ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2009Randnotiz: Für die Moral hinter Gittern

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Randnotiz: Für die Moral hinter Gittern

Dtsch Arztebl 2009; 106(36): A-1695 / B-1459 / C-1427

Gerst, Thomas

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LNSLNS Manchmal kommt es gleich knüppeldick. Erst erhalten die Kassenärzte einen Honorarzuschlag von rund vier Milliarden Euro. Dann sollen sie in den Jahren 2002 bis 2007 auch noch höhere Einkommenszuwächse gehabt haben als der Durchschnittsarbeitnehmer. Als wäre das nicht schon genug der üblen Nachrede – nun geistern auch noch Meldungen durch die Presse, es gehe bei den Ärzten die moralische Urteilsfähigkeit im Verlauf des Medizinstudiums zurück. Das jedenfalls will die Psychologin Marcia Schillinger von der Pädagogischen Hochschule Weingarten bei einer Untersuchung unter 1 149 Studierenden herausgefunden haben. Der Grund: Im Medizinstudium fehle es an Gelegenheiten, Verantwortung zu übernehmen, zu viel Pauken mindere die moralische Urteilsfähigkeit.

Anders sieht es dagegen mit der Moral im Strafvollzug aus. Eine zweijährige Studie im Gefängnis Moabit kommt zu dem Ergebnis, dass sich dort die moralische Urteilsfähigkeit nach mehreren Trainingseinheiten – sprich Diskussionsrunden zu moralischen Fragen – verbessert habe. Intensives moralisches Training zahlte sich dort aus. Diese Erkenntnis führte wohl auch an der Universität Ulm zu dem Angebot für Medizinstudierende, über die Methode der Dilemmadiskussion die eigene medizin-ethische Urteils- und Diskursfähigkeit zu stärken.

Davon profitieren allerdings nur die angehenden Ärzte. Warum macht man sich nicht in der ärztlichen Fortbildung den Erkenntnisvorsprung der Moabiter Häftlinge in Sachen Ethik zunutze? Jeden Mittwoch nachmittag zum moderierten Qualitätszirkel hinter Gittern. Einige Fortbildungspunkte von der Ärztekammer werden dafür wohl drin sein.
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