ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2009Herzinsuffizienz: Häufigster Grund für Kranken­haus­auf­enthalte – Medizinische und ökonomische Aspekte: Eingeschränkter Geschlechtervergleich
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LNSLNS Mit großem Interesse haben wir den wichtigen Artikel zur Epidemiologie der Herzinsuffizienz in Deutschland gelesen, die sich aus den Grafiken 1 bis 3 und der Diskussion ergebenden Schlussfolgerungen bezüglich der Geschlechtsabhängigkeit des Erkrankungs- und Sterberisikos sind allerdings irreführend (1). Unter Anwendung der von den Autoren genutzten Datenquelle (2) lässt sich zeigen, dass bis zum hohen Lebensalter die Krankheits- und Sterbehäufigkeit bei Männern höher ist als bei Frauen: Bis zum 70. Lebensjahr haben Frauen ein 50 bis 60 % geringeres Sterbe- und Hospitalisierungrisiko als Männer, das sich bis zum 90. Lebensjahr langsam angleicht. Erst im noch höheren Lebensalter sind Frauen stärker betroffen.

Die Ursache für die scheinbar diskrepanten Befunde liegt in wechselnden Bezuggruppen bei der Altersstandardisierung unter Anwendung der Standardbevölkerung Deutschland 1987:

Die von der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2) veröffentlichten, altersstandardisierten Raten der Männer wurden auf die männliche und die Raten der Frauen auf die weibliche Bevölkerung von 1987 bezogen (3). Die Raten für Männer und Frauen dürfen daher zwar geschlechtsintern (zum Beispiel zwischen Bundesländern oder über die Zeit), keinesfalls aber miteinander verglichen werden. Eine korrekte Analyse und Darstellung von geschlechtsspezifischen Aspekten muss eine Standardpopulation verwenden, bei der Frauen und Männer eine identische Altersstruktur aufweisen (beispielsweise alte Europastandardbevölkerung) beziehungsweise sie muss beide Geschlechter auf dieselbe Bezugspopulation beziehen. Bei korrekter Standardisierung liegen die von den Autoren in den Grafiken 1 bis 3 dargestellten, altersstandardisierten Sterbe- und Hospitalisierungsraten der Frauen nicht über, sondern unter denen der Männer.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0565b

Dr. med. Frank Andersohn
Sylvia Binting
Prof. Dr. med. Stefan N. Willich, MPH, MBA

Anschrift für die Verfasser
Dr. med. Frank Andersohn
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
10098 Berlin
E-Mail: frank.andersohn@charite.de
1.
Neumann T, Biermann J, Neumann A et al.: Heart failure: the commonest reason for hospitalization in Germany—medical and economic perspectives [Herzinsuffizienz: Häufigster Grund für Kranken­haus­auf­enthalte. Medizinische und ökonomische Aspekte]. Dtsch Arztebl Int 2009;106: 269–75. VOLLTEXT
2.
Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE). http://www.gbe-bund.de.
3.
Statistisches Bundesamt (persönliche Mitteilung).
1. Neumann T, Biermann J, Neumann A et al.: Heart failure: the commonest reason for hospitalization in Germany—medical and economic perspectives [Herzinsuffizienz: Häufigster Grund für Kranken­haus­auf­enthalte. Medizinische und ökonomische Aspekte]. Dtsch Arztebl Int 2009;106: 269–75. VOLLTEXT
2. Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE). http://www.gbe-bund.de.
3. Statistisches Bundesamt (persönliche Mitteilung).

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