ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2009Mammakarzinom: Individuelles Risiko für ein Rezidiv analysieren

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Mammakarzinom: Individuelles Risiko für ein Rezidiv analysieren

Bischoff, Angelika

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MammaPrint-8- Pack-Array: Jeder Array beinhaltet insgesamt 1 900 Oligonukleotide, die die 70 Gene des Profils in dreifacher Ausführung repräsentieren. Foto: Agendia BV
MammaPrint-8- Pack-Array: Jeder Array beinhaltet insgesamt 1 900 Oligonukleotide, die die 70 Gene des Profils in dreifacher Ausführung repräsentieren. Foto: Agendia BV
Der MammaPrint®-Microarray-Test misst die Aktivität von 70 Genen einer Brustkrebs-Gewebeprobe.

Viele Brustkrebs-Patientinnen erhalten heute eine adjuvante Systemtherapie, obwohl sie eigentlich schon durch die Operation allein geheilt wären. Durch Analyse des Tumor-Genexpressionsprofils könnte man dies vielen Frauen ersparen. Die Therapie des Mammakarzinoms richtet sich nach klassischen prognostischen Faktoren wie Tumorgröße, Zahl befallener Lymphknoten, Gefäßinvasion, histologischer Typ und Grad, HER-Expression und Hormonrezeptorstatus (St.-Gallen-Kriterien). Bis zu 85 Prozent der Patienten wird nach Erhebung dieser Faktoren eine adjuvante Chemotherapie angeraten, obwohl mehr als die Hälfte auch ohne diese Therapie nie ein Rezidiv bekommen würde.

Es müssten deshalb Möglichkeiten gesucht werden, das Rezidivrisiko individuell genauer zu bestimmen und damit die adjuvante Chemotherapie viel selektiver anzuwenden, wie Dr. Joseph Gligorov (Paris) bei einer Pressekonferenz in Stockholm erklärte. Dies wird insbesondere deshalb wichtiger, weil sich auch die Therapiemöglichkeiten immer mehr in eine maßgeschneiderte Richtung (Stichwort: targeted therapy) entwickeln.

Der Nutzen einer systemischen Therapie hängt viel stärker von biologischen Eigenschaften der Tumorzellen als von der Tumormasse ab. Die Entwicklung geht deshalb von der rein morphologischen Beurteilung früherer Tage zur biologischen Charakterisierung. Dieser Weg hat mit der Analyse des Hormonrezeptorstatus begonnen und wurde mit der HER-2-Bestimmung fortgesetzt. Beides hat erheblich zur Risikoabschätzung und Therapieplanung beigetragen. Diese Faktoren bilden aber nur einen kleinen Teil der biologischen Eigenschaften von Mammakarzinomzellen. Die einzige Möglichkeit einer umfassenden Beurteilung bietet eine vollständige Genexpressionsanalyse.

Dies erlaubt das gut validierte molekulare Assay MammaPrint (Agendia BV), welches auf der DNA-Mikroarray-Technologie basiert. Damit lässt sich das individuelle Risiko für eine Tumorprogression in frühen Brustkrebsstadien sicher abschätzen. Es können wesentlich mehr Patientinnen mit geringem Metastasierungsrisiko identifiziert werden, als mit den bisherigen Prognosekriterien. Und man kann mehr Frauen eine adjuvante Chemotherapie ersparen, von der sie kaum einen Nutzen haben.
Für einen MammaPrint-Test kommen prä- und postmenopausale Patientinnen im Stadium 1 und 2 des invasiven Mammakarzinoms in Betracht, die eine Tumorgröße unter fünf Zentimeter aufweisen, einen Lymphknotenstatus N0 bis N3, keine Fernmetastasen und bei denen grundsätzlich keine Therapieoption von vorneherein ausscheidet. Am Brustzentrum des Vivantes-Hospitals in Berlin werde die Biopsie routinemäßig anlässlich der Primäroperation vorgenommen, berichtete Dr. med. Michael Wolf (Berlin).
Dr. med. Angelika Bischoff

Pressekonferenz „MammaPrint – Optimizes Therapy Planning based on Individual Risk Stratification“, ESMO-Kongress Stockholm, Veranstalter: Agendia BV
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