ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2009Alzheimer-Therapie: Patienten profitieren auch im Spätstadium

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Alzheimer-Therapie: Patienten profitieren auch im Spätstadium

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Der Acetylcholinesterase-Hemmer Galantamin führt zu verbesserten Werten im psychometrischen Schnelltest.

Die Progression der Alzheimer-Demenz in ein Stadium, das eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung erfordert beziehungsweise die Aufnahme in ein Pflegeheim notwendig macht, darf nach Überzeugung von Prof. Dr. med. Matthias W. Riepe (Ulm) nicht per se der Anlass dazu sein, die Behandlung mit dem Acetylcholinesterase-Hemmer Galantamin (Reminyl®) zu beenden. Denn auch bei einem MMST-Score (Mini-Mental-Status-Test) von zwölf Punkten oder weniger sei in vielen Fällen weiterhin ein therapeutischer Nutzen zu erwarten – auch wenn sich das nicht immer auf den ersten Blick erschließe.

Es bedeute schon einen Unterschied, ob sich ein Patient weiterhin/wieder auf der Station orientieren könne und von allein den Weg zur Toilette finde oder nicht. Riepe verwahrte sich auch entschieden gegen eine Kosten-Nutzen-Diskussion in diesem Zusammenhang. Ein Antihypertensivum werde ja auch nicht abgesetzt, wenn ein Patient pflegebedürftig werde.

Seine Erfahrungen werden durch die Ergebnisse der kürzlich abgeschlossenen SERAD-Studie* bestätigt. Rekrutiert worden waren in zehn europäischen Ländern aus-schließlich in Pflegeheimen betreute Alzheimer-Patienten (n = 407) mit einem durchschnittlichen Alter von 84 Jahren und einer Erkrankungsdauer von viereinhalb Jahren. Hauptkriterium war ein MMST-Score zwischen zwölf und fünf Punkten gewesen. Im Studienmittel betrug der MMST neun Punkte – in 42 Prozent der Fälle weniger als acht Punkte. Kein Patient war mit einem Acetylcholinesterase-Hemmer oder Memantine (in den an der Studie beteiligten Ländern nicht zugelassen) vorbehandelt. Die Randomisierung erfolgte doppelblind zu einem Galantamin- und einem Placebo-Arm. Primäre Endpunkte waren Kognition und Alltagskompetenz.

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von sechs Monaten stieg in der Verumgruppe der SIB-Score (Severe Impairment Battery) im Durchschnitt um drei Punkte an, während er in der Kontrollgruppe um zwei Punkte abfiel. Der Unterschied von fünf Punkten war signifikant (p = 0,006). Die Auswertung der MSD-ADL (Minimum Data Set-Activities of Daily Living) ergab für den Gesamtscore nur einen positiven Trend zugunsten von Galantamin.

Mindestens ebenso wichtig sind für Riepe die Daten zur Verträg-lichkeit. Denn immerhin habe es sich um ein Kollektiv mit – wie in dieser Altersgruppe zu erwarten – vielfältiger physischer und psychischer Komorbidität gehandelt. Weder bei der Nebenwirkungsrate insgesamt noch bei der Inzidenz schwerwiegender Ereignisse oder vorzeitiger Therapieabbrüche zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den beiden Kollektiven. Für die Sicherheit einer Galantamin-Therapie im fortgeschrittenen Alzheimer-Stadium spricht auch die mit vier versus elf Prozent signifikant (p = 0,012) niedrigere Mortalität.
Gabriele Blaeser-Kiel

Pressekonferenz „Effekte von Galantamin bei Patienten mit schwerer Alzheimer-Demenz“ (Veranstalter: Janssen-Cilag GmbH) beim 81. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Hamburg

*SERAD-Studie (Safety and Efficacy of Galantamine/Reminyl® in Servere Alzheimer’s Disease) – Burns-et-al.-Poster beim 12th Congress of the European Federation of Neurological Societies, 23. bis 26. August 2008 in Madrid
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