ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2009Wichtige Aspekte der organerhaltenden Nierentumorchirurgie – Indikationsstellungen, neuer Standard und onkologische Ergebnisse: Organerhalt nicht zu 100 Prozent
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Indikation zur organerhaltenden Nierentumorresektion muss differenziert betrachtet werden. Begründet mit den Leitlinien der European Association of Urology (www.uroweb.org) sowie retrospektiven Registerdaten der Homburger Arbeitsgruppe einen Organerhalt in allen Fällen (100 %) von pT1a-Nierenzellkarzinomen als Therapieoption zu erheben, halte ich aus folgenden Gründen für nicht angemessen:

- in Abhängigkeit von der Lokalisation, zum Beispiel zentral und hilusnah gelegener Tumoren, kann auch bei pT1a-Tumoren die Entscheidung zur Tumornephrektomie im Einzelfall getroffen werden
- bei Patienten mit schwerwiegenden Komorbi-ditäten und fortzusetzender Thrombozytenaggregationshemmung nach zum Beispiel Implantation beschichteter koronarer Stents ist die Nephrektomie zur Minimierung des postoperativen Blutungsrisikos im Einzelfall zu bevorzugen
- die EAU-Leitlinien zur operativen Technik unterliegen einem schwachen Evidenzgrad (IIb–III), was die Evidenzstärke als Grundlage für therapeutische Empfehlungen erheblich einschränkt und 100 %-Forderungen prinzipiell nicht rechtfertigen kann
- eine absolute oder imperative Indikation zur Nierenteilresektion bedarf – obgleich in der urologischen Terminologie fest verankert – der Relativierung. Ist durch den operativen Eingriff mit geplantem Organerhalt die vollständige Entfernung des Tumors (Tx, N0, M0) nicht sicher zu gewährleisten, so ist auch hier die Nephrektomie mit konsekutiver (temporärer) Dialyse im Einzelfall zu diskutieren.

Die hervorragende Darstellung der verschiedenen operativen Techniken sollte man noch um die Möglichkeit der Versorgung von Parenchymdefekten mit gerinnungsaktiven Bioklebern ergänzen. Vorteil dieses Verfahrens ist, dass häufig ganz auf Umstechungsnähte verzichtet werden kann und eine Versorgung ohne Abklemmung der Hilusgefäße und damit ohne Ischämie möglich ist.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0563a


Prof. Dr. med. Thomas Otto
Urologische Klinik
Städtische Kliniken Neuss Lukaskrankenhaus GmbH
Preussenstraße 84
41464 Neuss
e-mail: thomas_otto@lukasneuss.de
1.
Becker F, Siemer S, Kamradt J, Zwergel U, Stöckle M: Important aspects of organ-preserving surgery for renal tumors. Indications, new standards, and oncological outcomes [Wichtige Aspekte der organerhaltenden Nierentumorchirurgie. Indikationsstellungen, neuer Standard und onkologische Ergebnisse]. Dtsch Artzebl Int 2009; 106(8): 117–22. VOLLTEXT
1. Becker F, Siemer S, Kamradt J, Zwergel U, Stöckle M: Important aspects of organ-preserving surgery for renal tumors. Indications, new standards, and oncological outcomes [Wichtige Aspekte der organerhaltenden Nierentumorchirurgie. Indikationsstellungen, neuer Standard und onkologische Ergebnisse]. Dtsch Artzebl Int 2009; 106(8): 117–22. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.