ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2009Herzinsuffizienz: Häufigster Grund für Kranken­haus­auf­enthalte – Medizinische und ökonomische Aspekte: Grunderkrankungen berücksichtigen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Alarmiert durch Daten des Statistischen Bundesamtes berichten Neumann und Koautoren (1) über „Diagnosen, Todesursachen und Kosten“ der Herzinsuffizienz, die „heutzutage eine der häufigsten und kostenintensivsten chronischen Erkrankungen“ sei.

Wenn die Autoren pauschal über die dafür angefallenen Kosten in Deutschland 2006 und künftige Trends nachdenken, muss beachtet werden, dass die Herzinsuffizienz keine chronische Erkrankung ist. Vielmehr handelt es sich um ein klinisches Syndrom mit charakteristischen Symptomen, denen ganz unterschiedliche Krankheiten zugrunde liegen. Somit sollte nicht undifferenziert über „die Herzinsuffizienz“ geschrieben werden, wenn eine chronische Form gemeint ist und eine konkrete nosologische Zuordnung der vorgelegten heterogenen statistischen Zahlenkolonnen nicht möglich ist.

Die akute und chronische Links- wie auch die akute und chronische Rechtsherzinsuffizienz sowie deren Kombination (globale Herzinsuffizienz) haben unterschiedliche, gleichwohl klassische Krankheitszeichen. Diese weisen auf vielfältige Veränderungen und Erkrankungen des linken und des rechten Herzens sowie des Herzbeutels hin, die sich auf drei Ursachengruppen für eine Herzinsuffizienz verteilen: dekompensierte Herzhypertrophie, myogene Herzinsuffizienz und Perikardveränderungen.

Wenn „aufgrund der Altersentwicklung neue Konzepte der Prävention und Therapie“ (1) der Herzschwäche angeraten werden, muss deren ätiologische Vielfalt berücksichtigt werden. Nichtrauchen verhindert eine chronische Emphysembronchitis mit dekompensiertem Cor pulmonale. Blutdruckkontrollen und körperliches Training unterbinden Myokardinfarkte und Infarktnarben infolge koronarer Herzkrankheit (2, 3). Eine Bekämpfung von chronischem Alkoholismus verhütet einen Teil der Kardiomyopathien. Diese und viele andere Erkrankungen führen zu einer „Herzinsuffizienz“, was aus der mitgeteilten globalen Statistik dieser „Einzeldiagnose“ naturgemäß nicht ersichtlich wird (1). Eine Betrachtung der Grundleiden für eine Herzinsuffizienz erscheint jedoch geboten, wenn medizinische und wirtschaftliche Gesichtspunkte zu dem häufigsten Grund für Kranken­haus­auf­enthalte erörtert werden.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0565a


Prof. Dr. med. Horst Nizze
Institut für Pathologie der Universität
Postfach 10 08 88
18055 Rostock
E-Mail: horst.nizze@med.uni-rostock.de
1.
Neumann T, Biermann J, Neumann A et al.: Heart failure: the commonest reason for hospitalization in Germany—medical and economic perspectives [Herzinsuffizienz: Häufigster Grund für Kranken­haus­auf­enthalte. Medizinische und ökonomische Aspekte]. Dtsch Arztebl Int 2009;106: 269–75. VOLLTEXT
2.
Halle M, Berg A, Hasenfuss G: Sekundärprävention der koronaren Herzerkrankung. Körperliches Training als Therapiepfeiler. Dtsch Arztebl 2003; 100(41): A 2650–6. VOLLTEXT
3.
Nizze H, Bernateck M: „Lebensstilintervention“ – Mephistos Rat. Dtsch Arztebl 2004; 101(28-29): A 2057. VOLLTEXT
1. Neumann T, Biermann J, Neumann A et al.: Heart failure: the commonest reason for hospitalization in Germany—medical and economic perspectives [Herzinsuffizienz: Häufigster Grund für Kranken­haus­auf­enthalte. Medizinische und ökonomische Aspekte]. Dtsch Arztebl Int 2009;106: 269–75. VOLLTEXT
2. Halle M, Berg A, Hasenfuss G: Sekundärprävention der koronaren Herzerkrankung. Körperliches Training als Therapiepfeiler. Dtsch Arztebl 2003; 100(41): A 2650–6. VOLLTEXT
3. Nizze H, Bernateck M: „Lebensstilintervention“ – Mephistos Rat. Dtsch Arztebl 2004; 101(28-29): A 2057. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.