ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2009Korruption bei Doktortiteln: Auch Mediziner im Visier der Ermittler

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Korruption bei Doktortiteln: Auch Mediziner im Visier der Ermittler

Hibbeler, Birgit

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Foto: Photothek
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Unter den Hochschullehrern, gegen die die Staatsanwaltschaft wegen Bestechlichkeit bei der Vergabe von Doktortiteln ermittelt, sind auch Humanmediziner. Das bestätigte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld auf Anfrage dem Deutschen Ärzteblatt. Wie viele der rund 100 verdächtigen Dozenten an medizinischen Fakultäten tätig seien, könne er allerdings derzeit nicht sagen. Ebenfalls wollte er keine Auskunft darüber geben, an welchen Universitätsstandorten Mediziner im Visier der Ermittler sind.
Die Hochschullehrer sollen promotionswilligen, aber ungeeigneten Akademikern zu einem Doktortitel verholfen haben. Ihnen wird vorgeworfen, Kandidaten als Doktoranden angenommen zu haben, die nicht ausreichend qualifiziert waren. Im Gegenzug erhielten sie offenbar Bestechungsgelder in Höhe von 4 000 bis 20 000 Euro. Bei den Verdächtigen soll es sich vor allem um Privatdozenten und außerplanmäßige Professoren handeln, nicht um Lehrstuhlinhaber. Eine zentrale Rolle soll dabei das „Institut für Wissenschaftsberatung“ in Bergisch Gladbach gespielt haben, das den Kontakt zwischen den Dozenten und den Promotionswilligen hergestellt haben soll.
Der Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes, Dr. jur. Michael Hartmer, wies darauf hin, dass den betrügerischen Absolventen nun die Aberkennung ihrer Doktortitel drohe. Er rechnet damit, dass im Zuge der Ermittlungen noch weitere Betrugsfälle aufgedeckt werden. Hartmer forderte zudem schärfere Regeln für Promotionen. Sinnvoll sei eine eidesstattliche Versicherung, dass die Arbeit ohne unerlaubte Hilfe entstanden sei. „Das hätte abschreckende Wirkung“, betonte er. BH
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