ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2009Humane Papillomviren: In Deutschland wird spät geimpft

MEDIZINREPORT

Humane Papillomviren: In Deutschland wird spät geimpft

Dtsch Arztebl 2009; 106(36): A-1713 / B-1474 / C-1442

Zylka-Menhorn, Vera; Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die HPV-Impfung hat ihre höchste Impfquote unter den 17-jährigen Frauen.
Nach Daten eines US-Melderegisters hat sich die Vakzine als sicher erwiesen.

Die Impfungen gegen humane Papillomviren (HPV) zur Prävention des Zervixkarzinoms, die nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission bei Mädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren erfolgen sollten, werden in Deutschland relativ spät verabreicht. Das legen Verordnungsdaten aus dem Jahr 2008 von neun Unternehmen des Verbands der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) nahe, bei denen 69 Prozent aller Privatversicherten unter Vertrag stehen. Die höchsten Impfquoten wurden demnach für die 17-Jährigen (15,9 Prozent) und 18-Jährigen (15,6 Prozent) ermittelt.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen zeigt sich ein ähnliches Bild: So wurde bei der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK) zwar die Mehrzahl der HPV-Impfungen (53,6 Prozent) jungen Frauen vor dem 16. Geburtstag verabreicht. Dennoch waren die Quoten der 16- und 17-Jährigen mit fast 19 und 20 Prozent am höchsten.

Ob der gewünschte Schutzeffekt dann noch erzielt wird, ist fraglich, denn nach der bisherigen Studienlage wird die beste Immunisierung erreicht werden, wenn vor der Impfung keine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) erfolgte. Die HPV-Impfung sollte daher vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen. Nach Umfragen hatte allerdings jede zweite 16-Jährige schon einmal Geschlechtsverkehr.

Studie zu Nebenwirkungen in den USA publiziert
Die HPV-Impfung hat sich in den ersten zweieinhalb Jahren ihrer Anwendung in den USA als sicher erwiesen. Nach einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 302: 750–7) waren Synkopen die einzige auf die Impfung zurückzuführende Komplikation. Hersteller von Impfstoffen sind in den USA verpflichtet, ihnen bekannt gewordene Zwischenfälle an das Vaccine Adverse Event Reporting System weiterzuleiten, das von den beiden Behörden Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und der Food and Drug Administration eingerichtet wurde. Zwischen Juni 2006, als der Impfstoff Gardasil® in den USA eingeführt wurde, und Ende 2008 sind insgesamt 23 Millionen Dosen geimpft worden.

In diesem Zeitraum sind 12 424 Meldungen zu „adverse events following immunization“ (AEFI) eingegangen, darunter waren 772 schwere Zwischenfälle einschließlich 32 Todesfällen. Diese Todesfälle standen nach Einschätzung von Barbara Slade von der CDC jedoch nicht in einem kausalen Zusammenhang mit der Impfung (JAMA 2009; 302: 750–7).

Ein Tod infolge einer diabetischen Ketoazidose oder einer bakteriellen Meningitis, um zwei Beispiele zu nennen, lässt sich nicht auf eine Impfung zurückführen. Schwieriger fällt die Entscheidung bei den 42 AEFI, die ein Guillain-Barré-Syndrom betreffen, einer neurologischen Erkrankung, die in der Vergangenheit mit Grippeimpfungen in Verbindung gebracht wurde.

Aber auch hier kommen Slade und Mitarbeiter zum Schluss, dass ein Zusammenhang unwahrscheinlich ist. Sie begründen dies mit einer „proportional reporting ratio“ (PRR) von 0,4. Die PRR setzt die Zahl der schweren Nebenwirkungen bei einem Medikament zur Zahl der schweren Nebenwirkungen bei mehreren Medikamenten der Datenbank in Beziehung. Ein Wert unter eins spricht gegen einen Verdacht oder in den Worten der Autoren: Die Screening-Kriterien für eine Signaldetektion waren nicht erfüllt.

Nur in zwei Bereichen sehen Slade und Mitarbeiter einen möglichen Zusammenhang: Dies war einmal bei Synkopen der Fall, die nach den Impfungen mit einer Rate von 8,2/ 100 000 Impfdosen gemeldet wurden und sich leicht als die Folge einer im Teenageralter erhöhten Nervosität deuten lassen. Das dürfte auch auf Schwindelgefühle zutreffen, die mit einer Rate von 6,8/100 000 Impfungen gemeldet wurden.

Das zweite Signal war ein Anstieg der venösen Thromboembolien. Sie waren zwar selten (Rate 0,2/100 000 Impfdosen), aber doch häufiger als erwartet. Die Autoren führen diese Komplikation allerdings nicht auf die Impfung zurück, sondern auf die häufigere Einnahme von oralen Kontrazeptiva bei Teenagern und Frauen. Dass es nach der Impfung gelegentlich zu lokalen Reaktionen an der Einstichstelle kommt, war zu erwarten. Die Häufigkeit war mit 7,5/100 000 Impfdosierungen allerdings gering.
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
Rüdiger Meyer

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