Bei Patienten, die eine Nasenkorrektur nachfragen, erscheint mir diese Zahl deutlich höher zu sein. Allerdings beobachte ich eine erhebliche Anzahl an E-Mail-Anfragen von minderjährigen Patientinnen. Junge Mädchen sind gerade auf diesem Gebiet offenbar durch Darstellungen in den Medien leicht zu verunsichern. Näheres kann ich dazu aber nicht sagen, da ich die Beratungsgespräche in diesen Fällen grundsätzlich nur in Gegenwart beider Elternteile durchführe und diesen auch meistens abrate, dem Eingriff zuzustimmen. Aus diesem Grunde erscheinen diese jugendlichen Patientinnen nur selten in meiner Sprechstunde. Die Mehrheit der operierten Patientinnen ist zwischen 25 und 45 Jahre alt, und in drei Viertel der Fälle besteht eine ausgeprägte, wenn auch nicht immer krankheitswertige Vergrößerung der kleinen Schamlippen, oft auch mit einer erheblichen Asymmetrie. Die meisten dieser Patientinnen klagen über Probleme beim Rad fahren oder Tragen enger Hosen.
Dr. med. Sigrid Hülsbergen-Krüger,
Harburger Ring 8–10, 21073 Hamburg
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