ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2009Bachelor/Master in der Medizin: Konkrete Pläne in Oldenburg

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Bachelor/Master in der Medizin: Konkrete Pläne in Oldenburg

Hibbeler, Birgit

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Bislang ist die Medizin vom Bologna-Prozess ausgenommen. Nun aber will die Universität Oldenburg eine Bachelor- und Masterstruktur einführen – in Kooperation mit dem niederländischen Groningen.

Das Konzept steht. Trotzdem heißt es für Prof. Dr. rer. nat. Reto Weiler von der Universität Oldenburg zunächst einmal abwarten. Denn ob und wann die „European Medical School Oldenburg-Groningen“ ihre Türen öffnet, hängt zurzeit nicht mehr von den Initiatoren in Niedersachsen und den Niederlanden ab, sondern von Entscheidungsträgern außerhalb der Universitäten. Der Plan: Oldenburg will in Kooperation mit Groningen Humanmediziner ausbilden. Das Besondere dabei ist, dass die Universität bisher keine medizinische Fakultät hat. Außerdem soll das Curriculum den Vorgaben des Bologna-Prozesses entsprechen. Oldenburg wäre also der erste Standort in Deutschland, an dem die Medizinstudierenden einen Bachelor und Master erwerben.

„Grundsätzlich haben wir uns vorgenommen, zum Wintersemester 2011/12 zu starten“, kündigte Weiler dem Deutschen Ärzteblatt an. Der Zeitplan hängt unter anderem von der Begutachtung durch den Wissenschaftsrat ab. Der wird sich zunächst im Oktober ein Bild vor Ort machen, um dann im Frühjahr 2010 ein abschließendes Urteil und eine Empfehlung an das Land Niedersachsen abzugeben. Weiler ist allerdings zuversichtlich, dass das Projekt nicht völlig abgelehnt wird. Aus der Politik gebe es außerdem bereits „positive Signale“.

Doch nicht alle Akteure in der Hochschulmedizin blicken wohlwollend nach Oldenburg. Sowohl der Medizinische Fakultätentag als auch Ärztevertreter haben erhebliche Bedenken. So sprach sich zuletzt der Deutsche Ärztetag in Mainz gegen die Einführung einer Bachelor- und Masterstruktur aus. „Das einheitliche und hochwertige Medizinstudium mit dem Abschluss ‚Staatsexamen‘ muss erhalten bleiben, da der Bachelor in der Medizin keinen berufsqualifizierenden Abschluss darstellt“, heißt es in dem Beschluss. Mit der neuen Approbationsordnung sei bereits die Basis für die geforderte Verknüpfung von theoretischen und praktischen Ausbildungsabschnitten geschaffen worden. Auch garantiere eine EU-Richtlinie (2005/36/EG beziehungsweise 93/16/EWG) die Anerkennung von Studienabschlüssen für die Medizin und somit auch die Mobilität in Europa. Gerade diese Richtlinie erleichtert aber auch das Oldenburger Modell. Die Studierenden erwerben einen Doppelabschluss: einen „Master of Science“ und einen niederländischen „Master in Geneeskunde“. Der Letztere ermöglicht die Approbation in den Niederlanden. Dank der besagten EU-Richtlinie können die Absolventen dann problemlos in Deutschland als Ärzte arbeiten – ohne je vom ZVS-Verfahren und der deutschen Approbationsordnung (ÄAppO) betroffen gewesen zu sein. Nach der ÄAppO ist ein Bachelor-/Mastercurriculum unterdessen nur im Rahmen eines sogenannten Modellstudienganges denkbar. Entsprechende Überlegungen gibt es unter anderem an der Berliner Charité, wo zum Wintersemester 2010/11 ein neuer Modellstudiengang starten soll.

Niederländischer Master statt deutsches Staatsexamen
Für Weiler ist die Kooperation mit Groningen aber kein „Umweg über die Niederlande“. Vielmehr sieht er darin ein wegweisendes Projekt. „Wir wollen europäische Ärzte ausbilden“, stellt er klar. 80 Studierende sollen sich an der European Medical School jedes Jahr einschreiben – davon 40 deutsche. Bei der Auswahl soll unter anderem die Abiturnote eine Rolle spielen, englische und niederländische Sprachkenntnisse werden weitere Voraussetzungen sein.

Die Vorbehalte gegen ein Bachelor-/Mastercurriculum kann Weiler nachvollziehen. Doch aus seiner Sicht gibt es dazu in einem europäischen Hochschulraum keine Alternative. „Über kurz oder lang wird eine Umstellung kommen, und das ist eigentlich auch allen Beteiligten klar.“
Dr. med. Birgit Hibbeler
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