ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2009Herzinsuffizienz: Häufigster Grund für Kranken­haus­auf­enthalte – Medizinische und ökonomische Aspekte: Schlusswort
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LNSLNS Die Forderungen nach einer umfassenderen Darstellung der Datenlage, insbesondere unter Berücksichtigung der Ätiologie der Herzinsuffizienz, von Herrn Prof. Nizze können wir nur unterstützen.

Betrachtet man bevölkerungsbasierte Längsschnittstudien aus industrialisierten Ländern, so weisen deren Ergebnisse darauf hin, dass mit circa 70 % die ischämische Myokardschädigung den bei weitem größten Anteil in der Ätiologie der Herzinsuffizienz ausmacht (1, 2). Verbesserte Behandlungsoptionen und sinkende Mortalitätsraten des akuten Myokardinfarktes werden auch in Zukunft zu einer hohen Rate ischämischer Myokardschäden beitragen. Weitere 10 % sind nach Angabe der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie jeweils durch Vitien sowie durch Kardiomyopathien bedingt (2).

Leider bieten die zugänglichen Datensätze des statistischen Bundesamtes nicht die Möglichkeit einer selektiveren Abbildung hinsichtlich der Ätiologie für Deutschland. Lediglich die Unterscheidung von kongestiver Herzinsuffizienz (I50.0), Linksherzinsuffizienz (I50.1) sowie nicht näher bezeichneter Herzinsuffizienz (I50.9) ist anhand der statistischen Daten in Bezug auf Sterblichkeit und Hospitalisation durchführbar. Eine Unterscheidung hinsichtlich Rechtsherzinsuffizienz, Linksherzinsuffizienz beziehungsweise globaler Herzinsuffizienz lässt sich aus den Daten nicht herleiten. Hinsichtlich der Krankheitskosten ist die globale Betrachtung auf der 3-Steller-Ebene die detaillierteste Darstellungsoption. Somit ist auch für den Bereich Gesundheitsökonomie nach den zugänglichen Datensätzen eine weitere Differenzierung der Herzinsuffizienz aktuell nicht realisierbar. Dennoch werden wir den Kommentar von Herrn Prof. Nizze aufgreifen und versuchen, die Anregungen in künftigen Projekten mit umzusetzen.

Herr Dr. Andersohn und Koautoren weisen darauf hin, dass die von uns verwendete Standardbevölkerung (Deutschland 1987) nicht korrekt sei, da sie keine Vergleichbarkeit zwischen den Geschlechtern ermöglicht. Wir teilen die Auffassung der Kollegen nicht, auch wenn der Einwand der Berliner Arbeitsgruppe gerechtfertigt ist. Nach unserer Auffassung ist die in der Veröffentlichung verwendete Standardbevölkerung nicht weniger zu verwenden als die vorgeschlagene alte Europastandardbevölkerung. Zum einen basiert die vorliegende Arbeit auf nationalen Daten, sodass bereits aus diesem Grund die Auswahl der Standardbevölkerung Deutschland 1987 angemessen ist. Zudem wird die verwendete Standardbevölkerung auch von offizieller Seite für die Standardisierung der Daten angewendet. So erfolgte die Auswahl der zugrunde liegenden Standardbevölkerung in Anlehnung an die Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes (3).

Dennoch halten wir den Einwand von Herrn Dr. Andersohn und Kollegen hinsichtlich des eingeschränkten Geschlechtervergleiches für gerechtfertigt. Jedoch würden wir aufgrund der spezifischen Charakteristika der einzelnen Standardbevölkerungen nicht soweit gehen wollen, eine der diskutierten Standardbevölkerungen als korrekte beziehungsweise nicht korrekte Standardisierung zu bezeichnen. Hier ist eine differenziertere Betrachtung notwendig, zu der der Kommentar der Kollegen beigetragen hat.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0566


PD Dr. med. Dipl.-Kfm. Till Neumann
Janine Biermann

Anschrift für die Verfasser
PD Dr. med. Dipl.-Kfm. Till Neumann
Klinik für Kardiologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstraße 55
45122 Essen
E-Mail: till.neumann@uk-essen.de

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Fox KF, Cowie MR, Wood DA et al.: Coronary artery disease as the cause of incident heart failure in the population. Eur Heart J 2001; 22: 228–36. MEDLINE
2.
Dickstein K, Cohen-Solal A, Filippatos G et al.: ESC guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2008. Eur Heart J 2008; 29: 2388–442. MEDLINE
3.
Statistisches Bundesamt: Fachserie 12 / Reihe 6.2.1. Diagnosedaten der Patienten und Patientinnen in Krankenhäusern (einschließlich Sterbe-, und Stundenfälle) 2007. Wiesbaden 2008.
4.
Neumann T, Biermann J, Neumann A et al.: Heart failure: the commonest reason for hospitalization in Germany—medical and economic perspectives [Herzinsuffizienz: Häufigster Grund für Kranken­haus­auf­enthalte. Medizinische und ökonomische Aspekte]. Dtsch Arztebl Int 2009;106: 269–75. VOLLTEXT
1. Fox KF, Cowie MR, Wood DA et al.: Coronary artery disease as the cause of incident heart failure in the population. Eur Heart J 2001; 22: 228–36. MEDLINE
2. Dickstein K, Cohen-Solal A, Filippatos G et al.: ESC guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2008. Eur Heart J 2008; 29: 2388–442. MEDLINE
3. Statistisches Bundesamt: Fachserie 12 / Reihe 6.2.1. Diagnosedaten der Patienten und Patientinnen in Krankenhäusern (einschließlich Sterbe-, und Stundenfälle) 2007. Wiesbaden 2008.
4. Neumann T, Biermann J, Neumann A et al.: Heart failure: the commonest reason for hospitalization in Germany—medical and economic perspectives [Herzinsuffizienz: Häufigster Grund für Kranken­haus­auf­enthalte. Medizinische und ökonomische Aspekte]. Dtsch Arztebl Int 2009;106: 269–75. VOLLTEXT

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