ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2009Börsebius: Resteverwertung

GELDANLAGE

Börsebius: Resteverwertung

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LNSLNS Es geht drunter und drüber bei vielen Lehman-Geschädigten. Die Gerüchtelage ist vielfältig. Es lohne sich in jedem Fall zu klagen, sagen die einen. Bloß kein gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen, beschwören die anderen. Zu allem Unglück vernebeln etliche Anwälte die Sicht der Dinge und machen über die Presse glauben, eine erfolgreiche Klage sei mit links hinzukriegen, und wer dies nicht tue, verschenke sicheres Geld.

Die betroffenen Banken halten sich oft sehr bedeckt und ihre Kunden mit juristisch belanglosen Schönfärbereien hin.

Eben rief mich ein Leser an, dem sein Bankdirektor sagte, wohlgemerkt, nicht schrieb, sein Institut wolle in Sachen Kundenzufriedenstellung oder gar dessen Besserstellung die „Haltung unseres Hauses überdenken“. Dieses seichte, in keiner Weise zu irgendwas verpflichtende Versprechen ist mittlerweile sechs Monate alt, und seither schweigt die Bank fröhlich vor sich hin.

Vorab, damit die Verwirrung nicht zu groß wird. Jemanden wegen Falschberatung oder Fehlinformationen auf Schadensersatz zu verklagen, ist eine Sache. Durch die Presse geistern derzeit irgendwelche Fristen, die unbedingt noch dieses Jahr eingehalten werden müssen. Richtig, und hier ist die Deadline tatsächlich der 2. November 2009, aber das ist etwas ganz anderes, und zwar sind das Ansprüche, die an die Insolvenzmasse angemeldet werden müssen.

Ob und wie viel Geld aus diesem Topf an die Anleger fließen kann, ist völlig offen. Meiner Meinung wären zehn bis 15 Prozent der Anlagesumme schon Grund genug für ein Freudentänzchen. Bis die Kohle fließt, können allerdings noch einige Jahre ins Land gehen. Dennoch empfiehlt es sich, sich geduldig an den Trog (www.lehmann-docket.com) zu stellen, aber, nach dem 2. November läuft gar nichts mehr.

Wieder zurück zum Thema Klagen. Vor allem das Landgericht Hamburg hat Urteile zugunsten von Lehman-Anlegern gefällt. Aber Achtung, die sind allesamt noch nicht rechtskräftig und deren Ausgang am Ende bei Weitem noch nicht klar. Allenfalls ein Drittel aller Klagen dürfte unterm Strich Aussicht auf Erfolg haben. Ob es sich wirklich lohnt, sich dafür zeitraubenden Scharmützeln auszusetzen und die Nerven kaputt zu machen? Das Ganze unter Lehrgeld abzubuchen und in Zukunft vorsichtiger zu agieren, ist vielleicht die bessere Alternative.
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