ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2009Simulator für Kardiologen: Interventionelle Eingriffe üben

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Simulator für Kardiologen: Interventionelle Eingriffe üben

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Angehende Kardiologen können risikobehaftete Eingriffe ohne Zeitdruck am Simulator üben. Foto: cathi/Innomedia
Angehende Kardiologen können risikobehaftete Eingriffe ohne Zeitdruck am Simulator üben. Foto: cathi/Innomedia
Aschgrau liegt der Körper in schockähnlicher Starre. Zum Glück ist der Patient auf dem OP-Tisch jedoch kein echter Notfall. Vielmehr ist „Cathi“ (Catheter Instruction System) ein Dummy aus Kunststoff, ein Simulator für angehende Ärzte, die mit Instrumenten der minimalinvasiven Medizin punktgenau bestimmte Areale im menschlichen Körper ansteuern. In enger Zusammenarbeit mit Industrie, Universitäten und Ärzten sowie unterstützt durch ein Innovationsförderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums gelang es, Erfahrungen und Erkenntnisse aus zwei verschiedenen Technologiewelten – Medizintechnik und Flugsimulation – in diesem Projekt zu integrieren.

Das „virtuelle Trainingssystem für interventionelle Eingriffe“ wurde als Lerntechnologie für die Aus- und Weiterbildung von Kardiologen konzipiert. Seit 2003 auf dem Markt, wird es bereits weltweit eingesetzt. Die Innovation kombiniert pädagogische Lernkonzepte mit realitätsnahen, aus Patientendaten abgeleiteten Anatomiemodellen und dem Umgang mit realen Instrumenten wie Katheter, Drähten oder Röntgenanlagen. Der Übende sieht wie ein Operateur auf Bildschirmen die Röntgendarstellung der Blutgefäße. Dabei liegen die visuellen und haptischen Rückkopplungen nahe an realen Erfahrungen. Eingriffe am Gefäßsystem erfordern jahrelange Übung und viel Feingefühl. Bei der Herzkatheteruntersuchung wird ein dünner Kunststoffschlauch unter Röntgendurchleuchtung von der Leiste bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Die Blutgefäße lassen sich dabei mit Kontrastmitteln sichtbar machen. Mögliche Engstellen oder Verschlüsse können erkannt und behandelt werden, indem sie zunächst mit einem Draht sondiert und anschließend geweitet werden.

Am Simulator kann der angehende Operateur ohne Zeitdruck und Gefährdung des Patienten die Intervention durchgehen, die Techniken erlernen und perfektionieren. Das System erfasst jede Bewegung der Eingriffsinstrumente und setzt diese in eine realistische optische Darstellung um. Dazu wurde ein Messverfahren für Translations- und Rotationsbewegungen dreier unabhängig voneinander bewegbarer Geräte entwickelt. Die Daten werden in eine dreidimensionale Bewegungssimulation mit passender Grafik umgesetzt. Der Simulator ist nicht auf die Koronarien beschränkt, man kann alle Gefäße im Körper behandeln.

Das flexible System ist für nahezu jedes Krankenhaus geeignet und kann an vorhandene Technik „angedockt werden“. Das Training bietet für jede Ausbildungsstufe in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden die passende Lösung. Informationen: www.cathi.de EB
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