ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2009Aus ärztlicher Feder: L’amitié franco-allemande

KULTUR

Aus ärztlicher Feder: L’amitié franco-allemande

Hilmend, Peter

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Wolfgang Roscher: Himmelspforten, mon amour. Novelle.Verlag 28 Eichen, Barnstorf 138 Seiten, 12 Euro, ISBN: 978-3-940597-02-1
Wolfgang Roscher: Himmelspforten, mon amour. Novelle.Verlag 28 Eichen, Barnstorf 138 Seiten, 12 Euro, ISBN: 978-3-940597-02-1
Als Leser fragt man sich manchmal, wie Schriftsteller wohl auf die Namen ihrer Personen kommen – aus dem Telefonbuch, dem Ortsregister des ADAC-Atlas, einem Wörterbuch? Die Hauptperson dieser Erzählung heißt jedenfalls Kych-Otte, ein Freund Yngve Ytter. Da stellen sich keine Assoziationen ein. Immerhin trägt Kych-Ottes Gattin den schönen Vornamen Cécile, mit Accent aigu, denn sie ist Französin. Das ist nicht unwichtig. Das erzählerische Kabinettstückchen handelt nämlich von deutschem und französischem Wesen. Letzteres schätzt Kych-Otte, der als Mikrobiologe in einem offenbar süddeutschen Universitätsstädtchen wirkt, über die Maßen, wohingegen ihm alles Deutsche suspekt ist, nicht weltläufig genug. Doch der gute Kych-Otte erlebt eine Überraschung. Es stellt sich nämlich Besuch aus Frankreich ein, ein Onkel von Cécile, der natürlich Alain heißt. Und Alain ist begeistert von allem Deutschen, nicht nur im Allgemeinen, sondern speziell auch von einer Assistentin des Mikrobiologen, die dieser bisher als provinziell abgetan hat. Wie falsch – entwickelt sich doch eine nette deutsch-französische Beziehung zwischen der deutschen MTA und dem kultivierten Alain, der, was schon nicht mehr überrascht, in Paris zu Hause ist und dazu noch ein historisches Bauernhaus auf dem Land besitzt. Da kommt man sich schnell näher. Weshalb bloß hat Cécile ihrem Mann nicht schon früher vermittelt, dass Franzosen gar nicht so selten was für deutsche Kultur, eingeschlossen Wagner-Musik und Oktoberfeste übrig haben, fragt sich der Leser. Hat sie aber nicht, und so steht Kych-Otte, als Alain auftaucht, mit seinen Vorurteilen ziemlich dumm da. Doch ganz langsam bahnt sich die Bekehrung an und in Himmelspforten, une des Abbayes les plus importantes du Sud d’Allemagne (der Autor lässt den Leser fleißig im Wörtbuch nachschlagen!), schmelzen sie vollends dahin. Hier kann er Cécile ein stilvolles Heim bieten und Alain den deutschen Barock vorzeigen.

Erstaunlich, welche Fülle an Kenntnissen und Erkenntnissen der Autor auf 138 locker gedruckten Seiten unterzubringen weiß, nicht zu vergessen manchen Verweis auf den Umweltschutz. Schließlich ist der Verfasser auch Umweltmediziner. Er erzählt eher konventionell und achtet auf den treffenden Ausdruck. Nur gelegentlich verirrt er sich auf die falsche Sprachebene, wo „kein Schwanz“ mehr zu sehen ist und jemand „seinen Senf“ unpassend dazu gibt. Doch das sei ihm nachgesehen. Der schmale Band aus kollegialer Feder verheißt allemal einen heiteren Sonntagnachmittag. Peter Hilmend
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