ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2009Abhängigkeitserkrankungen: „In der Sucht sind wir alle gleich“

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Abhängigkeitserkrankungen: „In der Sucht sind wir alle gleich“

Dtsch Arztebl 2009; 106(34-35): A-1658 / B-1422 / C-1390

Gieseke, Sunna

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Foto: Eberhard Hahne
Foto: Eberhard Hahne
Scham und Schuldgefühle halten viele Ärzte davon ab, frühzeitig Hilfe anzunehmen. Auch die Angst, den Status und die Approbation zu verlieren, spielen dabei eine große Rolle.

Bereits während des Medizinstudiums hat Hans Petersen* viel getrunken. Das war für ihn Ausdruck eines Lebensgefühls. Nur betrunken konnte er richtig viel Spaß haben und das Leben in vollen Zügen genießen – dachte er. So suchte Petersen sich auch seine Freunde aus: Wer nicht trank, war in seinen Augen ein Langweiler. Mit denen wollte er nichts zu tun haben. Wann genau aus der Trinkgewohnheit und dem Alkoholmissbrauch eine Sucht wurde, weiß der heute 59-Jährige nicht mehr. „Für mich wurde der Alkohol mehr und mehr ein wichtiger Bestandteil meines Alltags. Ich kam von der Arbeit nach Hause und habe erst einmal zwei Flaschen Bier und eine Flasche Wein getrunken“, erzählt der Facharzt für Urologie mit starkem norddeutschen Akzent. Inzwischen ist der großgewachsene, hagere Mann in Altersteilzeit. Erst jetzt merke er, wie sehr ihn sein Beruf gestresst habe. Der Alltag im Operationssaal sei im Laufe der Jahre straffer geworden, immer mehr Operationen an einem Tag habe er durchführen müssen. Er habe den Alkohol mehr und mehr gebraucht, um sich von dem harten Arbeitstag zu entspannen. Allein. Vor seinem Radio im Keller. Von der Außenwelt – auch von seiner Frau und den beiden Kindern – habe er sich immer weiter isoliert. Natürlich habe er sich eingebildet, er habe alles noch unter Kontrolle. Dann hat Petersen aber auch angefangen, im Rufdienst zu trinken und ist zweimal mit einer Fahne in der Klinik erschienen. Das ist aufgefallen. Und dann war Schluss: Zunächst musste er ein Gutachten beibringen, inwieweit er alkoholabhängig ist. Dann begab er sich – aufgrund der Anweisung des Arbeitgebers – in eine Therapie.

Die genaue Anzahl der Betroffenen ist nicht bekannt
Die Geschichte von Hans Petersen steht exemplarisch für die vieler suchtkranker Ärzte. Wie groß die Zahl der Betroffenen genau ist, ist unklar. Die Dunkelziffer ist hoch. Experten sind sich aber einig, dass der Anteil nicht höher – aber auch nicht niedriger – ist als in der Allgemeinbevölkerung. Dem Drogen- und Suchtbericht 2009 der Bundesregierung zufolge sind rund 9,5 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig oder riskieren durch Alkoholkonsum ihre Gesundheit. Das sind etwa zehn Prozent. Auch bei Ärzten ist die Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit am häufigsten, wobei das Thema immer noch tabuisiert ist. Scham und Schuldgefühle halten sie häufig davon ab, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hinzu kommt die Angst vor Sanktionen – dabei gibt es inzwischen gute Behandlungsmöglichkeiten, die die betroffenen Ärzte auffangen.

„Es hat Folgen, wenn die Ärzte so spät kommen“, erklärt Prof. Dr. med. Götz Mundle, Chefarzt der Oberbergklinik, einer speziellen Akutklinik für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, Depression, Angst und Burn-out. „Jeder Monat, jedes Jahr kann zu einer weiteren Chronifizierung führen. Manchmal sehen wir schreckliche Bilder, wenn die Ärzte sich schließlich zu einer Therapie bei uns entschließen.“

Für ein abstinentes Leben ist der Besuch einer Selbsthilfegruppe auch nach der stationären Behandlung erforderlich. Foto: Fotolia
Für ein abstinentes Leben ist der Besuch einer Selbsthilfegruppe auch nach der stationären Behandlung erforderlich. Foto: Fotolia
Nach einiger Überlegung entschied sich der chirurgisch tätige Urologe Petersen auch für eine Therapie in der Oberbergklinik, die bundesweit an verschiedenen Standorten vertreten ist. Hans Petersen wählte die Klinik im Schwarzwald. In dem idyllischen Örtchen Hornberg kann man gut zur Ruhe kommen. „Der Standort wurde nicht zufällig ausgewählt“, betont Chefarzt Mundle. „Uns ist es wichtig, dass unsere Patienten wieder zu sich selbst finden. Das geht am besten an einem ruhigen Ort.“

Ein besonderer Schwerpunkt der Klinik liegt auf der Behandlung von Ärzten. Der Gründer, Prof. Dr. med. Matthias Gottschaldt, hat – nach einer beachtlichen Karriere – am eigenen Leib erfahren, wie es ist, als Arzt suchtkrank zu werden. Das war seine Motivation für die Gründung der Oberbergklinik. Aufgrund dieser Historie kennt man die Bedürfnisse der Ärzte in diesen Kliniken sehr gut. „Zunächst machen wir dem Arzt auf eine sehr wertschätzende Art klar, dass er bei uns Patient ist. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir seine medizinische Kompetenz infrage stellen“, betont Mundle. Für viele Ärzte stellt der Rollentausch eine besondere Herausforderung dar: „Aber wir betonen immer wieder, dass es jetzt darum geht, Hilfe anzunehmen, Schwächen zuzulassen und zeigen zu können. Das ist das Entscheidende“, weiß Mundle. „Wenn der Arzt es hier schafft, seine Behandlung anzunehmen und zu sagen, ja, ich bin Arzt, und ich habe es nicht geschafft, Stopp zu sagen – wenn dieser Schritt gelungen ist, dann können wir mit der Behandlung beginnen.“

Das Konzept der Oberbergkliniken scheint zielführend zu sein. „Wir haben eine Erfolgsquote von 80 Prozent“, sagt Mundle. Vor allem die umfassende Betreuung der Patienten durch Ärzte und Psychotherapeuten sei ein Schlüssel für die gute Bilanz: Auf etwa 50 Patienten kommen 25 Ärzte und Psychotherapeuten. „Wir nehmen uns viel Zeit für die Patienten“, versichert der Chefarzt. Die Betroffenen haben jeden Tag eine Einzel- und Gruppentherapie, damit sie sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzen können. Nur wenn sie lernten, sich wieder komplett als Menschen anzunehmen, mit all ihren Stärken und Schwächen, könnten sie nicht nur lernen, langfristig abstinent zu leben, sondern auch eine neue Lebendigkeit und Genussfähigkeit entwickeln. Hierzu gehören auch eine gestaltende und körperorientierte Therapie sowie meditative Übungen der Stille – und gutes Essen.

„Mein Tag in der Klinik war ziemlich ausgebucht“, erinnert sich Petersen. „Ich hatte mir am Anfang jede Menge Bücher mitgenommen. Aber ich bin gar nicht dazu gekommen, die zu lesen.“ Das sei Teil des Konzepts, erklärt Mundle. Die Patienten sollen beschäftigt sein, um sich auf die Therapie konzentrieren zu können: „In der heutigen Zeit funktionieren wir alle wunderbar nach außen, aber nach innen haben wir kaum noch Zugang. Es geht nicht darum, dass die Patienten nach der Behandlung keine Leistung mehr bringen sollen, sondern darum, die richtige Balance zwischen Beruf und Entspannung zu finden.“

Grundsätzlich werden in der Klinik alle Süchte behandelt, sowohl stoffliche als auch nicht stoffliche. Auch Burn-out-Patienten und Menschen mit Depressionen werden hier aufgenommen. Häufig gibt es Zusammenhänge bei diesen Krankheitsbildern. Viel Arbeit, viel Druck. „Gerade Ärzte haben einen hohen Anspruch an sich selbst. Sie haben ein Idealbild des Helfers von sich. Sie denken, dass sie immer dazu in der Lage sein müssen, behandeln zu können“, erklärt Mundle. Genau in diesem Helfersyndrom seien sie gefangen. „Sie denken, sie könnten auch sich selbst behandeln.“ Dieses Phänomen kennt auch Petersen. „Ich habe geglaubt, ich dürfte niemals müde sein. Das wurde uns Chirurgen ja auch so eingetrichtert: Wenn du müde bist, hast du deinen Beruf verfehlt.“

In der Klinik sei vor allem die Gruppentherapie für ihn sehr wichtig gewesen, erzählt Petersen. „Nur hier wurde einem die eigene Verhaltensweise widergespiegelt. Das hat man ja im Alltag gar nicht. Meine Kollegen hätten sich ja nicht getraut, mir zu sagen, was ihnen nicht passte.“ Noch heute denkt er an die Gruppensitzung zurück, in der er eine Routineoperation nachspielen sollte. Das Feedback der anderen Patienten war vernichtend: „Mit dir hätte ich auch nicht zusammenarbeiten wollen!“ Daraufhin habe er sein Verhalten reflektiert. Und tatsächlich sei ihm danach der Arbeitsalltag leichter gefallen. „Ich fand früher die meisten Assistenzärzte ausgesprochen dumm und nicht ausbildungsfähig. Erst nach meiner Therapie habe ich gemerkt, mit wie vielen kompetenten Menschen ich zusammenarbeite.“ Einige seiner Kollegen haben ihn sogar auf seine neue innere Ruhe angesprochen und ihn darum beneidet, dass er mit vielen Situationen nun gelassener umgehen konnte.

Das Besondere an den Oberbergkliniken ist, dass Entgiftung und Entwöhnung unter einem Dach durchgeführt werden können. „Wir können die Menschen in zwei bis drei Wochen entgiften. Aber damit es nachhaltig wirken kann, sind sechs bis acht Wochen von Vorteil“, sagt Mundle. Bereits während der Entgiftung beginnt die Therapie, damit die Patienten stabiler werden. Sechs bis acht Wochen aus dem eigenen Leben herauszutreten, das schien Petersen zunächst sehr lang: „Anfänglich hatte ich vier Wochen geplant, aber dann gefiel es mir so gut, dass ich letztendlich acht Wochen geblieben bin.“ Bei ihm sei das aber auch kein Problem gewesen, da er ja angestellt gewesen sei. So waren eine Vertretung und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gesichert. Dass diese beiden Aspekte einer Therapie oftmals im Weg stehen, weiß Dr. med. Klaus Beelmann, geschäftsführender Arzt der Ärztekammer Hamburg: „Aus diesem Grund sind wir gerade in diesem Bereich immer wieder beratend tätig.“ Beelmann ist sich darüber im Klaren, dass sich die meisten Ärzte mit ihrem Suchtproblem nur ungern an ihre Ärztekammer wenden. „Die Sorgen sind aber meistens unbegründet“, betont Beelmann. Viele Ärztekammern haben inzwischen Interventionsprogramme und ausgebildete Ansprechpartner, an die die Ärzte sich wenden können. Das Motto lautet „Hilfe statt Strafe“. Nur bei hartnäckigen und offenkundigen Suchterkrankungen wird die Approbation entzogen. Bei einem Verdacht wird zunächst ein Gespräch mit den Ärzten geführt. Jedem Hinweis wird vorsichtig nachgegangen. „Nicht immer steckt direkt eine Sucht dahinter“, weiß Dr. med. Johanna Le-clerc-Springer, Ärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Leiterin des Interventionsprogramms der Ärztekammer Nordrhein. Sollte diese aber vorliegen, setzen die nächsten Schritte ein: Entgiftung, Entwöhnung und danach Einzeltherapie und Gruppengespräche. Auch bei vielen organisatorischen Aspekten sind die Ansprechpartner hilfsbereit. Dennoch wenden sich vergleichsweise nur wenig suchtkranke Ärzte direkt an ihre Kammer. „Die meisten Hinweise erhalten wir immer noch von Dritten: Familienangehörige, Kollegen, Apotheker oder die Staatsanwaltschaft“, betont Beelmann. Der Widerstand gegen die Diagnose sei meist erheblich. Es würden in der Regel alle Möglichkeiten des Leugnens ausgeschöpft. Die Einsichtsfähigkeit sei häufig eingeschränkt. Das liege aber in der Natur der Krankheit. „Die Ärzte werden durch die Kammern nicht stigmatisiert, stattdessen bieten die Programme eine Chance“, betont der verantwortliche Arzt des Interventionsprogramms der Ärztekammer Hamburg.

Auch bei Rückfällen helfen die Interventionsprogramme der Ärztekammern. „Rückfälle gehören zum Krankheitsbild. Die Patienten müssen lernen, dass das kein Weltuntergang ist“, erklärt Mundle. Wichtig sei es, sich dann frühzeitig therapeutische Hilfe zu suchen. Meist fange es an mit dem ersten Glas Wein oder Sekt zu Silvester oder zum Geburtstag, dann ein Glas in der Woche, bis zu einer Flasche am Tag. Auch Maria L.*, eine medikamentensüchtige Apothekerin, hat einen solchen Rückfall erlebt. „Die weitere stationäre Therapie in der Oberbergklinik hat mir noch einmal einen ordentlichen Schub gegeben. Vor allem meinem Mann habe ich mich noch einmal mehr angenähert.“ Inzwischen würden sie sich auch wieder sehr gut verstehen.

„Die Sucht ist wie ein Drache. Wenn er erwacht, fordert er immer mehr“, sagt die Apothekerin heute. Sie war damals mit ihrer Situation überfordert: Um drei an ADHS erkrankte Kinder, Job und soziales Engagement noch bewältigen zu können, hat sie Ritalin genommen – das stand wegen der Kinder zu Hause immer zur Verfügung. „Ich war immer müde, mit den Medikamenten konnte ich mich endlich wieder konzentrieren.“ Auch bei ihr kam die Sucht schleichend. Vor allem weil sie sich so geschämt hat, hat sie sich zunächst in keine Therapie begeben. „Ich bin doch Apothekerin. Ich hätte es besser wissen müssen. Aber vor der Sucht sind wir alle gleich. Die macht vor dem Status keinen Halt.“ Sie hat angefangen, sich komplett sozial abzuschotten. „Selbst meine Kinder haben mich gestört. Die Medikamentensucht hat meinen Charakter völlig verändert – und ich habe das noch nicht einmal gemerkt.“ Auch für ihren Mann und ihre Kinder wurde die Situation immer mehr zu einer Belastung. „Ich habe versucht, meine Kinder aus der Situation rauszuhalten. Aber ich war auch überfordert“, erinnert sich Marias Mann Günther L.* „Es herrschte so viel Misstrauen zwischen meiner Frau und mir. Ich wusste nicht mehr, was ich überhaupt noch sagen durfte. Sie hat alles falsch verstanden. Ich habe meine Maria nicht wiedererkannt.“ Damit Maria nicht zu viele Medikamente auf einmal nahm, hat er ihr diese zugeteilt. „Ich habe einfach nur Systemerhaltung betrieben und versucht, so gut wie möglich zu funktionieren.“ Damit geriet er in eine sogenannte Koabhängigkeit. „Viele Ehe- oder Lebenspartner sind in einer verzweifelten Verfassung, wenn sie sich bei uns melden“, erklärt Beelmann. Häufig können sie aber gar nichts tun. Auch bei Petersen war es ähnlich. Als seine Frau aus dem gemeinsamen Urlaub abreisen wollte, hat er sie wortlos zum nächsten Bahnhof gefahren. „Ich hatte ja noch genügend Bier“, gesteht er heute.

Günther L. hat irgendwann die Notbremse gezogen und seine Frau überredet, eine stationäre Therapie aufzunehmen. „Ich habe eine psychosomatische Klinik für sie gesucht. Dort wurde allerdings lediglich eine Depression behandelt, der Kern – die Sucht – außen vor gelassen“, erinnert er sich. Nach dem Aufenthalt kam dann ziemlich schnell der Rückfall. Die Situation wurde schlimmer, Maria L. zog sich immer weiter aus dem sozialen Leben zurück. „Ich habe mir immer wieder gesagt: Du musst das lassen! Nimm keine Tabletten mehr. Aber es ging nicht. Ich bin süchtig.“ Gemeinsam mit ihrem Mann überlegte sie, wie es weitergehen kann. Sie hat sich schließlich für das Konzept der Oberbergklinik entschieden. „Die haben keine Fragen gestellt und mich einfach als Mensch akzeptiert. Da wusste ich: Hier bin ich richtig.“ Endlich konnte sie wieder richtig atmen.

Maria L. hatte Angst, nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten zu können. Schließlich hatte sie dort die Substanz ihrer Sucht immer wieder vor Augen. „Die Angst ist ganz normal“, weiß Klinik-Chef Mundle. In der Oberbergklinik lernte Maria L. aber, offen mit der Angst umzugehen. „Als ich aus der Therapie zurückkam, habe ich erst einmal alle Mitarbeiter der Apotheke zusammengetrommelt und ihnen gesagt, dass ich süchtig bin und jetzt ihre Hilfe brauche“, erinnert sich sie sich. Beelmann betont, dass es gut ist, diese Themen offen anzusprechen. Auch gegenüber Mitarbeitern und dem Arbeitgeber. Allerdings gebe es immer noch eine Stigmatisierung und viel Unsicherheit im Umgang mit den Betroffenen. Hier sei weiterhin viel Aufklärung über die Erkrankung notwendig.

Ein abstinentes und glückliches Leben ist möglich
Die Sucht wird niemals verschwinden. Das wissen auch Hans Petersen und Maria L. Sie wird ein ständiger Begleiter sein. Auch das abstinente Leben müsse regelrecht trainiert werden, betont Mundle. Nach der stationären Therapie geht es daher mit einer ambulanten Therapie und dem Besuch einer Selbsthilfegruppe weiter. „Ich muss mich jeden einzelnen Tag meines Lebens damit auseinandersetzen, dass ich alkoholkrank bin“, stellt Petersen klar. „Aus diesem Grund befinde ich mich nach wie vor in einer Therapie und besuche eine Gruppe anonymer Alkoholiker für Ärzte. „Es ist oft sinnvoll, dass Ärzte in diesen Gruppen unter sich bleiben können“, weiß Beelmann. „In jeder anderen Gruppe kann es passieren, dass sie wieder in die Arztrolle verfallen.“ Zudem sei das Verständnis unter Ärzten füreinander häufig größer. „Aber wir müssen uns gar nichts vormachen: Wir haben zwar einen anderen sozialen Status, aber in der Sucht sind wir auch nichts anderes als Junkies“, betont Maria L.

Hans Petersen ist inzwischen so glücklich wie noch nie in seinem Leben. Er fühlt sich sehr wohl und ausgeglichen. Vor allem fühlt er sich jetzt weiser: „Ich kann das Leben inzwischen wirklich genießen. Für viele Kleinigkeiten hatte ich früher gar keinen Blick. Nun reichen mir blühende Blumen, und ich freue mich daran.“ Er ist sich sicher: Jeder ab 40 sollte mal eine stationäre Therapie machen, „um das Gehirn zu fragmentieren und das eigene Verhalten mal zu überdenken“. Sein vorheriges Leben verleugnet er aber nicht: „Ich stehe zu meinem Leben. Aber jetzt bin ich viel freier.“
Sunna Gieseke

*Namen von der Redaktion geändert


Fakten
Auf rechtlicher Ebene wurde durch die Entscheidung des Bundessozialgerichts vom 18. Juni 1968 Sucht als Krankheit anerkannt. Eine Suchterkrankung ist in jedem Fall eine langfristige Erkrankung. Wenn möglich, empfiehlt sich eine stationäre Entgiftung und Entwöhnung, gefolgt von einer ambulanten Psychotherapie sowie dem Besuch von Selbsthilfegruppen. Ansprechpartner können sein:

Bundes­ärzte­kammer (www.baek.de). Hier findet man unter der Rubrik Ärzte, legale und illegale Drogen eine Auflistung der jeweilgen Ansprechpartner der zuständigen Ärztekammern die private Akutklinik Oberbergklinik (exemplarisch ausgewählt) (www.oberbergkliniken.de) sowie der Fachverband Sucht (www.sucht.de).
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