ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2009Onkologie: Therapiesynergien von Biologicals

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Onkologie: Therapiesynergien von Biologicals

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Orlando hat sich die Hoffnung bestätigt: Intensiv vorbehandelte Patienten können von neuen, zielgerichteten Therapien profitieren. Synergieeffekte von Biologicals lassen sich nutzen.

Die Weiterentwicklung zielgerichteter Substanzen mit der Perspektive, für jeden Patienten anhand von Tumormarkern diejenige Substanz zu finden, die einen optimalen klinischen Vorteil hervorruft, rückt immer stärker in den Fokus der klinischen Onkologie. Der monoklonale Antikörper Trastuzumab – für die Behandlung von Mammakarzinomen mit einer Überexpression von HER2/neu mittlerweile Therapiestandard – gilt als Paradebeispiel für diese Entwicklung.

Der Antikörper ist offenbar auch die erste biologische Substanz, die bei fortgeschrittenem Magenkarzinom einen Überlebensvorteil bringen kann. Bei einer Überexpression von HER2/neu (circa 20 Prozent der Magenkarzinome) leben Patienten durchschnittlich 2,7 Monate länger, (13,8 Monate), wenn sie zusätzlich zu Zytostatika den gegen HER2/neu gerichteten Antikörper erhalten, im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie (11,1 Monate).

Überlebenszeit durch Gabe von Trastuzumab verlängert
Die Daten einer Phase-III-Studie sind bei der Tagung der American Society of Clinical Oncology vorgestellt worden (1). „Das ist eine moderate, aber klinisch relevante Verlängerung der Lebenszeit durch die Zugabe von Trastuzumab zu einer Chemotherapie“, hatte Prof. James C. Yao vom M. D. Anderson Cancer Center in Boston die Ergebnisse vor dem Plenum kommentiert. In die offene Phase-III-Untersuchung waren 584 Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom eins zu eins randomisiert worden. In den Tumoren war HER2/neu entweder immunhistochemisch (IHC) oder mithilfe des FISH-Verfahrens nachgewiesen worden. Die Probanden erhielten entweder 5-Fluorouracil oder Capecitabin plus jeweils Cisplatin alle drei Wochen (sechs Zyklen) oder additiv Trastuzumab alle drei Wochen bis zum Fortschreiten der Erkrankung. Das Gesamtüberleben lag in der Verumgruppe um durchschnittlich 26 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe. Am stärksten profitierten Patienten, bei denen HER2/neu stark überexprimiert war (FISH-positiv/ICH HER2/neu 3+): Die Patienten überlebten im Durchschnitt um 17,9 Monate.

Da die zusätzliche Gabe von Trastuzumab zur Chemotherapie keine ausgeprägten unerwünschten Effekte gehabt habe, sei eine Immunchemotherapie für Patienten mit fortgeschrittenem, HER2/neu-positivem Adenokarzinom des Magens jetzt eine sichere und sinnvolle Behandlungsoption, erläuterte Prof. Dr. med. Volker Heinemann (München).

Mit dem Ziel, höhere Ansprechraten zu erreichen, werden Biologicals kombiniert, auch solche, die auf dieselbe Zielstruktur wirken wie Trastuzumab und der HER-Dimerisierungsinhibitor Pertuzumab. In einem Synergismus liege die Hoffnung für Patientinnen mit fortgeschrittenem, Her2/neu-positivem Mammakarzinom, auch wenn sie unter Trastuzumab progredient geworden seien, sagte Prof. Dr. med. Nadia Harbeck (Köln). So ist Pertuzumab nach aktuellen Studiendaten wirksam in der Monotherapie gegen HER2/neu-positiven Brustkrebs.

Neue Daten weisen aber ebenfalls darauf hin, dass eine Kombination aus Pertuzumab und Trastuzumab in diesem Krankheitsstadium effektiver ist als eine Monotherapie mit einem der beiden Antikörper. Zudem war die Antikörperkombination auch bei Patientinnen wirksam, bei denen eine Therapie mit Trastuzumab oder Pertuzumab bereits versagt hatte: Ein Drittel hatte einen klinischen Vorteil in Form von kompletter oder partieller Remission oder einer Stabilisierung der Erkrankung für mindestens sechs Monate (2).

Konjugat aus Antikörper und Zytostatikum in Erprobung
Als erster Vertreter der neuen Wirkstoffklasse der HER2-Antikörper-Arzneimittel-Konjugate (Antibody Drug Conjugate; ADC) wurde T-DM1 in einer Phase-II-Studie bei vorbehandelten Patientinnen mit metastasiertem, HER2-positivem Mammakarzinom untersucht. Bei diesem Therapieprinzip fungiert der HER-2 Antikörper Trastuzumab als Vektor, über den das antimikrotubulär wirkende Zytostatikum DM1 direkt im Tumor freigesetzt wird.

Den ersten Ergebnissen einer Phase-II-Studie zufolge, an der 112 chemotherapeutisch vorbehandelte Patientinnen im metastasierten Stadium mit Progress unter einer zielgerichteten Therapie (Trastuzumab, Lapatinib) teilnahmen, erreichten mehr als ein Drittel der Frauen unter der Folgetherapie mit T-DM1 eine komplette oder partielle Remission (3). In Köln wird eine internationale Studie betreut, in der geprüft werden soll, ob Frauen mit fortgeschrittenem, HER2/neu-positivem Mammakarzinomen nach Vorbehandlung mit Trastuzumab auf die Kombination von T-DM1 und Pertuzumab ansprechen.
Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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1.
E. van Cutsem et al, Abstr. LBA 4509.
2.
Cortes J et al., Abstr. 1022.
3.
Vogel CL et al., Abstr. 1017.E
1. E. van Cutsem et al, Abstr. LBA 4509.
2. Cortes J et al., Abstr. 1022.
3. Vogel CL et al., Abstr. 1017.E

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