ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2009Alzheimer-Tests brauchen einheitliche Standards

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Alzheimer-Tests brauchen einheitliche Standards

EB

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LNSLNS Nach einer großen internationalen Untersuchung unter Beteiligung deutscher Neurologen, kann die Messung von Proteinen im Liquor den Beginn der Alzheimer-Krankheit mit hoher Zuverlässigkeit aufzeigen (JAMA 2009; 302[4]: 385–93). In der Studie konnten 83 Prozent jener Patienten mit leichten Denkstörungen identifiziert werden, die in den Jahren nach der Messung Alzheimer entwickelten. Bei den Biomarkern handelt es sich um das Tau-Protein, das Teil des Zellgerüsts ist, sowie um Beta-Amyloid, das sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten ablagert. Klare Hinweise auf eine beginnende Alzheimer-Krankheit liefern demnach erhöhte Werte für Tau und erniedrigte Werte für Beta-Amyloid im Liquor cerebrospinalis.

Für die Studie wurden insgesamt 1 200 Patienten untersucht. Zunächst wurden 529 Patienten mit einer Alzheimer-Demenz mit 304 gesunden Testpersonen verglichen, um die Grenzwerte festzulegen. Dann wurden 750 Patienten mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung über mindestens zwei Jahre beziehungsweise solange, bis eine klinische Demenz manifest wurde, im Verlauf beobachtet. Die Studie zeigt, dass diese Biomarker 83 Prozent der Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen identifizieren können, die in den folgenden Jahren Alzheimer entwickeln werden.

Nach Angaben von Prof. Dr. med. Günther Deuschl, 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, bestätigt die Veröffentlichung zwar eine theoretisch mögliche Früherkennung der Alzheimer-Krankheit, jedoch wiesen die Messwerte und -verfahren der zwölf an der Studie beteiligten Gedächtniskliniken erhebliche Unterschiede auf. „Bevor diese Werkzeuge routinemäßig in der Praxis eingesetzt werden können, müssen sie aber noch weiter verfeinert und standardisiert werden“, kommentiert Deuschl. „Wir sind noch nicht so weit, solch einen Test routinemäßig bei älteren Menschen mit beginnenden Gedächtnisstörungen einzusetzen.“

Allzu oft würde durch ein positives Testergebnis falscher Alarm ausgelöst. Dies sei nicht zu rechtfertigen, solange es noch keine Arzneimittel gebe, die den Krankheitsverlauf längerfristig beeinflussen können. Ebenso wie Studienleiter Niklas Mattson (Sahlgrenska University Hospital, Göteborg, Schweden) hofft auch Deuschl, dass entsprechende Therapien bald zur Verfügung stehen. Auch an einer Impfung gegen die Alzheimer-Krankheit werde bereits seit vielen Jahren gearbeitet. EB
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