ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2009Evaluation der Weiterbildung: Auf der Zielgeraden

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Evaluation der Weiterbildung: Auf der Zielgeraden

Korzilius, Heike

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LNSLNS Noch bis zum 20. September können sich Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung an der Online-Umfrage zur Situation der Weiterbildung beteiligen.

Erfolg oder Flop? Noch liegen keine Zahlen darüber vor, wie viele Weiterbilder und Assistenten sich bereits zur Qualität ihrer Facharztweiterbildung geäußert haben. Die erste bundesweite Online-Umfrage läuft seit Juni, und die Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse steht und fällt mit der Bereitschaft der Betroffenen, sich daran zu beteiligen. Die Weiterbildungsbefugten, die dafür verantwortlich sind, dass die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung die Zugangscodes für die Online-Befragung erhalten, können jetzt noch bis zum 10. September ihre Bewertungen abgeben. Ursprünglich sollte das Portal am 31. August geschlossen werden. Die Assistenten haben bis zum 20. September Zeit, an der Befragung teilzunehmen.

„Bei dem Projekt geht es darum, Stärken und Schwächen des derzeitigen Systems aufzuzeigen und die Qualität der Weiterbildung zu verbessern“, betonte der Vorsitzende der Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Dr. med. H. Hellmut Koch, beim Start der Befragung. Denn die Weiterbildung liefere die wesentliche Strukturqualität für die Patientenversorgung. „Deshalb ist eine Überprüfung notwendig.“

Mit Ausnahme von Sachsen beteiligen sich alle Lan­des­ärz­te­kam­mern an der Evaluation, die die BÄK koordiniert. Außerdem haben die Ärztekammern jeweils eine Hotline eingerichtet, an die sich Weiterbilder und Weiterzubildende wenden können, falls es Probleme gibt.

Start frei: Unter www.evaluationweiterbildung. de können Weiterbilder und Weiterzubildende ihre Bewertung abgeben
Start frei: Unter www.evaluationweiterbildung. de können Weiterbilder und Weiterzubildende ihre Bewertung abgeben
Dabei ergeben die bisherigen Erfahrungen vor Ort ein relativ buntes Bild, wie spontane Rück­meldungen der Weiter­bildungs­assistenten im Netzwerk „Junge Allgemein­medizin Deutsch­lands“ (JaDe) und der Weiterbildungs­assistenten Allgemein­medizin Berlin (WaBe) belegen. Die meisten erklären, ihre Weiter­bilder hätten ihnen ihre Zugangs­codes umgehend ausgehändigt. Wenige beteuern allerdings, sie hätten – trotz des hohen Werbeaufwands der Ärztekammern – nichts von dem Projekt gewusst. „Hier hat niemand einen Code bekommen oder wusste etwas von der Evaluation“, schreibt A. M. in einer E-Mail, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt. Nur M. S. bekennt sich dazu, die Befragung boykottiert zu haben: „Die Tatsache, dass die Ergebnisse den Betroffenen, also uns, nachher nicht gezeigt werden, macht die gesamte Evaluation für mich wertlos.“ Dabei trifft gerade das, wie die Verantwortlichen in den Ärztekammern betonen, nicht zu. Die Assistenzärzte würden in jedem Fall über das Abschneiden ihrer Abteilung informiert, obwohl eine allen zugängliche Veröffentlichung der Umfrageergebnisse in dieser ersten Runde noch nicht zwingend vorgeschrieben sei. Weiterbildungsexperte Koch hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass die Umfrage sich zu einem kontinuierlichen Instrument der Qualitätssicherung entwickeln soll. Sie wird alle zwei Jahre wiederholt, und ab 2011 müssen auch die Ergebnisse veröffentlicht werden.

Vorbild ist dabei die Schweiz, deren Fragebogen zur Situation der Weiterbildung der deutschen Umfrage zugrunde liegt. Dort sind die Ergebnisse für die einzelnen Weiterbildungsstätten im Internet auf der Seite der Schweizer Ärzteorganisation (FMH) abrufbar. Wer eine Stelle als Assistenzarzt sucht, kann sich mithin auf der Website der FMH darüber informieren, wie der künftige Chef abgeschnitten hat.

Über die Folgen der Umfrage für die ärztliche Weiterbildung herrscht allerdings eine gewisse Skepsis bei den angehenden Allgemeinärzten. C. H. schreibt, die Kammern wollten damit zeigen, „dass doch alles gar nicht so schlecht ist in Deutschland, wie die bösen Kritiker das immer behaupten“. T. M. befürchtet, die Evaluation sei ein Feigenblatt, „aber es ist zumindest seit Jahren endlich mal wieder ein Versuch“. Und P. K. meint: „Ich hoffe, ehrlich gesagt, auf einige schlechte Bewertungen in den einschlägigen Kliniken, besonders an den Universitäten. Nicht, dass ich den Assistenten eine schlechte Weiterbildung wünsche, aber ich hoffe, dass die sogenannten Weiterbilder mal eine Rote Karte bekommen.“ Den Grundstein für eine valide Umfrage hat P. K. jedenfalls gelegt: „Ich habe nichts beschönigt und kritisiert und gelobt, wo es angebracht war.“
Heike Korzilius
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