ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/20093 Fragen an ... Dr. med. Christoph von Ascheraden, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses Sucht und Drogen der Bundes­ärzte­kammer

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3 Fragen an ... Dr. med. Christoph von Ascheraden, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses Sucht und Drogen der Bundes­ärzte­kammer

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Warum werden Ärzte süchtig?

von Ascheraden: Stress – Helfersyndrom – Omnipräsens. Natürlich folgen nicht alle Ärzte diesen traditionellen Mustern, aber es sind immer noch zu viele! Deshalb werden die Belohnungssysteme im Hypothalamus ständig aktiviert und strapaziert. Alkohol und Medikamente (die wichtigsten Suchtmittel bei Ärzten) bieten scheinbare Entspannung und Erholung.

Wie ist die derzeitige Versorgungssituation?

von Ascheraden: Sucht ist eine Krankheit. Diese Erkenntnis setzt sich in der Ärzteschaft erstaunlich schwer und nur gegen viele Hindernisse durch. Tabuisierung der Sucht ist in der Ärzteschaft weitverbreitet, verbunden mit Ängsten um die Existenz, den Sozialstatus und das eigene Ego. Auch Kollegen schauen weg, nehmen Warnsignale nicht wahr. Gehandelt wird erst, wenn es schon fast zu spät ist.

Was muss hier noch getan werden?

von Ascheraden: In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Ärzte ihre eigene Gesundheit stärker wahrnehmen und professionelle Hilfe akzeptieren. Dazu haben die Ärztekammern Interventionsprogramme für suchtkranke Ärzte entwickelt. Die Bundes­ärzte­kammer unterstützt diese Aktivitäten nachhaltig. Diese Programme sollten flächendeckend für alle Ärzte eingerichtet werden. Das Prinzip: Hilfe vor Strafe, professionelle Intervention vor Staatsanwalt und Approbationsbehörde. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Betroffenen ihre Suchterkrankung sich selbst eingestehen und bereit sind, kollegiale und professionelle Hilfe anzunehmen, wie wir es von unseren Patienten erwarten.
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